Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

MusicDNA soll MP3-Musik zukunftsfähig machen

Anreicherung von Musik mit Hintergrundinfos und Neuigkeiten. Als Nachfolger von MP3 wird MusicDNA vom norwegischen Unternehmen Bach Technology beworben. Gemeint ist damit aber nicht ein neues Audiokompressionsformat, sondern die Anreicherung von MP3-Musik mit mehr Metadaten und auch weiteren Multimediainhalten – ohne die Kompatibilität zu selbst den ältesten MP3-Playern zu gefährden.
/ Christian Klaß
25 Kommentare undefined News folgen (öffnet im neuen Fenster)

MusicDNA basiert auf dem auch als "Multimedia Content Description Interface" bezeichneten MPEG-7-Standard. Mit ihm werden Multimediadaten mittels Metainformationen beschrieben, die in XML-Dateien gespeichert sind. Die XML-Metadaten von MusicDNA – als MusicDNA Box bezeichnet – werden in MP3-Musikdateien eingebettet und mit deutlich mehr Informationen angereichert, als es bisher üblich war. ID3-Tags und ähnliche Metadaten werden beibehalten.

Ein Teil der Metadaten wird von der MusikDNA-Software automatisch durch eine Analyse des jeweiligen Musikstücks erstellt, was bei der Suche nach ähnlichen Musikstücken helfen und damit das Zusammenstellen von Playlists erleichtern soll. Erfasst werden sollen etwa Tempo, Instrumente, Stimmung und Klangfarbe. Derzeit unterscheidet die MusicDNA-Audio-Analyse 14 verschiedene Charakteristika, weitere sollen folgen.

Dazu kommen Textinformationen wie Songtexte, Künstlerbiografien, Infos zu verwandten Künstlern, Interviews, Neuigkeiten und Konzerttermine. Außerdem können eigene Anmerkungen hinzugefügt werden. Multimediainhalte lassen sich ebenfalls einbetten, darunter das Cover des Albums, Fotos, Bildschirmschoner, Konzertvideos, Werbung für Fanartikel und Links zu Twitterfeeds. Bis zu 32 GByte groß darf die MusikDNA Box werden – wobei die eigentliche Musik dann nur noch einen Bruchteil der Daten ausmacht.

Nutzungsstatisiken und die Möglichkeit zur Speicherung von digitalen Fingerabdrücken sind offenbar ebenfalls berücksichtigt; MusicDNA Box umfasst laut Beschreibung einen "P2P Legal" genannten Bereich, der geschäftlich relevante Daten enthalten soll. Näheres dazu sagt die offizielle MusicDNA-Website(öffnet im neuen Fenster) noch nicht. Digitale Fingerabdrücke sind relevant für den Verkauf von MP3-Musikstücken, die zwar ohne Hürden auf den verschiedenen Geräten der Kunden abgespielt werden sollen, aber nicht unerlaubt weitergegeben werden sollen.

Die Daten liefert die Onlinedatenbank MusicDNA Live – und hilft bei der Erkennung von bereits vorliegenden MP3-Musikstücken, denen etwa ID3-Tags fehlen. Die Informationen in den Musikdateien sollen darüber ständig aktualisiert werden und den Umgang mit Musik verändern – weg von der reinen Audiodatei, hin zur mit Hintergrundinformationen unterfütterten Musik. Musiker und Musikindustrie erhalten so die Möglichkeit, die Fans auch direkt auf dem MP3-Player auf dem Laufenden zu halten.

MusicDNA soll auf verschiedenen Plattformen zur Verfügung stehen. Für 2010 angekündigt sind Plugins für den Windows Mediaplayer und iTunes sowie Wiedergabesoftware für iPhone, Windows Mobile und Android. Außerdem kann das Mediaformat in Software, Hardware und Onlinedienste anderer Unternehmen integriert werden.

Das norwegische Unternehmen Bach Technology, das Niederlassungen in Deutschland und China betreibt, wurde 2007 gegründet. Die technische Leitung obliegt Sebastian Schmidt, der Erfahrung mit der Entwicklung und Leitung von großen Projekten beim Geschäftspartner Fraunhofer IDMT mitbringt. Am Unternehmen beteiligt ist unter anderem MP3-Erfinder Karlheinz Brandenburg.


Relevante Themen