Ausprobiert: Kapazitives Tablet mit TV, GPS und HDMI von Mio

Mio baut als OEM für Navigationssysteme schon seit Jahren mobile Geräte. Mitte 2009 brachte das Unternehmen unter dem Namen "Spirit" eine neue Version seiner Software zusammen mit entsprechenden Endgeräten auf den Markt. Zur Cebit stellt das Unternehmen nun mit dem Moov V780 ein um viele Multimediafunktionen erweitertes Tablet vor, auf dem die Spirit-Software ebenfalls läuft.
Bedient wird das Moov über einen 7-Zoll-Touchscreen mit 800 x 480 Pixeln. Das Display beherrscht Multitouchgesten, unter anderem zum Zoomen von Bildschirminhalten. Da der Touchscreen kapazitiv ausgeführt ist, also nicht auf mehr oder weniger festen Druck der Finger angewiesen ist, arbeitet er sehr präzise. Das zeigte sich bei kurzen Versuchen auf der Messe vor allem bei der virtuellen Tastatur: Sie reagierte schnell auf Eingaben und verzieh auch, wenn die Taste nicht genau getroffen wurde.
Als optionales Zubehör gibt es auch eine mechanische Tastatur mitsamt einer Halterung für das Moov. Das Gerät lässt sich dann wie ein kleines Netbook verwenden. Die Tastatur wird über einen USB-Port am Tablet angeschlossen, der sie auch mit Energie versorgt. Der erste Eindruck der mechanischen Tastatur: ein recht harter Anschlag, gut geführte Tasten, die aber völlig flach sind – Geschmackssache.
Die Erweiterungsmöglichkeiten überzeugen – anders als beim direkten Konkurrenten iPad. Mio hat einen Mini-USB-Port und einen Schacht für Micro-SD-Karten verbaut. Über diesen kann auch der Speicher erweitert werden, der bei den ersten Modellen nur 4 oder 8 GByte groß sein wird. Ob es auch Moovs mit mehr Flash-Kapazität geben wird, steht noch nicht fest.
Bei den unterstützten Videoformaten gibt sich Mio sehr offen: H.264, auch im MP4-Container, WMV-9/VC1, DivX und Mov soll das Gerät abspielen. Welche Versionen des DivX-Codecs laufen, konnte Mio noch nicht genau sagen. Bei den Audioformaten sind MP3, WMA (ohne DRM) und AAC geboten. Bilder dürfen als JPEG, GIF und PNG vorliegen.
HD-Videos kann das Moov laut Angaben von Mio bis 720p wiedergeben – bei welchen Bitraten, war nicht unmittelbar zu klären. Interessant wäre das für einen Einsatz des Tablets als mobilen HD-Zuspieler. Da nämlich ein Micro-HDMI-Port vorhanden ist, lässt sich mit dem Moov jeder HD-Fernseher oder Beamer ansteuern.
Fernsehen ist auf dem Tablet aber auch möglich. Eine flexible Antenne zum Ausziehen steckt im Gerät, sie speist einen wechselbaren TV-Tuner. Den gibt es für verschiedene internationale Standards, in Deutschland will Mio eine DVB-T-Version anbieten. Die TV-Module sollen aber auch einzeln angeboten werden, damit das Moov etwa auf Reisen auch im Zielland als Fernseher funktioniert. Ist der Empfang schlecht, kann eine externe Antenne verwendet werden, eine entsprechende Buchse hat das Moov.
Als weiteres Zubehör gibt es unter anderem diverse Halterungen für den Einbau im Auto, Ladegeräte und einen Ständer für den Schreibtisch. Ebenfalls optional sind Zusatzakkus und Ladegeräte für die Akkus selbst, standardmäßig wird der Mio-Rechner per USB aufgeladen.
Ins Netz geht das Tablet per WLAN nach 802.11b/g, UMTS und Wimax sind auch möglich, aber nur durch ebenfalls optionale Karten. Die entsprechenden Antennen sollen aber in jedem Gerät der Serie schon verbaut sein. Das Moov wiegt 445 Gramm, die sich auf 204 x 111 x 14 Millimeter verteilen.
Angetrieben wird der Rechner von Nvidias Tegra, dem ein ARM-Kern mit 600 MHz zugrunde liegt. Als Betriebssystem dient Windows CE 6.0 R3, von dem aber nichts zu sehen ist: Mio hat eine eigene Benutzeroberfläche entworfen, die sich vor allem an großen, meist monochromen Symbolen orientiert. Das sieht auf den ersten Blick wie eine Mischung der GUIs von iPhone und Blackberry aus, ist aber sofort verständlich.
Etwas Überarbeitung braucht die Oberfläche aber offenbar noch, denn einige Funktionen wie das Blättern in den Menü-Icons liefen etwas träge ab. Das eigentlich anspruchsvollere Blättern und Zoomen in Fotos lief dagegen sehr flüssig, ebenso die Videowiedergabe. Angaben zur Laufzeit machte der Hersteller übrigens noch nicht.
Ende Mai 2010 will Mio das Moov V780 in Deutschland auf den Markt bringen, die Preise sollen je nach Ausstattung zwischen 450 und 550 Euro liegen.



