Test: Das Milestone ist die neue Topklasse von Motorola
Der kapazitive und multitouchfähige TFT-Touchscreen im Milestone bietet eine Bildschirmdiagonale von 3,7 Zoll. Damit wird eine Auflösung von 854 x 480 Pixeln bei bis zu 16 Millionen Farben erreicht. Das Display ist auch bei Sonnenlicht gut ablesbar und zeigt Inhalte farbenfroh und kontrastreich. Anders als das nahezu baugleiche US-Modell Droid unterstützt das Milestone Multitouchgesten à la iPhone, die etwa im Android-Browser und in der Fotosoftware zur Verfügung stehen. Dabei reagiert das Display schnell und zuverlässig auf Eingaben.

Mittels Kneif- und Spreizgesten lässt sich die Zoomstufe in Fotos und Webseiten stufenlos verändern, alternativ dazu arbeitet das bekannte Doppeltippen weiterhin. In der Fotosoftware kann der Nutzer mit einem Fingerwisch zügig und bequem zwischen den einzelnen Fotos wechseln. Der mitgelieferte PDF-Betrachter unterstützt die Fingergesten bedauerlicherweise nicht, so dass hier mittels Zoomknöpfen der Bildausschnitt vergrößert und verkleinert werden muss.
Sowohl im Hoch- als auch im Querformat steht eine Bildschirmtastatur bereit, die in beiden Fällen keine deutschen Umlaute enthält. Zumindest bei der Querformattastatur wäre ausreichend Platz für eigene Umlauttasten gewesen, aber auch an anderer Stelle zeigt Motorola den Kunden, dass die Bedürfnisse deutscher Nutzer kaum eine Rolle spielen. Aufgrund der Enge tippt es sich auf der Hochkantbildschirmtastatur weniger gut als auf der Querformatversion, aber für die Eingabe einer URL oder eine kurze SMS-Antwort langt es allemal, zumal Android die Eingabe mit einer Autovervollständigung ergänzt.
QWERTZ-Tastatur nur lieblos an deutsche Kunden angepasst
Für längere Passagen gibt es eine aufschiebbare Tastatur im QWERTZ-Layout, auf der es sich recht komfortabel tippen lässt. Der Tastenabstand ist ausreichend groß und der Druckpunkt ist zufriedenstellend. Noch besseren Tippkomfort hätte es gebracht, wenn die einzelnen Tasten leicht erhöht wären, aber darauf hat Motorola verzichtet. Obwohl die Milestone-Tastatur noch Platz für zusätzliche Tasten hat, gibt es keine speziellen Umlauttasten.
Deutsche Umlaute werden eingegeben, indem der zugehörige Vokal oder im Fall des ß das s ein wenig länger gedrückt gehalten werden. Daraufhin erscheint ein Pop-up-Fenster auf dem Display, in dem der gewünschte Umlaut ausgewählt werden muss. Dabei ist der deutsche Umlaut weder vorausgewählt noch immer an der gleichen Position. Die Eingabe von Umlauten ist damit ineffizient umgesetzt, zumal der Nutzer immer zwischen Tastatur und Bildschirm wechseln muss.
Alternativ dazu kann ein Umlaut auch komplett mit der Tastatur eingegeben werden, aber das wird dann noch umständlicher: Dazu muss zunächst Alt-Shift-u eingetippt werden, um quasi einen Umlautmodus zu aktivieren. Nun wird der zum Umlaut zugehörige Vokal getippt, also das a, o oder u, und dann wird der entsprechende Umlaut geschrieben. Immerhin für die Eingabe eines ß genügt es, Alt-Shift-s zu tippen.
Positiv fällt auf, dass Motorola die Android-Menütaste in das Tastenlayout integriert hat, um die Gerätesteuerung zu vereinfachen. Der Home- und Zurückknopf fehlen dann aber wieder. Der 5-Wege-Navigator hilft bei der Cursorpositionierung und kann auch für die Bedienung verwendet werden. Allerdings nur mit Einschränkungen, denn nicht alle Applikationen unterstützen das Bedienelement. Besonders negativ fällt das im Browser bei der Eingabe einer URL auf. Statt hier alles per Tastatur erledigen zu können, muss der Besuch einer URL erst umständlich über ein Bildschirmtippen angestoßen werden.
Der von vielen Android-Geräten bekannte Navigationsball fehlt beim Milestone, so dass sich die Bedienung etwas weniger komfortabel gestaltet. Außerdem gibt es keine Tasten zum Annehmen oder Ablehnen von Telefonaten, so dass eine Blindbedienung mit der Hand ausgeschlossen ist. Erst muss der passende Bildschirmknopf auf dem Touchscreen gesucht werden. Zudem sind die vier typischen Android-Knöpfe als Sensortasten ausgeführt, die sich ebenfalls nicht mit dem Finger erfühlen lassen, aber dafür zuverlässig auf Berührungen reagieren.
