Abo
  • IT-Karriere:

IMHO: Wenn der Datenschutz den Datenschutz ad absurdum führt

In sozialen Netzwerken schadet falsch verstandener Datenschutz mehr als er nützt

Daten in sozialen Netzwerken sind sensibel und gehören geschützt. Betreiber müssen dafür Einstellungsmöglichkeiten bieten und Nutzer müssen verantwortungsvoll entscheiden. Doch wenn dazu noch umfassende technische Maßnahmen wie Captchas kommen, verlieren die Netzwerke ihren Sinn: Sie machen keinen Spaß mehr.

Artikel veröffentlicht am ,

Neulich wollte ich herausfinden, ob sich das ein oder andere Familienmitglied in sozialen Netzwerken finden lässt - MeinVZ und Facebook dienten als Beispiel. (MeinVZ gehört wie Golem.de zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.) Die Erfahrungen hätten unterschiedlicher nicht sein können. Bei Facebook dauerte es nur kurz, die Ergebnisse durchzuschauen und die Gesuchten zu finden. MeinVZ hingegen quälte mich mit ständigen Captchas. Captchas sind nach dem großen Drama um das automatisierte Abfassen von Profilinformationen bei den VZs in gewisser Hinsicht verständlich, denn sie sorgen dafür, dass Skript-Angriffe ins Leere laufen.

Stellenmarkt
  1. afb Application Services AG, München
  2. Techniker Krankenkasse, Hamburg

Vielleicht spielt es eine Rolle, dass ich MeinVZ eher selten nutze? Facebook hingegen nutze ich täglich. Werden die Captchas weniger, wenn man sich häufiger bei MeinVZ betätigt? Bei Facebook scheine ich einen Vielnutzer-Status zu haben, dort habe ich schon lange keine Captchas mehr gesehen.

Ein Test mit einem neu angelegten Account bei Facebook lieferte gleich zu Beginn immerhin ein Captcha. Doch selbst ohne Abschluss der Registrierung konnte ich die Suche ohne Einschränkung und Captchas benutzen. Ich hatte Zugriff auf Namen, Fotos und die öffentlichen Personen-Informationen. Dabei verhielt ich mich wie ein Skript-Bot: einen Namen in die Suche eingegeben und kurzerhand jedes Profil angeklickt, das in der Ergebnisliste auftauchte. Nach Abschluss der Registrierung dauerte es dann geschlagene 20 Minuten, bis mir Facebook wieder ein Captcha vor die Nase setzte.

MeinVZ legt mir dauernd Steine in den Weg, Facebook ist viel einfacher zu verwenden. Also bewege ich mich lieber dort. Dabei interessiert die ausländischen sozialen Netzwerke der deutsche Datenschutz überhaupt nicht. Sie implementieren fröhlich Funktionen und analysieren sämtliche greifbaren privaten Datenbestände auf soziale Verknüpfungen hin. Aber sie bieten mir das, was ich von einem sozialen Netzwerk erwarte, unkompliziert und ohne Stolpersteine. Diese positive Benutzererfahrung überwiegt meine Bedenken. Und die steigenden Benutzerzahlen bei Facebook in Deutschland zeigen, dass ich nicht allein bin.

Natürlich ist Datenschutz in sozialen Netzwerken ernst zu nehmen, doch die Datenschützer sind dabei, einen Pyrrhussieg einzufahren. Denn soziale Netzwerke dienen dazu, sich selbst darzustellen, Menschen möglichst einfach zu finden, untereinander zu kommunizieren und Zeit totzuschlagen. Wer diese Funktionen von sozialen Netzwerk aus dem Auge verliert und mit aller Gewalt versucht, die Nutzer vor sich selbst zu schützen, riskiert, seine guten Absichten ad absurdum zu führen. Ein soziales Netzwerk ist keine reine Datenbank.

