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Xeon 5600: 4 oder 6 Kerne und 40 bis 130 Watt (Update)

15 neue Prozessoren für kleine Server und Workstations. Nach Gulftown kommt Westmere-EP: Intel liefert seine ersten Server-CPUs mit 32-Nanometer-Technik ab sofort aus. Neben 50 Prozent mehr Kernen sind für diese Rechner auch andere neue Funktionen wie Verschlüsselung in der CPU und Trusted-Computing wichtig.
/ Nico Ernst
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Die neue Serie Xeon 5600, bisher unter dem Codenamen "Westmere-EP" bekannt, ist Intels sockelkompatibles Update für die Serie 5500, die im März 2009 auf den Markt kam . Sie basierte als erste Linie von Serverprozessoren auf der Nehalem-Architektur , die Intel jetzt auf 32 Nanometer geschrumpft hat. Im gleichen Rahmen der Leistungsaufnahme gibt es jetzt bei den größten Modellen 6 statt bisher 4 Kerne, die per Hyperthreading jeweils doppelt so viele Threads ausführen können.

Im Wesentlichen entspricht der Westmere-EP damit dem Desktopprozessor Core i7 980X alias Gulftown , den Golem.de bereits getestet hat . Der wesentliche Unterschied: Der Xeon 5600 besitzt zwei QPI-Links je Prozessor, so dass sich damit auch Systeme mit zwei Prozessorsockeln bauen lassen.

Damit empfiehlt sich der neue Xeon für kleinere Server und Workstations. Es ist zu erwarten, dass beispielsweise Apple seinen Mac Pro bald auf die neuen CPUs umstellt. Ob es für die Zwei-Sockel-Macs auch eine Upgrademöglichkeit in Form neuer Firmware und zweier Xeons geben wird, weiß jedoch auch Intel nicht, wie das Unternehmen Golem.de erklärte.

Von Serverherstellern sind ebenfalls zahlreiche neue Versionen bestehender Designs zu erwarten, auch etliche neue Rechner sind möglich. Intel hat diesmal nämlich nicht nur einige Spitzenmodelle, sondern gleich eine ganze Produktpalette von 15 Prozessoren vorgestellt, die 4 oder 6 Kerne besitzen und zwischen 40 und 130 Watt TDP aufweisen. Die Xeon 5500 kamen in verschiedenen Varianten über das Jahr 2009 verteilt auf den Markt.

15 Modelle mit ganz unterschiedlicher Ausstattung

Bei den neuen Modellen gilt es jedoch genau hinzusehen, denn die Xeon 5600 unterscheiden sich nicht nur in der Zahl der Cores und der Leistungsaufnahme. Das schnellste Modell Xeon 5680 mit 3,33 GHz Basistakt und 6 Kernen ist nur dann der fixeste Westmere-EP, wenn die Software besonders gut in Threads aufgeteilt ist. Er beherrscht nämlich nur zwei Stufen des Turbo-Boost und kommt damit auf maximal 3,6 GHz.

Für Workstations, auf denen nur Anwendungen mit höchstens 16 Threads laufen, ist womöglich der Xeon 5677 die bessere Wahl. Er hat nur vier Kerne, aber 3,46 GHz Basistakt und per Turbo 3,73 GHz und ist damit dann unter Umständen etwas schneller.

Dass die Power Control Unit , die alle Nehalems besitzen, eine Balance zwischen Takt und Leistungsaufnahme herstellen kann, nutzt Intel bei den neuen Xeons noch weiter aus. So gibt es Modelle, die bis zu 4 Turbo-Stufen von je 133 MHz zuschalten können. Besonders interessant ist dabei der L5640, der mit 60 Watt TDP 2,26 bis 2,8 GHz erreichen kann. In einem kompakten Server mit einer Höheneinheit oder auf Blades sind so 24 Threads möglich.

