Kritik an Lohnsenkungen zum Börsengang bei Kabel Deutschland

Die Verdi-Aufsichtsrätin Sibylle Spoo hat Lohnsenkungen im Zuge des Börsengangs bei Kabel Deutschland kritisiert. Um einer Auslagerung zu entgehen, hätten 580 Callcenter-Angestellte Lohneinbußen hinnehmen müssen. "Anteilseigner und Manager haben den Beschäftigten empfindliche Gehaltseinbußen abgepresst" , sagte Spoo dem Nachrichtenmagazin Focus(öffnet im neuen Fenster) .
Ab dem 1. April 2010 wurde der Lohn der Callcenter-Beschäfigten um drei Prozent gesenkt. Für April und November 2011 seien weitere Abschläge von 3 und 1,5 Prozent angesetzt. Schichtzulagen wurden gestrichen und in den Jahren 2010 und 2011 gebe es kein Weihnachtsgeld, sagte Spoo. Insgesamt würden die Löhne damit bis 2014 um 15 Millionen Euro gekürzt. "Das ist unanständig" , sagte Spoo, die stellvertretende Aufsichtsratschefin ist. Als größter TV-Kabelnetzbetreiber in Deutschland beschäftigt das Unternehmen rund 2.800 Menschen.
Kabel-Deutschland-Führungskräfte verdienen dagegen beim Börsengang am 22. März 2010 kräftig. Das obere Management hatte Kredite in Millionenhöhe zu niedrigen Zinssätzen erhalten, um Unternehmensanteile kaufen zu können. Zum Börsengang kann das Management ein Viertel davon verkaufen, bestätigte das Unternehmen dem Magazin. Begünstigt seien der Aufsichtsrat Tony Ball, Firmenchef Adrian von Hammerstein, das Geschäftsführungsmitglied Manuel Cubero und der Aufsichtsratschef und frühere Forschungsminister Heinz Riesenhuber.
Im laufenden Geschäftsjahr plant Kabel Deutschland eine Steigerung des operativen Gewinns auf 660 Millionen Euro. Die Firma gehört zu 88 Prozent dem Finanzinvestor Providence.