Ausprobiert: First Else - das besondere Daumen-Smartphone
Als Betriebssystem setzt Else auf die Access-Linux-Plattform und hat für das First Else mit sPlay eine Bedienoberfläche entworfen, die auf eine systemweite Einhandbedienung hin optimiert ist. Über die drei Hauptrubriken Telefon, Diary und Media erreicht der Nutzer alle Funktionen sehr schnell und komfortabel. Wie ein Fächer sind die Rubriken angeordnet und mit einem Fingerwisch wird eine Unterkategorie aufgerufen, die dann die eigentlichen Daten enthält.
Mit wenigen Bewegungen wechselt der Nutzer so von der Anrufliste zum Adressbuch, Kalender oder in den E-Mail-Client. Das alles funktioniert äußerst schnell und sehr bequem mit dem Daumen. Mit zwei Händen lässt sich das Mobiltelefon eigentlich nicht besser bedienen als mit nur einer Hand. Bleibt als Kritikpunkt, dass das Gerät nur bedingt für Linkshänder geeignet ist, weil das gesamte Bedienkonzept auf Rechtshänder ausgerichtet ist.
So klappt das Fächermenü auf der rechten Displayseite auf und dort befinden sich auch Sensortasten zum Aufruf des Hauptmenüs, der Suche und zum Blättern. Außerdem gibt es eine Sensortaste, um jeweils einen Schritt in der Bedienung zurückzugehen. Das Gerät bietet eingeschränktes Multitasking für ausgewählte Anwendungen. Damit soll verhindert werden, dass die Reaktionsgeschwindigkeit durch viele unnötigerweise im Hintergrund laufende Prozesse ausgebremst wird. Beim Ausprobieren reagierte das Mobiltelefon in den meisten Fällen sehr flink. Einige wenige Hänger waren zu beobachten, sind aber durchaus darauf zurückzuführen, dass die Entwicklung noch nicht ganz abgeschlossen ist.
Auf dem Startbildschirm lassen sich beliebige Befehle mittels Zeichengesten aufrufen. Durch Malen des Buchstabens "S" etwa kann das Schreiben einer SMS gestartet werden. Damit sollen sich häufig benötigte Funktionen noch schneller erreichen lassen, was im Praxistest gut funktionierte und auch Spaß bereitete. Alle Nutzerdaten wie Kontakte, Termine oder E-Mails werden in einer zentralen Datenbank abgelegt. Das ermöglicht eine zentrale Suche und bei der Bedienung sorgt das dafür, dass diese Daten über Applikationsgrenzen hinweg erreichbar sind.
Eine weitere Besonderheit bei der Bedienung ist das sogenannte Fischauge innerhalb von Programmen. Dieses Fischauge stellt alle nötigen Befehle abhängig vom Kontext bereit und befindet sich innerhalb des Displays immer an der gleichen Stelle. Dadurch findet der Anwender die Funktionen schnell und sie sind immer auf Höhe des Daumens. Multitouchgesten unterstützt das Mobiltelefon nicht, weil sich das nicht mit der systemweiten Daumenbedienung verträgt. Ausschnitte lassen sich aber bequem mit dem Daumen vergrößern und verkleinern.
Erinnerungen können anstatt nur nach der Uhrzeit auch abhängig von einem bestimmten Ereignis eingerichtet werden. So erscheinen Erinnerungen, wenn eine bestimmte Person anruft oder wenn der Nutzer sich einem bestimmten Punkt nähert. Der Anwender kann sich etwa daran erinnern lassen, im Supermarkt einzukaufen, wenn er daran vorbeikommt. Diese Art der Erinnerungen wird einiger Eingewöhnung bedürfen, einfach weil sie den meisten derzeit nicht vertraut sein dürfte.
Die Bildschirmtastatur ist mit einer automatischen Wortvervollständigung gekoppelt, die mehrere leicht erreichbare Vorschläge beim Tippen unterbreitet. Damit wird das Schreiben vereinfacht, indem der Anwender das passende Wort schnell eingeben kann, ohne es komplett schreiben zu müssen. Auch die Bildschirmtastatur ist auf eine Daumenbedienung hin optimiert, so dass eine zweihändige Eingabe kaum Vorteile bringt. Beim ersten Ausprobieren mit englischen Wortvorschlägen war das Tippen einer SMS flott und fehlerfrei.
Else bietet das First Else mit einem Dienstepaket an, um die Konfiguration und Einrichtung für den Anwender einfacher zu gestalten. Dazu gehören ein zentraler Music Store, die E-Mail-Konfiguration, eine Online-Backup-Lösung sowie eine Fernlöschfunktion, um die Daten im Falle eines Geräteverlusts aus der Ferne löschen zu können. Zudem gibt es eine von Else entwickelte Navigationslösung mit 3D-Rendering-Engine, die etwas hakelte.
Die Hardwareausstattung ist auf der Höhe der Zeit, das First Else wurde zusammen mit Sharp entwickelt. Es besitzt einen OLED-Touchscreen mit einer Bilddiagonale von 3,5 Zoll, das eine Auflösung von 854 x 480 Pixeln liefert. Im Gerät sind alle für Smartphones üblichen Sensoren integriert, so dass der Bildschirminhalt beispielsweise passend zur Haltung des Geräts ausgerichtet wird. Zur Farbtiefe des Displays machte der Hersteller keine Angaben. Berührungen des Displays werden in der Standardeinstellung mit einer Vibration quittiert.
In dem 115,6 x 56,6 x 13 mm großen Mobiltelefon befinden sich eine 5-Megapixel-Kamera ohne LED-Blitz und ein GPS-Empfänger. Der interne Flash-Speicher kann bis zu 32 GByte groß sein. Hier hängt es davon ab, in welcher Ausführung das Mobiltelefon ausgeliefert wird. Einen Speicherkartensteckplatz gibt es nicht. Das Smartphone unterstützt mit HSDPA, WLAN 802.11b/g sowie Bluetooth 2.0 alle üblichen Drahtlostechniken. Zur Akkulaufzeit liegen keine Angaben vor, bekannt ist nur, dass ein Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 1.450 mAh mitgeliefert wird.
Else will das First Else im zweiten bis dritten Quartal 2010 in Westeuropa auf den Markt bringen. Es wird dann um die 500 Euro kosten.