Zu beachten ist dabei jedoch, welche Anwendungen auf solchen Systemen laufen. Nur die schnellsten Exemplare des Westmere-EP haben die volle QPI-Geschwindigkeit von 6,4 GT/s, vier Modelle aber 5,86 GT/s, und die 40-Watt-CPUs gar nur 4,8 GT/s. Beim kleinsten neuen Xeon, dem L5609, hat Intel bei 1,86 GHz und 4 Kernen sogar Turbo-Boost und Hyperthreading ganz gestrichen.

Allen Xeons der Serie 5600 sind aber zwei neue Funktionen gemein: Die Befehlssatzerweiterung "AES-NI" beschleunigt AES-Verschlüsselung im Prozessor, und eine neue Version der "Trusted Execution Technology" (TXT) schützt Software vor Schadcode. Das wird bei virtualisierten Systemen immer wichtiger, das neue TXT soll nun auch vor dem Laden des Hypervisors greifen.

Ein Rack statt 15 Serverschränken

Mit der AES-Beschleunigung will Intel auch erreichen, dass die vollständige Verschlüsselung von Dateisystemen zum Standard wird. Sinnvoll wird das erst durch native Unterstützung per Betriebssystem, Windows Server 2008 R2 kann das schon, und auch einige Linux-Distributionen sollen das bis zum Ende des Jahres 2010 laut Intel mit AES-NI beherrschen.

Der entscheidende Punkt an Westmere-EP ist jedoch mehr Leistung pro Watt. Im Schnitt sollen es 40 Prozent mehr Rechenleistung bei gleicher Leistungsaufnahme sein, wenn der Xeon 5500 mit dem 5600 verglichen wird. Beim Ersatz älterer Server hat Intel sogar ausgerechnet, dass sich 15 Racks mit Xeon-Servern aus dem Jahr 2005 (Netburst, Single-Core) durch eines ersetzen lassen. Die theoretische Rechenleistung bleibt dann gleich, die Leistungsaufnahme reduziert sich nach Intels Angaben aber um 95 Prozent. Neben den CPUs ergeben sich gerade bei Servern weitere Einsparungen durch DDR3-Speicher mit 1,35 Volt, welche der Speichercontroller der Xeon 5600 jetzt unterstützt.

Solche Austauschvorhaben soll "Flex Migration" erleichtern: Ist der neue Server mitsamt seiner Softwareumgebung eingerichtet, lässt sich die laufende Installation in einer virtuellen Maschine mit einigen Mausklicks umziehen. Unter idealen Bedingungen hatte Intel diesen unterbrechungsfreien Umzug bereits demonstriert.

Dem Chiphersteller zufolge wollen alle großen Serverhersteller von HP über Dell bis IBM die neuen Xeons verbauen – doch das ist erst der erste Streich der Server-Refreshs im Jahr 2010. Noch im März 2010 soll auch der Nehalem-EX mit acht Kernen und für 4 bis 8 Sockel erscheinen, der damit AMDs erstem Achtkerner Magny Cours knapp zuvorkommen soll.

Nachtrag vom 16. März 2010, 14:30 Uhr:

Neben den 15 in der Tabelle auf der ersten Seite genannten Modellen gibt es noch einen weiteren neuen Xeon, den W3680(öffnet im neuen Fenster) . Er entspricht mit unter anderem 3,33 GHz Basistakt und zwei Turbo-Stufen dem Core i7 980X und verfügt nicht über einen zweiten QPI-Link. Diese CPU ist also nur für Systeme mit einem Sockel gedacht.

Zwölf der nun insgesamt 16 Xeon 5600 – nicht aber das Modell W3680 – sind nun auch in Intels offizieller Preisliste(öffnet im neuen Fenster) aufgeführt. Die Modelle, die dort fehlen (E5645, L5638, L5618) führt Intel als Embedded-CPUs, für die es normalerweise keine öffentlichen Preise gibt. Prozessoren mit Embedded-Support liefert Intel ab Vorstellung mindestens sieben Jahre lang, so dass die Gerätehersteller langfristig damit planen können und auch kurz vor Ende der Lebensdauer eines Produkts noch ausreichend Ersatzteile ordern können.


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