Android 2.0 beherrscht Synchronisation mit Outlook
Mit Android 2.0 hat sich an der grundlegenden Bedienoberfläche von Googles Smartphone-Betriebssystem nichts geändert. Weiterhin gibt es maximal drei Startbildschirme, auf denen Programmverknüpfungen oder Widgets abgelegt werden können, um diese bequem aufzurufen. Alle installierten Applikationen befinden sich in einer gesonderten Ebene, die sich immer noch nicht unterteilen lässt, so dass die Liste bei vielen installierten Programmen schnell unübersichtlich wird. Auch das Verschieben von Programmen ist in der Gesamtansicht weiterhin nicht möglich, hier wird stur alphabetisch sortiert.
Dennoch bringt Android 2.0 neue Funktionen, die bislang schmerzlich vermisst wurden. Zunächst gehört dazu die Synchronisation mit Microsofts Outlook sowie die Unterstützung der Push-Mail-Funktion von Microsofts Exchange. Für den lokalen Datenaustausch mit Outlook liegt die Motorola-Software Media Link bei. Wie bisher gibt es auf dem Gerät eine E-Mail-Software für POP3- und IMAP-Postfächer und eine gesonderte Applikation für den Zugriff auf Google Mail.
Die Einrichtung von E-Mail-Postfächern gestaltet sich einfach, kommt aber nicht an den Komfort der Konkurrenz heran, bei der nach Eingabe von E-Mail-Adresse und Kennwort alle weiteren Einstellungen automatisch vorgenommen werden. Auch die Terminverwaltung ist nun auf zwei unterschiedliche Applikationen verteilt, so dass es verschiedene Kalenderprogramme gibt. Hier wäre eine Datenzusammenführung in einer Software die übersichtlichere Lösung.
Eine sinnvolle Verbesserung ist die Möglichkeit, aus verschiedenen Programmen bequemer direkt mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Ein Tippen auf ein Kontaktfoto öffnet ein Menü, um etwa einen Anruf zu tätigen, eine SMS zu schreiben oder eine E-Mail zu versenden. Das erspart dem Nutzer einige Klickarbeit und erhöht die Produktivität. Zudem werden Kontaktinformationen aus verschiedenen Quellen zu einem Kontakt zusammengefasst, ähnlich erledigt es Synergy bei WebOS. Die Sprachqualität bei Telefonaten ist ordentlich.
Browser beherrscht Multitouch-Gesten
Da der Browser im Milestone Multitouch unterstützt, kommt er fast an den Bedienkomfort heran, den der iPhone- oder Pre-Browser zu bieten haben. Der Milestone-Browser rendert Seiten sehr schnell und reagiert immer zügig bei der Bedienung. Mit den typischen Kneif- und Spreizgesten kann der Nutzer bequem den Zoom für die Webseite verändern und ein Doppeltipp auf den Bildschirm schaltet zwischen einer festen Zoomstufe und der Ganzseitendarstellung um. Der Browser kann sowohl im Hoch- als auch im Querformat genutzt werden, aber nur im Querformat lassen sich Webseiten komfortabel lesen.
Denn anders als Browser auf anderen Android-Smartphones passt der Milestone-Browser eine Webseite nicht an das Gerätedisplay an. Dadurch muss der Nutzer bei hochkant gehaltenem Gerät zum Lesen von Webseiten nach links und rechts scrollen oder sich mit sehr, sehr kleiner Schrift zufrieden geben. Normalerweise sollte der Text auf einer Webseite so umgebrochen werden, dass der Inhalt auch gut im Hochformat gelesen werden kann.
Browser-Lesezeichen nicht für Einsatz in Deutschland angepasst
Surfkomfort bringt hingegen der integrierte Kennwort-Manager, so dass Zugangsdaten zu mobilen Webseiten im Browser gespeichert werden können. Einmal eingetragene Zugangsdaten setzt der Kennwort-Manager dann automatisch ein. Das Löschen einzelner Zugangsdaten ist nicht möglich, es müssen immer alle gespeicherten Logins vernichtet werden. Als weitere Verbesserung kann in einer Listendarstellung nun zwischen den geöffneten Browsertabs gewechselt werden und Lesezeichen lassen sich anhand eines Vorschaubildes besser identifizieren.
Negativ fällt auf, dass das Milestone nicht nur in Bezug auf die Tastatur, sondern auch softwareseitig lieblos an den deutschen Markt angepasst wurde. Der Browser wird mit vorinstallierten Lesezeichen ausgeliefert, allerdings verweisen diese alle zu den US-Seiten von Amazon, eBay, Google, Yahoo und Wikipedia statt auf die entsprechenden deutschsprachigen Angebote.
