Spieletest: Die Siedler 7 - sie wuseln wieder

"Liefert einen Vorrat Waffen an die Raubritterburg und Ihr werdet mit einem Siegpunkt entlohnt" – das ist ein Satz, den auch altgediente Fans der Siedler-Reihe von Blue Byte noch nicht gelesen haben. In der jüngsten Ausgabe Die Siedler 7 spielt er jedoch eine größere Rolle: Denn nur wer in den Missionen oder Multiplayerwettbewerben diese oder eine von 16 weiteren Aufgaben absolviert, sammelt Siegpunkte und zwingt seine Gegner so allmählich in die Knie.

Die Siegpunkte sind eine der wichtigeren Neuerungen gegenüber den Vorgängern. Das grundsätzliche Spielprinzip mit einer Reihe von bewährten Elementen hingegen haben die Entwickler zwar hier und da um sinnvolle Neuerungen ergänzt, aber im Grunde unverändert gelassen: Spieler erstellen – mit einem überarbeiteten Bausystem -, weiterhin Siedlungen und somit zunehmend komplexe Produktionsketten, durch die sich ein einfaches Bauernvolk allmählich zur fortgeschrittenen Zivilisation mit allerlei Errungenschaften mausert. Wer anfangs nur ein paar morsche Hütten sein Eigen nennt und sich mühsam von selbst geangeltem Fisch ernährt, kann später Prachtbauten in die Landschaft setzen und Bier, Brot und noch weit erlesenere Köstlichkeiten herstellen.














Grafik und Atmosphäre hat Blue Byte sogar von Grund auf überarbeitet. Teil 7 ist deutlich weniger realistisch als der direkte Vorgänger – aber ganz so übertrieben knuddelig wie zur Mitte der Reihe geht es glücklicherweise auch nicht zu. Stattdessen sieht alles ein bisschen aus wie bei Disney, die Siedler selbst wirken wie gutgelaunte 3D-Zeichentrickfiguren.
Das eigentliche Highlight sind aber Landschaft und Städte: Insbesondere auf leistungsstarken PCs wirken die Umgebungen teils traumhaft schön. Da sind sanfte Hügelketten mit lauschigen Wäldern bewachsen, durch die Flüsse verlaufen und sich dann todesmutig einen Wasserfall hinunterstürzen, der sich dann wieder gemütlich durch eine Ortschaft schlängelt – so schön hat noch kein Siedler ausgesehen.
Siegpunkte fördern unterschiedliche Spielweisen
Spieler treten wahlweise in der Kampagne an, kämpfen in kurzen Scharmützeln gegen die KI, im Multiplayermodus gegen menschliche Kontrahenten oder spielen im Imperiummodus um Ranglistenpunkte. Die Einzelspielerkampagne erzählt die etwas wirre und klischeehafte Geschichte von Prinzessin Zoé, die dem zerstörten Königreich Tandrien wieder zu altem Glanz verhelfen möchte. Die ersten paar der insgesamt zwölf Missionen dienen als Tutorial, in dem bestimmte Gebäude aufgebaut oder Areale erobert werden müssen, um voranzukommen. Wer eine Mission erfolgreich absolviert hat, kann sie auf Wunsch im Endlosspiel weiter besiedeln.














Später kommt das Siegpunktesystem zum Einsatz, das tatsächlich für ein etwas neues Spielgefühl sorgt. Dabei müssen nicht einseitig beispielsweise militärische Ziele erreicht werden: Wer lieber als Ökonom unterwegs ist, liefert sich mit seinem KI-Kontrahenten eine Wettbewerb und versucht, den Siegpunkt "Handelsaußenposten" zu ergattern, indem er einen speziellen Handelsaußenposten errichtet. Andere Siegpunkte gibt es für den, der zuerst die Kirche zum Bischofssitz aufwertet oder eine bestimmte Technologie erfindet. Wer die jeweilige Karte gewinnen will, muss eine vorgegebene Menge an Siegpunkten erreichen und den Vorsprung einige Minuten lang halten.
Trotz solcher Alternativen führen auch in Die Siedler 7 ein paar Wege nicht an Gefechten vorbei. Im ewigen Wandel der Siedler-Kampfsysteme kommt diesmal ein sehr indirektes und unkompliziertes zum Einsatz: Der Spieler muss durch seine Produktionsstätten für ausreichend Ressourcen sorgen, um sich Militäreinheiten leisten zu können. Die heuert er in der Taverne an. Wenn er meint, stark genug zu sein, schickt er seine Männer mit einem Mausklick in gegnerisches Terrain. Den Rest erledigt der General weitgehend selbstständig, inklusive der finalen Machtübernahme in feindlichen Schlüsselgebäuden.
Kopierschutz: Kein Siedeln ohne permanente Onlineverbindung
Die Siedler 7 ist für Windows-PCs und Macs auf einer Hybrid-DVD erhältlich und kostet rund 55 Euro; die USK hat es ab sechs Jahren freigegeben. Ubisoft verwendet das gleiche Kopierschutzsystem wie bei Assassin's Creed 2 und Silent Hunter 5, bei dem ein Code aus dem Handbuch mit einem Benutzerkonto auf Ubi.com dauerhaft verknüpft wird. Um spielen zu können, muss sich der Spieler einloggen und dauerhaft mit einem Upstream von 33,6 KBit/s online sein, sonst pausiert das Programm. Bislang ist das System von Ubisoft negativ aufgefallen, Nutzer konnten teils tagelang nicht auf ihre rechtmäßig gekauften Spiele zugreifen.

Das Programm benötigt mindestens einen Rechner mit Windows XP, Vista oder 7, oder mit Mac OS X. Der Prozessor muss mindestens mit 3 GHz laufen, an Speicher setzen die Siedler mit allen Betriebssystemen 2 GByte voraus. Die Grafikkarte muss mindestens über 256 MByte RAM verfügen, auf der Festplatte belegt der Titel rund 8 GByte an Daten.
Fazit
Mit Die Siedler 7 hat Blue Byte einen der gelungeneren Beiträge zur Wusel-Reihe vorgelegt. Mit den abwechslungsreichen, spannenden Missionen und der schieren Menge an Möglichkeiten – auch durch das gelungene Siegpunktsystem – wirkt das Programm frisch und schafft es, langfristig an den Monitor zu fesseln. Klasse sind einige neue Details bei der Bedienung, durch die der Spieler selbst größere Siedlungen erstaunlich gut in der Hand hat.
Schön ist, dass die Grafik nicht nur technisch top ist, sondern endlich auch stilistisch rundum gelungen. Unterm Strich ist Die Siedler 7 eine echte Empfehlung für Aufbauspieler – jedenfalls für die, die keine Probleme mit dem Online-Kopierschutz von Ubisoft haben.