Spieletest: God of War 3 - Tod den Göttern!

Mit Vorgeplänkel hält sich God of War 3 nicht auf – das Spiel schließt direkt an den Playstation-2-Vorgänger an und lässt Kratos auf dem Rücken der Titanin Gaia den Olymp stürmen. Schon diese ersten Minuten auf dem beweglichen Riesen gehören zum Beeindruckendsten, was auf der Playstation 3 jemals an Actionszenen zu sehen war – und dabei sind sie erst der Beginn einer furiosen Inszenierung, in der ein atemberaubender Moment den nächsten ablöst.

Es gibt schließlich auch einiges zu tun: den Olymp stürmen, sich durch die Unterwelt Hades kämpfen und am Ende Göttervater Zeus selbst herausfordern – alles Aufgaben, die den Spieler zwischen zehn und 15 Stunden beschäftigt halten. Die Story orientiert sich dabei wieder einmal an der griechischen Mythologie, nimmt es mit der Vorlage aber nicht allzu genau und bezieht sich immer wieder auf die Geschehnisse der ersten Spiele – wer die nicht kennt, wird zum Teil Probleme haben, der Handlung zu folgen.














Das Spielprinzip hat sich im Vergleich zu den ersten beiden Teilen nur unwesentlich geändert: Immer noch gilt es vor allem, die zahllosen Kontrahenten mit mächtigen Klingen zu bearbeiten und dann zum entscheidenden Stoß anzusetzen. Die Gegner verlangen Kratos dabei alles ab: Er muss im richtigen Moment ausweichen, zum Konter ansetzen, Kombo an Kombo reihen, neue Waffen wie durchschlagendere Schwerter oder einen Bogen ergattern und Schritt für Schritt aufrüsten. Dazu gehört es, je nach Spielsituation die richtige Taktik anzuwenden – aber auch schnelle Reaktionen sind gefragt. Letztere sind vor allem wegen der wieder integrierten Quicktime-Events unabdingbar: Immer wieder leuchten am Bildschirm bestimmte Tasten auf, die vom Spieler dann so schnell wie möglich gedrückt werden müssen, um das Gefecht zum siegreichen Ende zu führen.
Viel Blut und Gewalt
Empfindliche Naturen könnten mit der teils heftigen Gewaltdarstellung ihre Probleme haben: Kratos reißt gern Extremitäten aus, nutzt Gegner als Rammbock oder tritt auf ein am Boden liegendes Opfer. Einem Fabelwesen ein Horn abbrechen und ins Auge rammen, Köpfe vom Rumpf abreißen, in Gedärmen herumwühlen oder aus Opferperspektive zum finalen Stoß ansetzen – teils haben es die Entwickler mit der Darstellung von Blut und Gewalt übertrieben. Die USK hat das Programm nur für Erwachsene, also ab 18 freigegeben.














Natürlich nimmt die Komplexität der Kämpfe im Spielverlauf zu – was nicht nur an den immer dickeren End- und Zwischengegnern liegt, sondern auch mit Kratos' wachsendem Waffenarsenal zu tun hat und mit der Möglichkeit, die Seelen erlegter Kämpfer zu Hilfe zu rufen. Auch nützliche Extras wandern nach und nach in den eigenen Besitz – die Stiefel von Hermes zum Entlanglaufen an Wänden etwa, oder der Kopf des Sonnengottes Helios, der auch dunkle Areale erhellt. Fortschritte im Spiel wollen aber natürlich erarbeitet werden, und abseits der dafür benötigten Kämpfe gilt es auch wieder, Geschicklichkeitspassagen und Rätsel zu meistern.
Letztere gehen deutlich über die sonst aus Actionspielen gewohnten Schalterrätsel hinaus und funktionieren oft über mehrere Ebenen – da ist durchaus Hirnschmalz gefragt. Natürlich sind einige der Konstruktionen nicht neu: An einer Stelle eine Seilwinde blockieren, um an anderer Stelle weitergehen zu können, ist altbekannt. Wenn dann aber zum Beispiel in einem vom Spielfilm Cube inspirierten Labyrinth Blöcke verschoben werden müssen, spricht das durchaus für den Einfallsreichtum der Entwickler.
Die Geschicklichkeitspassagen haben insgesamt abgenommen, Fingerspitzengefühl ist dennoch gefragt: Am Abgrund balancieren, ein Wettrennen gegen einen Gott gewinnen oder eine Passage meistern, bevor sie einem wortwörtlich unter den Füßen wegbricht – Schweißperlen auf der Stirn sind da sicher. Leider öfters auch mal wegen der nicht ganz perfekten Steuerung und Kamera: Während Kratos auch im heftigsten Kampf gut zu kontrollieren ist, erweist sich die Bedienung bei schwierigen Lauf- und Ausweichpassagen immer wieder als zickig, die Kameraposition oft als ungünstig.
Augenschmaus trotz Rucklern
Technisch ist God of War 3 ein Meilenstein – mit Schönheitsfehlern. Viele Spielpassagen und Zwischensequenzen sorgen für herunterklappende Kinnladen. Ob Endgegner, die mehrere Bildschirme groß sind, fantasievolle Welten wie der Hades, rasante Kamerafahrten, brodelnde Lava – das Spiel ist gespickt mit großartigen Szenerien und wunderschön anzusehenden Details. Allerdings schwankt die Qualität von Szenerie zu Szenerie: Während Kratos in einem Moment durch eine von beachtlichen Naturschauspielen belebte Szenerie läuft, wirkt der folgende Höllenlevel uninspiriert.

Auch ein paar Ruckler bleiben nicht aus; angesichts der teils riesigen Charaktere ist das aber zu verschmerzen. Die Soundkulisse ist dafür passend zum Spielgeschehen bombastisch – meisterhaft wird hier die Spannung auch musikalisch untermalt, die orchestrale Begleitung schwingt sich je nach Spielsituation von elegischen Tönen zu brachialen Gewaltmomenten auf.
God of War 3 ist ab dem 19. März 2010 nur für Playstation 3 erhältlich. Das Spiel kostet etwa 60 Euro. Wer die Vorgänger noch nicht kennt: Beide sind zusammen Ende 2009 auf einer Blu-ray in einer überarbeiteten HD-Version für Playstation 3 erschienen. Die ist zwar nur als Import in Deutschland erhältlich, wird aber unter anderem bei den meisten Onlinehändlern geführt.
Fazit
Wer will, findet an God of War 3 durchaus Kritikpunkte – das Spielprinzip hat sich im Vergleich zu den beiden Vorgängern kaum weiterentwickelt, ein paar Ruckler trüben das Bild, zudem gibt es gelegentlich Kameraprobleme und teils unnötig wiederholte Spielpassagen. Trotzdem ist es ein Meilenstein: So viele atemberaubende, lange in Erinnerung bleibende Momente wie hier hatte bisher kaum ein Playstation-3-Spiel zu bieten. God of War 3 ist gespickt mit epischen und überwältigenden Szenen – Kratos hat es damit endgültig zum Klassiker geschafft.