Daimler will Staatshilfe für Elektroautos

Daimler-Chef Dieter Zetsche sendet in seiner Funktion als Präsident des Europäischen Automobilherstellerverbandes Acea klare Forderungen nach Brüssel und Berlin. "Um die Entwicklung alternativer Antriebe zu unterstützen, brauchen wir positive Rahmenbedingungen. Parallel ist es notwendig, eine geeignete Infrastruktur aufzubauen" , forderte Zetsche im Gespräch mit dem Handelsblatt.
Anfangs führe die neue Technologie zwangsläufig zu kleinen Stückzahlen - und damit hohen Kosten. "Das ist ein Kreislauf, den wir nur durchbrechen können, wenn wir in Europa für einen begrenzten Zeitraum den Kauf von Elektrofahrzeugen finanziell fördern" , sagte Zetsche. Die Autoindustrie wolle nicht dauerhaft zum Kostgänger des Steuerzahlers werden, aber ohne Starthilfe gehe es nicht.
Flankenschutz bekommt Zetsche vor dem Autogipfel am 3. Mai mit Angela Merkel im Kanzleramt von Kollegen. "Wir würden es begrüßen, wenn die Bundesregierung auch in der Anlaufphase den Kauf von Elektrofahrzeugen fördert, die deutlich teurer als ein vergleichbares herkömmliches Fahrzeug sein werden" , sagte BMW-Chef Norbert Reithofer dem Handelsblatt in Genf. "Auch europaweit sollte sich die EU-Kommission darauf verständigen, wie sie mit der Förderung der Elektroautos umgehen will."
Acea-Präsident Zetsche forderte die Politik zum Handeln auf. "Das Verhältnis zwischen den neuen Elektroautos und der dafür notwendigen Infrastruktur gleicht dem von Henne und Ei. Deshalb müssen wir endlich loslegen" , sagte er. Jetzt sei die Zeit gekommen, in der die Politik Berechenbarkeit für die Investitionen der Hersteller schaffen müsse.
Beim Wettbewerb um den Zukunftsmarkt gibt es in Deutschland noch keine konkreten Pläne für eine Verkaufsförderung - anders als in anderen Ländern. China und die USA etwa fördern die Entwicklung der "Stromer" mit großen Summen. US-Amerikaner erhalten beim Kauf eine Steuergutschrift über umgerechnet bis zu 5.800 Euro, in China sind es sogar über 6.700 Euro.
Europa hat sich noch nicht auf einheitliche Rahmenbedingungen festgelegt. Zetsche sieht hier auch die EU-Kommission gefordert, "klare Aussagen mit konkreten Plänen zu verbinden" . Während Länder wie Großbritannien, Frankreich und Spanien Anreize schaffen, will Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer den Kauf der teureren Elektroautos nicht subventionieren.
"Viel hängt davon ab, was die Politik tut" , sagt Ford-Europachef John Fleming. Selbstkritisch räumt der Manager allerdings ein, dass es wenig hilfreich sei, "dass wir in der Industrie nicht mit einer Stimme sprechen" . Volkswagen-Chef Martin Winterkorn fordert eine gemeinsame Kraftanstrengung, um das Elektroauto zur "Realität auf unseren Straßen" zu machen. Die Regierung müsse "Forschung massiv fördern, gezielte Anreize für die Kunden setzen" und "eine leistungsfähige Infrastruktur aufbauen" , forderte er in Genf.
Für viele Fachleute ist ein direkter Zuschuss die einzige Möglichkeit, den Verkauf von stromgetriebenen Autos in Gang zu setzen. "Es ist höchste Zeit, dass wir auch in Deutschland eine breite Schneise für Elektromobilität schlagen" , sagt Jan Peter Korthals, Experte für Elektromobilität und alternative Antriebe bei der Unternehmensberatung McKinsey. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2020 auf deutschen Straßen rund eine Million Elektroautos fahren. Mit dem zweiten Konjunkturpaket vor der Bundestagswahl hatte die Regierung in Berlin rund 500 Millionen Euro für die Entwicklung von Elektrofahrzeugen zur Verfügung gestellt. Die Gelder sind aber hauptsächlich für Entwicklung und Forschung vorgesehen. Wenn er das deutsche Engagement mit Frankreich vergleiche, sei das "relativ wenig" , sagte VW-Chef Winterkorn.
Im Gegensatz zum Thema Förderung der Elektroautos sieht Zetsche den drohenden Konflikt mit den USA wegen der neuen Abgasnormen, die im kommenden Jahr in Kraft treten sollen - und die beispielsweise der Sportwagenhersteller Porsche im Augenblick deutlich überschreitet, entspannt. "Porsche kann in Bezug auf die CO2-Richtlinien in den USA nur für sich sprechen. Sowohl der Acea als auch Daimler sehen keine Veranlassung, die Vereinbarung infrage zu stellen. Übrigens hat auch VW die Vereinbarung unterschrieben." Auch BMW wird nach eigenen Angaben die geplanten verschärften Normen in den USA einhalten.
Porsche drohen von 2016 an empfindliche Strafen. Porsche-Chef Michael Macht rückt die Auseinandersetzung bereits in die Nähe eines "Wirtschaftskrieges" . In den USA würden zur Berechnung der künftigen strengen Verbrauchsgrenzwerten für Autos Kriterien wie Radstand und Spurbreite herangezogen, dies sei ein Vorteil für die breiteren US-Modelle. [ von Carsten Herz und Mark C. Schneider, Handelsblatt.com(öffnet im neuen Fenster) ]



