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ISP beklagen DDoS-Angriffe und IP-Adressmangel

Konzertierte Angriffe und Sicherheitsprobleme bei IPv6 belasten das Internet. Angriffe aus Clouds und der Einsatz neuer unzureichend erprobter Internettechniken sind die größten Sorgen der Netzwerkgesellschaften im kommenden Jahr. Vor allem die Kombination aus IPv4-Adressmangel sowie die Migration zu IPv6, DNSSEC und 4-Byte-ASN plagt die befragten Serviceprovider.
/ Jörg Thoma
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Zu den aktuellen Problemen, die gegenwärtig die meisten Ressourcen bei den Serviceprovidern in Anspruch nehmen, gehört an erster Stelle die Bekämpfung von Spam-E-Mails. Den zweiten Rang belegt die Abwehr von Port-Scanning, Würmern und Bots. Das geht aus dem jährlichen Bericht zur Netzwerksicherheit des Unternehmens Arbor Networks(öffnet im neuen Fenster) hervor.

DDoS-Angriffe belegen den dritten Platz, während Peer-to-Peer (P2P) relevante Aktivitäten, etwa Anfragen durch Strafverfolgungsbehörden, auf Rang vier folgen. Zu den weniger wichtigen Ressourcenfressern gehören das Einpflegen von Sicherheitspatches, die Kundenbetreuung in Sicherheitsfragen und das Antworten auf Vorladungen durch Strafverfolgungsbehörden.

Problem IPv6

Die Umstrukturierung auf IPv6, die den drohenden IP-Adressmangel durch die gegenwärtig eingesetzte IPv4-Technik beheben soll, bereite den Netzwerkgesellschaften (Internet Service Provider, ISP) großes Kopfzerbrechen. Inzwischen ist die verfügbare Anzahl weiterer IP-Adressen auf unter 10 Prozent gesunken. Zwar wird es noch einige Jahre dauern, bis der Engpass auch für private Internetnutzer akut wird. Allerdings wird inzwischen die Vergabe größerer Adressblöcke zum Problem.

Zugleich geht die Umstellung auf IPv6 nur schleppend voran. Die Mehrheit der befragten ISP hat vor allem Bedenken hinsichtlich möglicher Sicherheitslücken in der IPv6-Technik. Wie schon in den vergangenen Jahren beschwerten sich ISP über mangelnde IPv6-Sicherheitsfunktionen in Routern, Firewalls und anderer kritischer Netzwerkinfrastruktur. Andere Befragte befürchteten, dass eine mangelnde Erprobung des IPv6-Protokolls zu internetweiten Sicherheitslücken führen könnte.

Gleichzeitig beklagen die ISP einen zunehmenden Mangel an qualifizierten Fachkräften, die diese Probleme angehen können. Probleme gebe es auch angesichts der mangelnden unternehmensinternen und der externen Kommunikation über die neuen Verfahren. Dabei spielen unklare betriebliche Verantwortlichkeiten, ein Mangel an klar definierten Richtlinien sowie fehlendes Verständnis und mangelnde Verpflichtung in den Führungsebenen eine große Rolle. Das Resultat sei eine schleppende Umstellung und halbherzige Umsetzung betrieblicher Sicherheitsstandards.

DDoS-Angriffe weiter größte Gefahr

In den letzten sechs Jahren haben Serviceprovider eine jährliche Verdoppelung von DDoS-Attacken erlebt. Lediglich im Jahr 2009 verringerte sich der Zuwachs auf etwa 22 Prozent. Die Verfasser des Berichts gehen davon aus, dass die Verringerung auf die physischen Grenzen des Internets und die Verlagerung auf andere effizientere Angriffsmethoden zurückzuführen ist.

Zu den gefürchtetsten zu erwartenden Angriffen in den kommenden zwölf Monaten zählen die Befragten in erster Linie DDoS-Angriffe. An zweiter Stelle der Gefahren rangieren Botnets, direkt dahinter der Identitäts- und Zugangsdiebstahl. Das DNS-Cache-Poisoning, das in den Jahren zuvor eine große Rolle spielte, fiel als Bedrohung auf Rang vier ab, dicht gefolgt von BGP-Route-Hijacking sowie Systemkompromittierung und Wurmattacken.

Umfang und Effektivität

Bei der Größe der Angriffe bemerkten die Befragten einen Rückgang: Nur 19 Prozent vermeldeten einen Angriff im Bereich zwischen 1 und 4 GBit/s, das entspricht einem Rückgang von 11 Prozent im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres. Allerdings steigerten sich die Angriffe im Bereich zwischen 4 bis 10 GBit/s, so dass ein Gesamtzuwachs im Bereich über 1 GBit/s zu verzeichnen war. Dennoch liegen die meisten Angriffe im Bereich unter 100 MBit/s. Ein geringer Zuwachs wurde in dem Bereich über 10 GBit/s gemeldet, wobei ein europäischer Netzbetreiber laut eigenen Angaben einen Angriff bei 49 GBit/s erlebte. Zuvor lagen die umfangreichsten Angriffe bei 24 und 40 GBit/s.

Der Zuwachs der DDoS-Angriffe in den letzten zwölf Monaten war geringer als in den Jahren davor. Die Verfasser des Berichts führen diesen Rückgang unter anderem auf die limitierte Bandbreite der Backbones, die Effektivität von Attacken in kleinerem Rahmen und eine bessere Verwaltung der Bot-Ressourcen zurück, etwa die Verwendung von pulsierenden Attacken und ein Umschwung auf Angriffe auf Applikationsebene.

Mehr als die Hälfte der befragten ISP berichteten über einen Angriffszuwachs im Gigabitbereich auf der Serviceebene, die explizit dort Schwächen ausnutzen, etwa verwundbare und teure Backend-Abfragen und Engpässe in rechenintensiven Ressourcen. Einige ISP meldeten mehrstündige Ausfälle wichtiger Internetdienste, die auf Angriffe auf Applikationsebene zurückzuführen seien. Die Angriffspunkte seien die DNS-Infrastruktur, Load-Balancer und großflächige Angriffe auf SQL-Dienste.

Teilgenommen an der Umfrage haben laut Arbor Networks 123 Unternehmen aus Nordamerika (43 Prozent), Europa (28 Prozent), Asien und dem Pazifikraum (12 Prozent), Australien (8 Prozent), Latein- und Südamerika (7 Prozent) sowie Afrika (2 Prozent). Davon bezeichneten sich etwa 7 Prozent als Tier-1-Netzwerke, über 30 Prozent zählten sich zu den Tier-2-, -3- sowie regionalen Netzwerken. Zu den verbleibenden Organisationen zählen ASPs und drahtlose Netzprovider sowie DNS-Top-Level-Domains, Contentprovider und Hostingnetzwerke.


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