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Mozilla will den Browser zum virtuellen Ausweis machen

Neue Browsergeneration soll für Wahlfreiheit bei sozialen Netzen sorgen. Mozilla will den Browser zum Schlüssel für die eigene Online-Identität ausbauen. Die Mozilla Labs suchen dazu nach kreativen Ideen und skizzieren, wie eine kommende Browsergeneration zum sozialen Agenten werden soll.
/ Jens Ihlenfeld
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Eine Online-Identität ist ein komplexes Gebilde, bestehend aus verschiedenen Accounts, Beziehungen und persönlichen Daten, die im Web auf verschiedenen Seiten verteilt liegen. Der Browser soll nach dem Willen von Mozilla dabei zum Schlüssel werden, genießt er ohnehin das höchste Vertrauen in diesem Geflecht, schließlich wandern all diese Daten schon heute durch ihn.

Wie ein solches Konstrukt aber konkret aussehen soll, will Mozilla Labs im Rahmen einer neuen Konzeptserie herausfinden. Dabei sollen Konzepte rund um das Thema Online-Identität im Browser diskutiert werden. Die Mozilla Labs suchen nach kreativen Ideen und Antworten auf wichtige Kernfragen: Wie kann der Browser bei der Verwaltung von Accountinformationen helfen? Wie kann der Browser helfen, wenn jemand etwas Interessantes im Netz gefunden hat und es mit anderen teilen will? Wie kann der Browser bei der Verwaltung der eigenen Webkontakte helfen? Wie kann der Browser den sicheren Austausch von Daten mit Websites ermöglichen? Wie kann der Browser helfen, einen Überblick darüber zu behalten, wer welche Daten über einen selbst hat?

Dabei gibt Mozilla einige Grundprinzipien vor, an denen sich Konzepte und Ideen orientieren sollen: Es soll sichergestellt werden, dass es für Nutzer einfach ist, eigene Dienste mit frei erhältlichen, auf offenen Standards basierenden Werkzeugen einzurichten. Nutzer sollen die volle Kontrolle darüber haben, wo und wie ihre Daten mit anderen geteilt werden. Und die Privatsphäre soll geschützt werden, was bedeutet, dass Daten auf Clientseite verschlüsselt werden, verknüpft mit der Möglichkeit, anderen Zugriff auf die Daten einzuräumen.

Dabei sucht Mozilla Labs, wie im Rahmen ihrer Konzeptserien üblich, nicht nach fertigen Softwarelösungen, sondern nach Ideenskizzen und Konzepten. An der Ideensuche soll ein möglichst großer Personenkreis teilnehmen.

Der Browser als sozialer Agent

Um die Diskussion in Gang zu bringen, wird Mozilla Labs in den kommenden Wochen eigene Konzepte und Prototypen veröffentlichen, die ersten liegen bereits vor. Dazu zählt die Idee des Browsers als sozialer Agent(öffnet im neuen Fenster) : Das Konzept geht von einem abstrakten "Web Native Device" aus, also einem Gerät, das primär Zugang zum Internet bietet. Darauf läuft eine neue Generation von Browser. Direkt nach dem ersten Einschalten fordert das Gerät zur Wahl eines primären Identitätsproviders auf. Das können Dienste wie Facebook, Twitter oder Google, aber auch jede OpenID-fähige Adresse sein.

Einmal aktiviert, wird das Gerät zu einer Erweiterung der digitalen Identität, jede Aktion auf dem Gerät wird mit der Identität verknüpft. Durch die Aktivierung weiterer Identitäten kann zwischen verschiedenen Rollen gewechselt werden. Passworte spielen keine Rolle, denn in dieser zukünftigen Welt der Datenportabilität akzeptieren alle modernen Websites Nutzer anderer Netzwerke, ähnlich wie dies heute bei E-Mail der Fall ist. Es ist also möglich, sich mit Nutzern anderer Netzwerke ebenso zu vernetzen und mit diesen Informationen auszutauschen wie mit Nutzern auf der eigenen Plattform. Für die meisten Menschen reicht also ein Account aus, um sich überall im Netz betätigen zu können.

Chris Messina, von dem das Konzept stammt, vergleicht es mit dem Gamerprofil von Xbox Live. Sobald der Spieler mit seinem Gamertag angemeldet ist, werden alle High-Scores, Errungenschaften, Anpassungen und Kontakte mit dem Profil verknüpft. Es ist nicht notwendig, für jedes Spiel ein neues Gamertag zu erstellen. So soll es künftig auch nicht notwendig sein, für jedes soziale Netzwerk eine neue Identität anzulegen. Wer sich mit seinem Gamertag an der Konsole seines Freundes anmeldet, findet seine gewohnte Umgebung vor.

Der Browser soll dabei aus seiner passiven Rolle heraustreten und zu einem sozialen Agenten werden, der seinem Nutzer die für ihn relevanten Informationen präsentiert. So wie Maus und Tastatur heute die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine darstellen, soll der soziale Agent die Interaktion zwischen Menschen im Medium Web ermöglichen. Und so wie Firefox für Wahlmöglichkeiten in einem monopolistischen Browsermarkt gesorgt hat, soll die nächste Browsergeneration für Wahlfreiheit bei sozialen Netzwerken sorgen.

Wie der Browser konkret zum sozialen Agenten werden soll, will Messina im Rahmen weiterer Beiträge zur Designserie darlegen. Dazu zählen unter anderem Connect in the Browser(öffnet im neuen Fenster) und Follow in the Browser(öffnet im neuen Fenster) .


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