Geosetter versieht Fotos mit Ortsdaten
Geotagging, die Anreicherung von Fotos mit Ortsdaten, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Geräte wie der GPS-Logger Phototrackr Mini oder photoGPS, Jobos GPS-Modul für Spiegelreflexkameras , haben eine Software dabei, die Fotos und Ortsdaten synchronisiert. Wer sich aber kein eigenes Gerät für das Geotaggen anschaffen oder lieber sein GPS-Handgerät nutzen will, braucht eine Software, die später die Positionsangaben in die Metadaten eines Bildes schreibt. Das macht das Programm Geosetter, das der Berliner Friedemann Schmidt entwickelt hat.
Geotaggen automatisch und von Hand
Geosetter bietet zwei Möglichkeiten, Fotos mit Ortsdaten zu versehen – per Hand und durch das Synchronisieren mit einer aufgezeichneten Strecke. Die Oberfläche des Programms ist in mehrere Fenster unterteilt: In der rechten Bildschirmhälfte befindet sich ein großes Fenster mit einer digitalen Karte. Über einen kleinen Knopf in der Leiste darüber kann der Nutzer zwischen mehreren Ansichten von Google Maps und Openstreetmap auswählen.
Die beiden Fenster links sind den Fotos vorbehalten: Im oberen erscheinen Voransichten von Fotos in einem Ordner, den der Nutzer über ein Eingabefeld in der Menüleiste öffnet. Im unteren Fenster sieht er eine größere Ansicht eines ausgewählten Fotos.
Im Kartenfenster sucht der Nutzer das auf dem Bild festgehaltene Motiv, etwa den Fernsehturm auf dem Berliner Alexanderplatz. Sollen Fotos von Städten mit Geodaten versehen werden, geht das am besten auf der Satellitenkarte, vorausgesetzt, sie ist hochaufgelöst. Hat der Nutzer den Fernsehturm gefunden, klickt er auf die Stelle in der Karte, und es erscheint eine rote Markierung. Durch einen Klick auf die Schaltfläche "Kartenmarkierung zuweisen" in der Menüleiste, erkennbar am roten Marker und einem grünen Pfeil, der in Richtung der Bilder weist, schreibt Geosetter die Positionsdaten in das markierte Bild. Hat der Nutzer mehrere Fotos vom Fernsehturm gemacht, kann er sie alle markieren und mit einem einzigen Klick bearbeiten.
Synchronisieren von Bildern und Tracks
Einfacher ist es, wenn der Nutzer seine Fototour mit einem GPS-Gerät aufgezeichnet hat. Anhand der Uhrzeit weist die Software dann jedem Bild eine Position zu. Sie kann nach eigenen Angaben "alle bekannten GPS-Dateien" verwalten: das offene GPX-Format ebenso wie Formate kmz und kml, die Google Earth nutzt, und die der verschiedenen GPS-Gerätehersteller.
Hier ist es wesentlich, dass die Uhrzeit der Kamera genau stimmt. Sie muss nicht unbedingt auf Sommer- oder Winterzeit oder auf die Zeitzone eingestellt sein – das lässt sich beim Taggen im Programm einfach nachregeln, da diese Abweichungen normalerweise ganze Stunden betragen. Bevor die Daten synchronisiert werden, erscheint eine Abfrage für die Zeitzone, in der die Fotos entstanden sind. Weichen die beiden Uhren allerdings im Minutenbereich ab, kann das zu falschen Ortsangaben führen.
Um Fotos mit der aufgezeichneten Strecke zu synchronisieren, muss der Nutzer erst beides öffnen. Für die Strecke blendet er dafür über den Menüpunkt Ansicht das Fenster "Tracks" ein, das unter der Karte erscheint. Darin öffnet er die aufgezeichnete Strecke und markiert dann alle Bilder, denen er Geodaten zuweisen möchte. Anschließend klickt er auf die Schaltfläche "Synchronisieren", und die Software schreibt die Positionsdaten in die Bilder. Etwas verwirrend ist, dass das Symbol dieser Schaltfläche, eine kleine Karte, zwei Mal auftaucht: zum einen für das Synchronisieren von Geodaten und Bildern, zum anderen für die Auswahl der Kartenansicht.
