Reuters: Erst der Dienst, dann der Tweet

Nachrichtenagentur erlässt Richtlinien für den Umgang mit dem Web 2.0

Die Nachrichtenagentur Reuters hat Richtlinien im Umgang mit dem Internet und mit Web-2.0-Angeboten für ihre Mitarbeiter herausgegeben. Neben den üblichen journalistischen Grundregeln gehört dazu auch das Gebot, bei allen Aktivitäten in sozialen Netzen professionell zu bleiben.

Artikel veröffentlicht am ,

"Wir sind allen Formen des energischen Journalismus verpflichtet, dazu gehört auch die computergestützte Berichterstattung. Aber wir ziehen eine Grenze bei unrechtmäßigem Verhalten", eröffnet die Nachrichtenagentur Reuters das Kapitel über Internet und soziale Netze im Handbuch für seine Journalisten. Online gelten die gleichen "Prinzipien des einwandfreien Journalismus" wie offline, so das Credo der traditionsreichen Agentur.

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Auf die neuen Mitmachangebote geht das Handbuch gesondert ein. Dabei gibt es keine Berührungsängste, es ergeht kein Aufruf, die Finger davon zu lassen. Im Gegenteil: "Wir möchten Sie ermutigen, die Herangehensweise der sozialen Medien auch in Ihrer journalistischen Arbeit zu nutzen", werden die Mitarbeiter aufgefordert. Allerdings nicht ohne eine Warnung vor den Risiken, vor allem vor denen, "die unseren hart erarbeiteten Ruf der Unabhängigkeit und Unvoreingenommenheit" bedrohen.

So sei online die Grenze zwischen beruflich und privat weitgehend verschwunden. Entsprechend gebe es keinen Unterschied mehr zwischen beruflichen und privaten Aktivitäten im Netz, egal wie sehr sich die Journalisten bemühten, das zu trennen. Wer auf Plattformen wie Facebook aktiv sei oder ein eigenes Blog führe, müsse das im Kopf behalten.

Konsequenzen bedenken

Wer also einen Kommentar auf einem Blog oder in einem sozialen Netz hinterlasse, dürfe dabei professionelle Regeln nicht außer Acht lassen. Im schlimmsten Fall könnte es nämlich passieren, dass Konkurrenten diesen Eintrag aufgreifen und veröffentlichen. "Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihr Kommentar auf der Titelseite einer führenden Zeitung, einer Website oder eines Blogs als Reuters-Kommentar zu einem bestimmten Thema erscheinen würde?"

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Professionalität sei auch für diejenigen wichtig, die ein eigenes berufliches Profil bei Facebook oder einem vergleichbaren Angebot einrichten. Das Profil soll stets gepflegt und aktuell gehalten werden - und die Betreffenden mögen zunächst mit dem Ressortleiter klären, ob dafür Zeit zur Verfügung steht. Wichtig sei außerdem, darauf zu achten, wen sie als Freund bestätigen - es bestehe die Gefahr, Quellen offenzulegen.

Korrektur-Tweet

Schließlich geht das Handbuch auf den Mikroblogging-Dienst Twitter ein. Hier gilt: Wer als Reuters-Journalist twittern will, braucht die Erlaubnis seines Vorgesetzten. Wird getwittert, muss das Angebot klar als von Reuters kommend gekennzeichnet sein. Mit allen Konsequenzen: Sollte versehentlich einmal etwas Falsches getwittert werden, wird das selbstverständlich korrigiert.

An der Stelle gibt es auch noch ein großes "Don't": "Don't scoop the wire." Keine Nachricht, schon gar keine wichtige, darf getwittert werden, bevor sie über die Agentur an die zahlenden Abnehmer verbreitet wurde.

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