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Spieletest: Napoleon Total War - Strategie und Geschichte

Historisches Strategiespiel rund um den Herrscher der Franzosen. Kein 'Empire' wie im Vorgänger, sondern ein einzelner Mann steht im Mittelpunkt von Napoleon Total War – aber der hat es in sich. Das jüngste Strategiespiel von Creative Assembly begeistert mit liebevollen Details und riesigen Schlachten.
/ Peter Steinlechner
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"Oui, Monsieur" – wer bei dieser Floskel an schnöselige Kellner in Feinschmeckerrestaurants denkt, der wird in Napoleon Total War zumindest anfangs ein paarmal schmunzeln. Denn dort ist es einer der Sätze, mit denen Soldaten die Befehle ihres Kommandanten – also des Spielers – bestätigen. Das Strategiespiel des britischen Entwicklerstudios Creative Assembly konzentriert sich ganz auf den französischen General, Staatsmann und Kaiser Napoleon Bonaparte, der von 1769 bis 1821 gelebt und mit seinen Feldzügen große Teile von Kontinentaleuropa erobert hat.

Das Spielprinzip orientiert sich an den Standards der Total-War-Reihe. Nach wie vor bewegt der Spieler auf einer taktischen Übersichtskarte seine Einheiten in Runden, startet dort den Bau von Gebäuden oder tritt mit anderen Herrschen in diplomatische Verhandlungen; anders als bislang entspricht ein Zug in Napoleon nicht mehr sechs Monaten, sondern zwei Wochen. Auch sonst hat sich auf den ersten Blick wenig, auf den zweiten aber doch eine ganze Menge getan. So ist das Diplomatiemenü erheblich erweitert worden, außerdem agiert die KI gegenüber Empire nun erheblich glaubwürdiger beim Anbieten, Erfüllen oder Brechen von Bündnissen.

Die eigentlichen Schlachten laufen in Echtzeit zwischen 3D-Bergen und -Tälern, in lauschigen Wäldern, trockenen Wüsten oder auf hoher See mit Schiffen ab und sind gewohnt spektakulär in Szene gesetzt. Grafisch legt Napoleon bei entsprechender Hardwareausstattung gegenüber dem Vorgänger deutlich sichtbar zu. Veteranen von Total War kommen sofort mit dem Programm zurecht – die spielerischen Änderungen unter anderem beim deutlich stärkeren Computergegner sind aber schon nach kurzer Zeit spürbar.

Obwohl im Mittelpunkt des Spiels der jeweils aktive Machtapparat steht, haben sich die Entwickler bemüht, die Person Napoleon so stark wie möglich sichtbar zu machen. In Schlachten reitet er mit seinem Dreispitz auf dem Kopf und verbessert allein durch seine Anwesenheit die Kampfmoral der Untergebenen. Aber schon das Tutorial zeigt viele wichtige Spielzüge in einer einfachen, gut gemachten Kampagne, die über Korsika beginnt und dem Lebensweg des späteren Kaisers folgt. Wer sich für Geschichte interessiert, erfährt hier von einem deutschen Sprecher vorgetragen und sehr gut aufbereitet viel über die französische und europäische Geschichte. Überhaupt: Der Fokus auf einen relativ überschaubaren Abschnitt der Zeit und der Welt tut Total War gut, denn an allen Ecken und Enden ist das Programm mit Geschichte angefüttert.

PC-Generäle spielen wahlweise Napoleons Schlachten, was einzelne Großgefechte etwa bei Dresden, Austerlitz oder Waterloo bedeutet. Dann gibt es Kampagnen der Koalition, in denen der Spieler die Armee von Österreich, Großbritannien, Preußen und Russland befehligen kann. Und vor allem die Kampagne mit ihren drei Feldzügen nach Italien, Ägypten und Osteuropa sowie dem Finale am 18. Juni 1815 in Waterloo. Außerdem gibt es wieder umfangreiche Multiplayermodi.

Napoleon Total War setzt Windows XP, Vista oder 7 voraus und benötigt mindestens einen Hauptprozessor der Dual-Core-Klasse mit 2,0 GHz. Alternativ läuft es auch auf Single-Core-CPUs mit 2,6 GHz – aber anders als der Vorgänger Empire Total War ist Napoleon von Anfang an auf die Verwendung von zwei Chipkernen optimiert. Unter XP reicht laut Hersteller 1 GByte an RAM, aber eigentlich sollten es in jedem Fall 2, besser 3 GByte sein. Die beiden DVDs belegen auf der Festplatte rund 18 GByte. Die Grafikkarte muss mindestens über 256 MByte Arbeitsspeicher verfügen. Voll entfalten kann sich das Programm erst mit 512 MByte RAM und wenn es statt Shader Model 2b dann auch Shader Model 3 unterstützen kann.

Das Programm kostet rund 50 Euro. Als Kopierschutz kommt wie beim Vorgänger Steam zum Einsatz, wo das Programm per Code mit dem Benutzerkonto des Spielers verknüpft werden muss. Die USK hat Napoleon Total War eine Altersfreigabe ab zwölf Jahren erteilt.

Fazit

Napoleon Total War ist nicht so episch wie der Vorgänger – auf den ersten Blick mag es auf so manchen Spieler deshalb weniger Faszination ausüben. Creative Assembly hat es aber geschafft, das vermeintliche Manko mehr als auszugleichen und ein tolles Strategiespiel zu entwickeln, das insbesondere geschichtlich Interessierte für Monate an den Monitor fesseln dürfte. Dafür sorgt vor allem die spannende, liebevolle Aufbereitung der Historie. Wer etwa die Kampagnen absolviert hat, bekommt beste Unterhaltung und weiß danach viel mehr über Europa. Aber auch mit den sinnvollen Neuerungen bei der Grafik und hinter den Kulissen überzeugt Napoleon Total War – zumal es, anders als Empire, im Test keine ernsthaften technischen Probleme gemacht hat.


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