Von den Koordinaten zum Ortsnamen
Nun steht in den sogenannten Exif-Daten , wo das jeweilige Bild aufgenommen wurde. Die Angaben beinhalten jedoch nur den Längen- und den Breitengrad sowie die Höhe über dem Meeresspiegel. Geosetter bietet zusätzlich auch die Möglichkeit, aus den Koordinaten einen Ortsnamen zu machen.
Dazu markiert der Nutzer ein Bild und klickt auf die Schaltfläche "Positionsdaten bearbeiten". Es erscheint eine Abfragemaske, in der die Koordinaten sowie eventuell die Höhe eingetragen sind. Über die Schaltfläche "Online abfragen" werden die Koordinaten in eine Ortsangabe aufgelöst, genauer gesagt in Land, Bundesland, Stadt und Ort, wobei Letzteres meist keine sehr genaue Bezeichnung ist. Beim Fernsehturm auf dem Berliner Alexanderplatz etwa lautet die Angabe lediglich Mitte für den Stadtteil. Will es der Nutzer genauer haben, kann er den Namen per Hand eintragen.
Blickwinkel des Fotos
Oft ist aber der Standpunkt des Fotografen nicht so wichtig wie der des Motivs. Dafür bietet Geosetter seit kurzem die Möglichkeit, die Aufnahmerichtung hinzuzufügen. Dazu aktiviert der Nutzer zuerst den gelben Stern in der Menüleiste über der Karte die Funktion "Favoriten anzeigen". Klickt er dann auf eine Positionsmarkierung, öffnet sich ein Fenster in der Karte. Dort finden sich einige Angaben im Bild sowie der Link "Aufnahmerichtung hinzufügen".
Klickt der Nutzer darauf, öffnet sich ein farbiger Winkel, der den Bildausschnitt repräsentiert, ein bunter Punkt darin kennzeichnet das Hauptmotiv. Hat das Programm nach Ansicht des Nutzers Aufnahmewinkel oder Hauptmotiv nicht richtig erkannt, kann er das korrigieren, indem er auf den Punkt klickt und ihn an die richtige Stelle zieht.
Beim Taggen per Hand ist das etwas einfacher: Der Nutzer kann den Winkel gleich beim Zuweisen der Positionsdaten über die Funktion "Kartenposition zuweisen und Bildwinkel übernehmen" hinzufügen.
Die Positionsdaten können in einer eigenen xmp-Datei, einem sogenannten Sidecar, gespeichert werden, sie können aber auch in die Bilddatei selbst geschrieben werden. In den Programmeinstellungen kann der Nutzer das für die verschiedenen Bildformate festlegen.
Locr und Google Earth
Sind die Fotos mit Geodaten versehen, hat der Nutzer die Möglichkeit, sie direkt auf das Fotoportal Locr hochzuladen. Die Schaltfläche dafür ist dem Logo des Portals nachempfunden. Außerdem kann er sie in Google Earth exportieren: Dazu markiert er die Bilder und klickt eine entsprechend gestaltete Schaltfläche. Geosetter legt eine kmz-Datei an, in der Voransichten der Fotos und deren Positionen gespeichert sind. Google Earth zeigt dann ein kleines Vorschaubild an der Stelle, wo das Foto entstanden ist.
Geosetter ist ein Programm für Windows und läuft ab Version XP. Aktuell ist die Version 3.3.18 vom 21. Februar 2010. Entwickler Schmidt stellt die Software kostenlos auf der gleichnamigen Website(öffnet im neuen Fenster) bereit. Allerdings arbeitet Schmidt derzeit sehr intensiv an dem Programm: Praktisch jede Woche gibt es Aktualisierungen.
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