Überwachungskameras per Funk leicht anzapfbar
Mit einem handelsüblichen Empfangsgerät für bestimmte Modelle von Überwachungskameras ist es möglich, die Kameraüberwachung von Geschäften oder anderen Unternehmen anzuzapfen, ohne Passworteingaben. Das hat das NDR-Fernsehen herausgefunden(öffnet im neuen Fenster).
Die Kameras funken auf dem 2,4-GHz-Band und – so NDR Das Magazin und die Tagesthemen – können ihre Daten nicht verschlüsseln, was anscheinend an der verwendeten Funktechnik, nicht aber an der Frequenz liegt. Damit steigt die Gefahr einer unbemerkten Überwachung.
Pikant an der Sache ist die Verbreitung dieser unsicheren Sicherheitskameras. Auf einer Testtour entdeckte das NDR-Team der Sendung Das Magazin unter anderem einen Supermarkt, der einfach angezapft werden konnte. So war es möglich, sich anzuschauen, was die Kunden kauften. Auch ein Sanitätshaus und ein Kiosk konnten drahtlos angezapft werden. Und das sind noch harmlose Beispiele.
Es war auch möglich, an die Audioaufzeichnungen heranzukommen. Die Entfernung zwischen Sicherheitskamera und dem Abhörwagen erreichte in einem Fall sogar einen halben Kilometer, so die Angaben der Reporter.
Das Potenzial solcher Sicherheitslücken, die wohl häufig anzutreffen sind, ist enorm: Mit Überwachungskameras, die es Kriminellen ermöglichen, die PIN beim Einkauf auszuspionieren, muss ein Kunde wohl rechnen. Eine überwachte Apotheke kann Informationen über Krankheiten eines Kunden leicht verfügbar machen und damit das Vertrauensverhältnis zwischen Apotheker und Kunde schwer schädigen. Sogar der Eingang eines Bordells konnte von Fremden aus der Ferne mitbeobachtet werden.
Derartige Versuche sind natürlich strafbar. Das ist dann allerdings die einzige Hürde, denn der Angriff selbst, das zeigte Das Magazin, ist viel zu einfach und schwer aufzudecken. Auch Ladenbesitzer, die unerlaubt zum Bild Tonaufzeichnungen zulassen, müssen mit Geldbußen rechnen. Entsprechend warnt Niedersachsens Datenschutzbeauftragter Hans-Joachim Wahlbrink gegenüber dem NDR vor Schadensersatzansprüchen und spricht von einem Skandal.
Wie viele dieser Kameras im Einsatz sind, konnte das NDR-Team nicht erfahren. Auf den gemachten Erfahrungen beruhend wird mit mehreren tausend Kameras gerechnet. Dagegen wehren kann sich der Kunde beispielsweise, indem er das Geschäft, das er besucht, genauer auf Überwachungskameras hin untersucht und beispielsweise bei der Eingabe einer PIN nicht nur den Mitmenschen den Blick aufs Zahlenfeld unmöglich macht.
Der etwa vier Minuten lange Bericht findet sich in der Mediathek des Norddeutschen Rundfunks (NDR)(öffnet im neuen Fenster).
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