Wireless Display: Videofunk vom Notebook zum TV serienreif

Mit Wireless Display will Intel ein typisches Anwendungsszenario vereinfachen: Die Familie sitzt vor dem Fernseher, ein Mitglied entdeckt auf seinem Notebook ein interessantes Video und will es allen zeigen. Statt Kabel zu ziehen oder auf analoge Funkbrücken zu setzen, kann der Bildschirminhalt des Notebooks mit der neuen Technik mit einem Knopfdruck an den Fernseher geschickt werden.
Um das so einfach zu ermöglichen, wie es klingt, ist auf den ersten Notebooks mit "WiDi" von Dell, Sony und Toshiba sogar ein eigener Knopf mit dem Logo für Wireless Display vorhanden. Wird dieser gedrückt, baut das Notebook eine Verbindung mit dem WiDi-Adapter auf, der per Composite-Video oder HDMI am Fernseher hängt. Bisher gibt es nur eine solche Box namens "Push2TV 1000" von Netgear, sie kostet in den USA rund 100 Dollar. Intel spricht auch mit den Herstellern von Fernsehern, um die Adapter direkt in den Geräten zu platzieren.
Der Verbindungsaufbau dauert rund 10 Sekunden, danach wird die Auflösung des Notebooks auf 1.280 x 720 Pixel umgeschaltet, denn WiDi überträgt maximal Video nach 720p mit 60 Bildern pro Sekunde. Die Skalierung und Komprimierung wird vom Grafikkern HD Graphics und der CPU erledigt, beides Teile von Intels neuer Calpella-Plattform mit Mobil-CPUs der Serien Core i3/5/7.
Als Teil der Plattform muss auch ein WLAN-Adapter aus der Serie Centrino 6000 im Notebook stecken, also eines der Modelle 6200, 6250 oder Ultimate-N 6300. Mit älteren Komponenten funktioniert Wireless Display nicht, obwohl es sich im Wesentlichen um ein Softwarepaket handelt.
Den WLAN-Adapter schreibt Intel nicht vor, er muss aber mindestens 802.11 g beherrschen. Die Bitrate der Übertragung beträgt zwischen 2 und 8 MBit/s, was für 720p noch gerade so ausreicht. Bei kurzen Versuchen auf der Cebit hielten sich Artefakte in Grenzen, wenn wir einen zur Bilddiagonale passenden Abstand wählten. Ton wird in Stereo nach AAC mit 128 KBit/s übertragen. HDCP-geschützte Inhalte, etwa von einer Blu-ray-Disc, lassen sich nicht mit WiDi nutzen.
Für eine sichere Übertragung muss das WLAN WPA2 beherrschen, die Erstverbindung von Adapter und Notebook wird per WPS erleichtert: Die Netgear-Box stellt beim ersten Einschalten einen zehnstelligen Zifferncode dar, der am Notebook eingegeben werden muss. Das ist zusätzlich zum WLAN-Key nötig, aber nur ein einziges Mal. Mehrere Adapter lassen sich ansprechen, aber nicht gleichzeitig. Findet das Notebook mehrere der Boxen, so fragt es beim Drücken des WiDi-Knopfes, an welche das Bild geschickt werden soll.
Die Nutzung des WLANs vom Mobilrechner, beispielsweise zum Surfen, ist bei einer WiDi-Verbindung weiterhin möglich. Diese ist in nicht zu sehr funkbelasteten Umgebungen weiterhin möglich. Intel zeigte die Technik mit einem nativen 720p-Video vor der Aufzeichnung unseres Videos in einem Konferenzraum der Cebit. Auch rund acht Meter vom Empfänger entfernt und in Bewegung gab es dabei keine Aussetzer. Eine Latenz von rund einer Sekunde zwischen Notebookdisplay und Fernseher ist aber immer vorhanden.
Anders war die Qualität der Verbindung inmitten einer Messehalle, wo Dutzende WLANs und andere drahtlose Geräte das Spektrum verstopften: Hier kam es immer wieder zu Aussetzern, auch bei Abständen von nicht mehr als 2 Metern. Eine derartige Funkbelastung wie auf der Cebit tritt aber auch in Wohnsiedlungen kaum auf, zudem dürfte der Anwender Notebook und Adapter meist auf Sichtverbindung nutzen.
Bisher funktioniert WiDi nur im Band um 2,4 GHz, was eine Quelle dieser Probleme ist. Ob die Technik mit den bestehenden Geräten auch für 5-GHz-WLANs erweitert wird, steht laut Intel noch nicht fest. Im Sommer 2010 sollen die ersten Notebooks mit Wireless Display in Deutschland auf den Markt kommen. Ob sie neben Dell, Sony und Toshiba noch andere anbieten, ist noch nicht entschieden.



