Zum Hauptinhalt Zur Navigation

IMHO: Was Palm falsch macht

Palm agiert international viel zu zögerlich. Die Zukunft von Palm sieht düster aus. Die jüngsten Quartalszahlen haben für einen rapiden Kursverfall der Palm-Aktie gesorgt. Letztendlich hat Palm diese heikle Situation selbst verschuldet.
/ Ingo Pakalski
159 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Als Palm Anfang Januar 2009 mit dem Pre das erste WebOS-Smartphone vorstellte, sah die Zukunft für den PDA-Pionier positiv aus. Mit WebOS konnte der lang erwartete Neustart des Unternehmens losgehen und Palm setzte alles auf eine Karte: auf WebOS. Nicht nur Palm OS, sondern auch Windows Mobile wurde der Rücken gekehrt . Das war einerseits ein mutiger, andererseits für Palm aber ein notwendiger Schritt.

Bis das Pre dann auf den Markt kam, vergingen noch einige Monate. Erst Anfang Juni 2009 konnten Kunden das erste WebOS-Smartphone kaufen – allerdings nur in den USA . Ebenfalls im Juni 2009 kam Apples iPhone 3GS – weltweit – auf den Markt . Dieses neue Modell hat viele Kritikpunkte beseitigt, die es an den iPhone-Modellen der ersten beiden Generationen noch gab. Die Konkurrenzsituation für Palm spitzte sich damit erheblich zu.

Palm nur in wenigen Ländern Europas vertreten

Den deutschen Markt betrat Palm mit dem Pre dann erst Mitte Oktober 2009 , also über zehn Monate nach der Produktankündigung und vier Monate nach dem US-Marktstart. Und weiterhin ignoriert Palm viele große Märkte. Das Smartphone gibt es derzeit außer in den USA nur in Deutschland, Großbritannien, Irland, Spanien, Kanada und Mexiko. In Frankreich sollen nicht näher spezifizierte WebOS-Smartphones irgendwann im zweiten Quartal 2010 auf den Markt kommen. Selbst in Europa ist Palm damit nur sehr lückenhaft präsent und in Asien gar nicht. Demzufolge kann Palm in diesen Ländern auch keine Umsätze generieren.

Während die Situation beim Pre noch vergleichsweise gut aussieht, steht es bei den drei anderen im Markt befindlichen WebOS-Smartphones schlecht. Nicht einmal das seit November 2009 in den USA angebotene Palm Pixi gibt es bisher in Europa, ganz zu schweigen vom Pre Plus oder Pixi Plus , die beide seit Ende Januar 2010 in den USA verkauft werden. Während also jenseits der USA darauf gewartet wird, dass vor allem das Pre Plus zu haben ist und die Kunden nicht mit dem veralteten Pre vertröstet werden, kündigte Palm diese Woche eine Partnerschaft mit AT&T an, so dass nun neben Verizon ein weiterer Mobilfunknetzbetreiber das Pre Plus und das Pixi Plus in den USA anbieten wird – irgendwann "in den nächsten Monaten" .

Palm konzentriert sich zu sehr auf den US-Markt

Aber selbst im Heimatmarkt gibt sich Palm alle Mühe, treue Kunden zu verprellen. So gibt es sowohl das Pre als auch das Pixi weiterhin bei Sprint, während die besseren Nachfolgemodelle Pre Plus und Pixi Plus bei Verizon und bald bei AT&T zu bekommen sind. Pre-Kunden, die in den USA zum Pre Plus wechseln wollen, müssen dabei zwangsläufig auch ihren Mobilfunknetzbetreiber wechseln.

Künstlich verknappte Softwareauswahl

Nicht-US-Kunden werden auch bei der Softwareauswahl im App Catalog benachteiligt. Denn während die US-Version des App Catalog mittlerweile auf rund 1.800 Applikationen kommt, sind es in Deutschland nur 300 Einträge. Grund dafür ist auch, dass die Bezahlfunktion im App Catalog bislang nur in den USA aktiviert ist und daher sehr viele Applikationen hierzulande nicht vermarktet werden. Das ändert sich erst am 31. März 2010, wenn die Bezahlfunktion für den deutschen App Catalog kommt.

Ob das aber automatisch die Menge der für Deutschland verfügbaren WebOS-Programme nach oben schnellen lässt, ist fraglich. Denn nachdem Palm im November 2009 beschlossen hatte , dass für jede über den App Catalog angebotene Software festgelegt werden muss, für welche Märkte sie angeboten werden soll, verringerte das mit einem Schlag die Einträge im deutschen App Catalog. Viele bis dahin auch für deutsche Pre-Besitzer verfügbare Applikationen wurden nicht mehr gelistet, weil die Programmanbieter die nötigen Häkchen nicht gesetzt hatten. Aus diesem Grunde sind viele kostenlose Applikationen über den deutschen App Catalog bis heute nicht zu bekommen, obwohl sie auf einem deutschen Pre natürlich anstandslos funktionieren.

Palm verzichtet auf Einnahmen aus dem Softwareverkauf

Seit dem Marktstart des Pre in Deutschland hat Palm also fast ein halbes Jahr gebraucht, bis die Bezahlfunktion im deutschen App Catalog aktiviert wird. Da Palm – wie auch andere Betreiber von Smartphone-Software-Shops – 30 Prozent der Einnahmen erhält, die über den App Catalog umgesetzt werden, hat das Unternehmen in den vergangenen Monaten auf Geld aus diesem Geschäftsfeld verzichtet. Gleichzeitig hat Palm dafür gesorgt, dass deutsche Kunden viele sinnvolle Applikationen seit Monaten nicht nutzen können.

Der aktuelle Abgesang auf Palm muss noch nicht das Ende des Unternehmens sein: Denn es wäre nicht das erste Mal, dass Palm zu früh totgesagt wurde. Allerdings muss sich an der Geschäftsstrategie schnell etwas ändern, wenn Palm im Konkurrenzkampf mit Apple, Microsoft, Google, Nokia, Research In Motion, HTC, LG, Samsung, Motorola und Sony Ericsson nicht untergehen will. Palm-Chef Jon Rubinstein hat angekündigt, dass Palm in Kürze neue Partnerschaften mit weiteren Netzbetreibern verkünden will. Das darf aber nicht mehr lange auf sich warten lassen und dabei muss klar sein, dass die überarbeiteten Modelle Pre Plus und Pixi Plus dann gleich zu den Kunden kommen.

Eine Analyse von Palms Aktivitäten auf dem US-Markt liefert ein Bericht von Engadget(öffnet im neuen Fenster) .

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)


Relevante Themen