Ein hundertprozentig datenschutzgerechtes soziales Netzwerk hat den Charme eines Telefonbuchs, nicht aber dessen Nutzen. Denn im Telefonbuch finden sich wahrheitsgemäße Angaben: Namen, Adressen und Telefonnummern. In sozialen Netzwerken gibt es diese Informationen immer seltener, die Nutzer werden cleverer und überlegen, was sie von sich preisgeben. Ein völlig sicheres Netzwerk ist unkomfortabel, nutzlos und macht einfach keinen Spaß. Als Folge wandern die Nutzer zu Netzwerken ab, in denen Datenschützer keinen großen Einfluss haben, die unsicherer sind, aber sehr gut funktionieren.

Wenn Staat und Wirtschaft den Datenschutz nicht mögen und ihn als Drangsalierung empfinden, ist das gut. Wenn aber der normale Nutzer den Datenschutz als Belastung und Störung im Alltag empfindet, dann ist der Datenschutz selbst bedroht.

Datenschützer sollten ihre Energie deshalb nicht darauf verwenden, Netzwerke zu Tode zu sichern, sondern sich auf die Aufklärung und Bildung der Nutzer konzentrieren. Und wenn sich Datenschützer auch noch mit Usability beschäftigen würden, könnten sie sogar daran arbeiten, den Datenschutz elegant in die sozialen Netzwerke zu integrieren.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de.
IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 48,49€
  2. 2,99€
  3. (-68%) 15,99€
  4. 4,19€

jan mandl 11. Mär 2010

hat mir in dieser hinsicht auch probleme gemacht jetzt ist es warum auch immer deutlich...

JenZzzz 15. Feb 2010

Ich halte virtuelle soziale Netzwerke für unsinnig!

JenZzzz 15. Feb 2010

Sound-Captchas sind auch nicht viel barrierefreier ... imho

Skeeve 13. Feb 2010

Naja, automatisierte programmierte Captchaerkennungsroutinen helfen da ungemein die...

honknenner 12. Feb 2010

Honk!


Folgen Sie uns
       


Cherry Stream 3.0 mit großem ß ausprobiert

Alle möglichen Umlaute auf einer Tastatur: Wir haben Cherrys Europa-Tastatur ausprobiert.

Cherry Stream 3.0 mit großem ß ausprobiert Video aufrufen
Indiegames-Rundschau: Von Bananen und Astronauten
Indiegames-Rundschau
Von Bananen und Astronauten

In Outer Wilds erlebt ein Astronaut in Murmeltier-Manier das immer gleiche Abenteuer, in My Friend Pedro tötet ein maskierter Auftragskiller im Auftrag einer Banane, dazu gibt es Horror von Lovecraft: Golem.de stellt die Indiegames-Highlights des Sommers vor.
Von Rainer Sigl

  1. Indiegames-Rundschau Verloren im Sonnensystem und im Mittelalter
  2. Indiegames-Rundschau Drogen, Schwerter, Roboter-Ritter
  3. Indiegames-Rundschau Zwischen Fließband und Wanderlust

In eigener Sache: Zeig's uns!
In eigener Sache
Zeig's uns!

Golem kommt zu dir: Golem.de möchte noch mehr darüber wissen, was IT-Profis in ihrem Berufsalltag umtreibt. Dafür begleitet jeder unserer Redakteure eine Woche lang ein IT-Team eines Unternehmens. Welches? Dafür bitten wir um Vorschläge.

  1. In eigener Sache Golem.de bietet Seminar zu TLS an
  2. In eigener Sache ITler und Board kommen zusammen
  3. In eigener Sache Herbsttermin für den Kubernetes-Workshop steht

Ricoh GR III im Test: Kompaktkamera mit Riesensensor, aber ohne Zoom
Ricoh GR III im Test
Kompaktkamera mit Riesensensor, aber ohne Zoom

Kann das gutgehen? Ricoh hat mit der GR III eine Kompaktkamera im Sortiment, die mit einem APS-C-Sensor ausgerüstet ist, rund 900 Euro kostet und keinen Zoom bietet. Wir haben die Kamera ausprobiert.
Ein Test von Andreas Donath

  1. Theta Z1 Ricoh stellt 360-Grad-Panoramakamera mit Profifunktionen vor
  2. Ricoh GR III Eine halbe Sekunde Belichtungszeit ohne Stativ

    •  /