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Spieletest: Dante's Inferno - geh zur Hölle, der Liebe wegen

Actionspiel für Xbox 360 und Playstation 3, basierend auf Dantes Versen. Hochkultur und Computerspiel passen nicht zusammen? Falsch: Basierend auf dem Werk des italienischen Dichters Dante Alighieri hat Visceral Games ein morbides Actiongemetzel erschaffen, das den Spieler so tief in die Hölle schickt wie kein anderer Titel.
/ Thorsten Wiesner
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Für die meisten Menschen ist es keine schöne Überraschung, wenn bei der feierabendlichen Heimkehr die Geliebte tot am Boden liegt. Ein wackerer Recke wie Dante nimmt ein solches Schicksal natürlich nicht einfach so hin – sondern begibt sich auf direktem Weg in die Hölle. Denn Luzifer höchstpersönlich war es, der in Dante's Inferno die Seele der Angebeteten in seine Heimat mitgenommen hat. Um sie zu retten, führt kein Weg vorbei am Totenreich. Der Weg zum Ziel ist natürlich alles andere als einfach: Zahllose monströse Kreaturen, riesige Endgegner und jede Menge arme verfluchte Seelen tun ihr Möglichstes, um Dantes Mission zu unterbinden.

Klar, dass sich die Entwickler bei der Interpretation von Dante Alighieris Vorlage diverse Freiheiten herausnehmen – Dante selbst etwa ist ein deutlich düsterer, aggressiverer Held als in den Versen der Göttlichen Komödie(öffnet im neuen Fenster) . Trotzdem werden Kenner der gut 700 Jahre alten Dichtung erstaunt sein, was hier alles zum Leben erweckt wird: Von den neun Kreisen der Hölle, die Dante allesamt durchschreiten muss, bis hin zu den Sündern, die er auf diesem Wege trifft und deren Verfehlungen von Level zu Level gravierender werden. Das Entwicklerteam Visceral Games hat einen interessanten Mittelweg aus Formtreue und Interpretation gefunden.

Auch spielerisch verlässt sich Dante's Inferno recht offensichtlich auf eine Vorlage – die allerdings keine Jahrhunderte, sondern ein paar Jahre alt ist: God of War stand Pate für dieses Action-Adventure, die Ähnlichkeiten sind oft frappierend. Der Schwerpunkt liegt somit trotz gelegentlicher Rätsel auf der Action: Die meiste Zeit ist Dante damit beschäftigt, fantasievoll gestaltete Kontrahenten zu bearbeiten – das Angebot reicht vom kleinen Sünder, der ebenso bestraft wie erlöst werden kann, bis zu riesigem Höllengetier, ekligen Würmern oder halbnackten Gruft-Schönheiten.

Hauptangriffswerkzeuge sind einerseits die vom Tod geborgte Sense, mit der sich auch ein paar Geschicklichkeitspassagen meistern lassen, sowie ein magische Blitze verschießendes Kreuz der Angebeteten. Insgesamt erweist sich Dante als äußerst vielseitiger und agiler Kämpfer: Er kann springen, attackieren, ausweichen, immer neue Kombos erlernen und hat auch in Sachen Magie die eine oder andere Option zur Hand – die Anzahl möglicher Angriffscombos ist groß und wächst beständig durch das Einsammeln von Seelen.

Das Spielerverhalten hat direkte Auswirkungen auf die Upgrades: Wer Gnade walten lässt, verfügt über andere Möglichkeiten, Lebensenergie oder Sense aufzuwerten als ein herzloser Berserker. Trotz der zahllosen Kombos bleibt die in Third-Person-Sicht dargestellte Action immer gut kontrollierbar. Schade nur: Mit zunehmender Spieldauer fällt auf, dass viele Gefechte trotz des umfangreichen Kampfsystems und sehr unterschiedlichen Gegnerverhaltens kaum taktischen Tiefgang bieten – stärkere Gegner benötigen oft nur mehr Zeit, um niedergerungen zu werden, und viele der sich wiederholenden Standardkontrahenten verlangen kaum eine intelligentere Vorgehensweise.

Auch die kleineren Rätsel oder Actionpassagen, die vom Spieler verlangen, im richtigen Moment die passende Taste zu drücken, kommen immer wieder in ähnlicher Art und Weise vor. Erfreuliche Ausnahmen sind die am Ende jedes Levels wartenden Bosse – jeder von denen ist nicht nur beeindruckend gestaltet, sondern verlangt auch einen gewissen Einsatz von Hirnschmalz, wenn etwa die Umgebung ins Gefecht einbezogen werden muss.

Auch optisch ist der Trip in die Hölle ein zweischneidiges Vergnügen: Einerseits sind die Areale wie Vorhölle, Zorn oder Gewalt mit viel Einfallsreichtum und Kreativität gestaltet, die Anzahl beeindruckender, erhabener Momente ist groß. Andererseits ist der Detailgrad oft verbesserungswürdig – viele Texturen könnten besser aussehen.

Dante's Inferno ist für Playstation 3 und Xbox 360 erhältlich und kostet rund 60 Euro. Von der USK hat es eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten.

Fazit

Hätte Dante Alighieri selbst erleben können, wie kreativ und vielseitig Visceral Games bei der optischen Ausgestaltung seiner Verse war – er hätte wohl nur wenig zu kritisieren gehabt ob der abwechslungsreichen, mit zahllosen Details gespickten und immer wieder zum Staunen anregenden Welten. Schade nur, dass spielerisch nicht genauso viel schöpferisches Potenzial freigelegt wurde: Dante's Inferno ist ein unterhaltsamer, aber über weite Strecken standardisierter Actiontitel, der seine Nähe zu God Of War nie verleugnen kann. Die höchsten Wertungen mögen dem Titel so verwehrt bleiben – Actionanhänger sollten trotzdem nicht zögern, in diese fantastische Unterwelt hinabzusteigen und im Kampf für die Liebe ihre Sense zu schwingen.


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