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Spieletest: Metro 2033 - Ballern für Literaten

Ego-Shooter nach dem Roman von Dmitri Gluchowski. Nicht sehr komfortabel, aber extrem spannend ist der Weg des jungen Russen Artyom durch die Moskauer U-Bahn - schließlich lauern unterwegs Monster, Fallen, Banditen und weitere Gefahren. Golem.de hat die Romanumsetzung gespielt - und besonders auf Technik und DirectX-11-Effekte geachtet.
/ Peter Steinlechner
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Es gab schon mehr als genug Computerspiele, bei denen mal eben der Chefprogrammierer eine Handlung rund um Außerirdische oder Höllenhunde zusammengestrickt hat. Viel wichtiger ist schließlich, dass die Grafik stimmt und die Action ordentlich fetzt - oder etwa nicht? Dass es anders womöglich besser funktioniert, zeigt Metro 2033. Der Ego-Shooter basiert auf dem auch in Deutschland erfolgreichen Roman des russischen Schriftstellers Dmitri Gluchowski, der eng in die Produktion des Spiels eingebunden war. Entwickelt wurde das für Windows-PC und Xbox 360 verfügbare Spiel vom ukrainischen Studio 4A Games - bei dem übrigens viele ehemalige Designer von Stalker arbeiten, was dem Grafikstil von Metro 2033 deutlich anzusehen ist.

Metro 2033 - Test und DirectX-11-Grafikvergleich von Golem.de
Metro 2033 - Test und DirectX-11-Grafikvergleich von Golem.de (04:59)

Metro 2033 spielt in den Tunneln der Moskauer Metro - im Jahr 2033, nach einem verheerenden Krieg, in dessen Folge die Oberwelt radioaktiv verstrahlt ist. Der Spieler steuert einen jungen Russen namens Artyom, der wegen einer Kleinigkeit seinen sicheren Zufluchtsort verlässt - und dann einer übernatürlichen Bedrohung gegenübersteht: seltsamen Schattenwesen, die irgendwie in einer besonderen Beziehung zu Artyom stehen. Was es damit genau auf sich hat, erfährt der Spieler in der zwischen fünf und zehn Stunden langen Kampagne vor allem durch Zwischensequenzen und Dialoge mit anderen Figuren.

Die Steuerung orientiert sich an Genrestandards, auf Windows-PC etwa kommt das bewährte System aus WASD-Tasten und Maus zum Einsatz. Zusätzlich verfügt der Spieler über Ausrüstung wie eine Taschenlampe, die in den dunklen Gängen am besten immer an bleibt, sowie eine Karte. An einigen Stellen muss er sich per Maske vor giftigem Gas schützen und Munition aus der Zeit vor dem Krieg als Geldersatz sammeln. Generell macht die Bedienung keine Probleme - lediglich das Plündern von Leichen nach verwertbaren Gegenständen und das ständig nötige Einsacken von Kleinkram ist unkomfortabel und auf Dauer nervig. Die Level sind so gut wie überall vollständig linear angelegt, Kompass oder Markierungen an Wänden weisen so gut wie immer den Weg.

Viele Kämpfe laufen nach etwas anderem Muster ab als in anderen Ego-Shootern: Statt einen Feind nach dem anderen über den Jordan zu schicken, kommt es in Metro 2033 immer wieder zu teils dramatischen Gefechten mit ständig nachrückenden Gegnern. Beispielsweise stürzen sich direkt vor den Toren einer Zufluchtstätte gleich ein paar Dutzend Bestien auf Artyom und seinen computergesteuerten Begleiter. Dabei verliert der Spieler fast zwangsläufig die Übersicht, feuert fast blind mit Revolver oder Schrotflinte in die Monsterhorden - und kommt dann zum Schluss doch mit heiler Haut davon. Derartige Szenen sind einerseits packend und wirken echt, streifen aber andererseits die Grenze zur unsauber programmierten Steuerung. Immerhin: Zwischendurch gibt es auch konventioneller in Szene gesetzte Schießereien.

Welt mit Waffenhändlern und leichten Mädchen

Einen großen Teil der Faszination von Metro 2033 macht die glaubwürdige, stimmige Welt aus, die der Spieler auf seinem Abenteuer erkundet. In den gesicherten Zufluchtstätten der Menschen leben dicht gedrängt allerlei seltsame Gestalten, vom schrägen Waffenhändler bis zum (allzu) leichten Mädchen. Er kippt sich mit rauschebärtigen alten Russen einen hinter die Binde, dazu erklingen melancholische Melodien durch die Räume. Dialoge, Sprachausgabe und die Aufbereitung der - teils sehr dramatischen - Zwischensequenzen sind durchgehend erstklassig.

Metro 2033 kostet für Xbox 360 rund 55 und für Windows-PC rund 40 Euro; für Xbox 360 ist kurz nach Veröffentlichung ein Patch erschienen, der einige deutliche Verbesserungen für die Steuerung mitbringt. Auf PC benötigt das Programm laut Hersteller mindestens eine Dual-Core-CPU, empfohlen wird ein Chip mit mindestens 3 GHz oder ein Quad-Core-Prozessor. Der Hauptspeicher muss mindestens 1 GByte und sollte mindestens 2 GByte groß sein, auf der Festplatte belegen die Dateien rund 7 GByte. Die Grafikkarte muss DirectX 9 und Shader Model 3 beherrschen. Das Programm unterstützt auch DirectX 11 mit einigen zusätzlichen Features. Beispielsweise sorgt Tessellation dafür, dass einige sonst eckige oder gerade Kanten rund gebogen sind.

Als Kopierschutz kommt auf Windows-PC der Onlinedienst Steam zum Einsatz: Wie schon bei einer Reihe anderer Titel muss das Spiel fest mit einem Mitgliedsaccount verknüpft werden. Metro 2033 erscheint hierzulande ohne Schnitte mit englischer, russischer und deutscher Sprachausgabe und wahlweise Untertiteln in diesen drei Sprachen; die meisten deutschen Stimmen haben einen gut gemachten, an Kinorussen erinnernden Akzent. Die USK hat das Programm ab 18 Jahren freigegeben. Metro 2033 verfügt nicht über Mehrspielermodi.

Fazit

Computerspieler, die Wert auf eine toll erzählte Geschichte und ein ebenso stimmiges wie unverbrauchtes Szenario legen, kommen mit Metro 2033 voll auf ihre Kosten. Selten gibt es in Spielen derart ausgefeilte Dialoge, so gruselig in Szene gesetzte interaktive Sequenzen und derart viel Spannung. Wo andere Programme auf lange Erklärungen und Massen an Text setzen müssen, genügen den Entwicklern dieses kleinen Meisterwerks oft ein paar treffende Worte oder Szenen, schon ist alles klar und der Spieler mittendrin in einer faszinierenden Welt. Das Werk der 4A Games hat ein paar kleine Schwächen, etwa einige unübersichtliche Kämpfe, das umständliche "Looten" von Gegnern und die vergleichsweise kurze Spielzeit. Aber Handlung und Spielspaß wiegen das alles auf.


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