Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Welcher ARM-Prozessor steckt im iPad?

SoC mit Cortex-A9 und Mali sollen es sein. 1 GHz, von Apple entwickelt. Das ist fast alles, was die Firma bisher zum Antrieb des iPad sagt. Die Hardware-Auguren wollen aber bereits wissen, dass es sich um einen Prozessor mit ARM-Architektur handelt, der mit der Grafik zu einem System-on-a-Chip (SoC) vereint wurde.
/ Nico Ernst
227 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Für das iPad gelten bis auf weiteres nur die Angaben, die zu den Spezifikationen des Geräts auf Apples US-Webseite(öffnet im neuen Fenster) zu finden sind. Das erklärte Apple Deutschland auf Anfrage von Golem.de. In zwei Zeilen heißt es da: "1 GHz Apple A4, Custom Design, hohe Rechenleistung, sparsames System-on-a-Chip" .

Nicht gerade viel Information über das Herz eines Geräts, das Apple selbst als "revolutionär" bezeichnet. Zwar lässt Steve Jobs technische Details in seinen Keynotes wo immer möglich weg, wenn es aber ein angesagtes Schlagwort wie "Dual-Core" gibt, kommt das in seinen Vorträgen stets vor.

So auch bei Vorstellung der ersten Intel-Macs , bei denen zwar noch von einem "Core Duo" die Rede war, die Modellnummern der Prozessoren finden sich bis heute aber nicht in den Spezifikationen der Macs. Vielmehr gibt Apple immer noch nur die wenig aussagekräftige Taktfrequenz der Prozessoren als wichtigstes Merkmal an.

Die 1 GHz des A4 liegen immerhin gut 66 Prozent über den 600 MHz des Prozessors eines iPhone 3GS. Dass das iPad die von ersten kurzen Versuchen berichtete hohe Geschwindigkeit bei den mitgelieferten Anwendungen erreicht, überrascht somit nicht. Ebenso ist es mehr als wahrscheinlich, dass Apple der ARM-Architektur treu bleibt, die iPhone und iPod touch antreibt. Das iPhone OS müsste sonst komplett portiert werden, ebenso die Anwendungen - und von der Vielzahl an Apps profitieren Apples Plattformen.

Fraglich ist nur, welches ARM-Design Apple bei seiner Eigenentwicklung verwendet hat. Laut der Webseite Bright Side of News(öffnet im neuen Fenster) des ehemaligen Inquirer-Redakteurs Theo Valich soll es ein Cortex-A9 sein, dessen Architektur Golem.de bereits beschrieben hatte . Die Zahl der Kerne gibt auch Valich nicht an, er geht jedoch von mehreren aus, auch wenn Steve Jobs das nicht explizit gesagt hat.

Wie alle Cortex-Prozessoren von ARM lässt sich auch der A9 in einem Baukastensystem mit mehreren Cores, Erweiterungen und Grafik zu einem SoC zusammenfassen. Das scheint Apple getan zu haben, denn als SoC wird der Apple A4 auch bezeichnet. Laut Valich wurde dazu auch der Grafikkern Mali verwendet , den ARM Anfang 2008 vorgestellt hat. Dafür spricht vor allem, dass Mali Grafiken und Schriften per SVG besonders gut an verschiedene Bildschirmgrößen anpassen kann. Das würde bei iPhone-Apps auf dem iPad helfen.

Schon vor der Vorstellung des iPad wurde von EETimes Samsung(öffnet im neuen Fenster) als einer der Auftragsfertiger für den A4 vermutet. Laut Bright Side of News soll das SoC auch dort hergestellt werden, und zwar mit 45 Nanometern Strukturbreite. Samsung baut auch die iPhone-Prozessoren und hat zudem mit der Integration von ARM-Designs viel Erfahrung.

Apples Ansatz, den A4 als Eigenentwicklung zu vermarkten, ist bei Chips mit ARM-Architektur durchaus üblich. In den aktuellen Mobilprozessoren wie Nvidias Tegra , Samsungs Hummingbird und dem Snapdragon von Qualcomm stecken ebenfalls ARM-Kerne, die aber zum Teil mit externen Designschmieden erweitert wurden. Eine solche, das Unternehmen PA Semi, hatte Apple Anfang 2008 gekauft .

Um die Spekulationen weiter anzuheizen, gibt es in Apples Produktvideo zum iPad auch eine Großaufnahme des A4, auf der die Beschriftungen H8MBT00V0MTR-OEM, VTJK00782 und 1SB009A 0940 des Chips deutlich lesbar waren. Die erste Bezeichnung deutet auf die Modellnummer hin, die sich so aber bei den ARM-Kunden bisher nicht findet. Etwas aussagekräftiger ist lediglich die letzte Nummer, wenn man das "0940" als bei Chips übliches Produktionsdatum interpretieren will. Dann wäre dieser A4 im Jahr 2009 in der 40. Woche hergestellt worden, also Ende September.


Relevante Themen