Auch der aktuellen Android-Version fehlen Applikationen für Notizen, zur Aufgabenverwaltung, zur Dateiverwaltung oder eine Weltzeituhr. Über Androids Marketplace ist so etwas zwar zu bekommen, aber es bleibt die Frage, warum solche wesentlichen Funktionen nicht gleich mitgeliefert werden. Auch Android 2.0 arbeitet wie die Vorgängerversionen sehr zuverlässig und stabil bei hoher Geschwindigkeit. Selbst wenn viele Applikationen gleichzeitig geöffnet sind, wird das System nicht ausgebremst, sondern reagiert schnell und zuverlässig. Auch wenn der Musikplayer im Hintergrund läuft, gibt es keine Beeinträchtigungen und über den Benachrichtigungsbereich lässt sich die Musiksoftware recht bequem aufrufen.
Das Milestone ist ein Schwergewicht
Das Milestone bringt 170 Gramm auf die Waage und ist damit ein echtes Schwergewicht. Bei den Smartphone-Neuvorstellungen der jüngsten Vergangenheit wiegt nur Nokias N900 mehr, es kommt auf ein Gewicht von 180 Gramm . Zum Vergleich: Apples iPhone 3GS und Palms Pre sind mit jeweils 135 Gramm deutlich leichter als das Motorola-Gerät. Die Maße des Milestone entsprechen in etwa denen des iPhones, das Motorola-Smartphone ist mit 115,8 x 60 x 13,7 mm aber rund 1,5 mm dicker. Die Verarbeitung des Milestone vermittelt einen guten Eindruck, lediglich der recht locker sitzende Akkudeckel fiel negativ auf, denn beim normalen Umgang löste sich die Abdeckung leicht und fiel dann zu Boden.
Der interne Speicher von 512 MByte scheint zunächst recht üppig zu sein, aber davon stehen für den Nutzer lediglich 145 MByte zur Verfügung. Bei sehr vielen installierten Programmen kann der Speicher bald voll sein und dann lassen sich keine Programme mehr installieren. Erst mit einer späteren Android-Version soll das Problem angegangen werden. Dann werden sich Programme auch auf einer Speicherkarte installieren lassen.
Speicherkarte kann nicht im laufenden Betrieb gewechselt werden
Bis dahin eignet sich die Speicherkarte zur Ablage von Fotos, Musik oder Videos. Eine Micro-SD-Card mit 8 GByte gehört bereits zum Lieferumfang. Der Steckplatz kommt mit Speicherkarten klar, die bis zu 32 GByte Kapazität bieten. Der Wechsel der Speicherkarte ist alles andere als zeitgemäß. Der Speicherkartensteckplatz ist erst erreichbar, nachdem der Akku entfernt wurde, ein Wechsel im laufenden Betrieb ist damit ausgeschlossen.
Motorola hat in das Milestone eine 5-Megapixel-Kamera integriert, die wechselhafte Resultate liefert. Die Qualität bei Aufnahmen in Innenräumen schwankt sehr stark und ist nur manchmal zufriedenstellend. Allgemein fällt ein recht hohes Farbrauschen negativ auf, während die Farbtreue überzeugen kann. Grundlegende Einstelloptionen sind vorhanden, aber das Milestone ist weit von dem entfernt, was Mobiltelefone liefern, die sich auf Fotografie spezialisiert haben. Der Aufruf der Kameraapplikation dauert vergleichsweise lange und auch das Fokussieren ist für Schnappschüsse zu träge.
Außer Fotos kann die Kamera auch Videos mit einer Auflösung von 720 x 480 Pixeln aufzeichnen. Allerdings ruckelt das Bild bei Aufnahmen, obwohl mit 24 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet wird. Beim Betrachten der Videoclips fällt zudem unangenehm auf, dass die Videos sehr stark komprimiert sind und sich immer wieder Kompressionsartefakte negativ bemerkbar machen.
Bezüglich der Hardwareausstattung ist das Milestone ansonsten auf der Höhe der Zeit und unterstützt HSDPA-Downloads sogar mit bis zu 10,1 MBit/s. Das UMTS-Mobiltelefon versteht sich außerdem in allen vier GSM-Netzen und unterstützt neben EDGE auch GPRS. Zudem wird WLAN nach 802.11b/g und Bluetooth 2.1+ EDR geboten, wobei auch das Bluetooth-Profil A2DP unterstützt wird, um Stereomusik drahtlos zu übertragen. Für Ortungs- und Navigationsfunktionen ist ein GPS-Empfänger im Mobiltelefon enthalten.
Im Unterschied zum US-Modell Droid fehlt dem Milestone der kostenlose Dienst Google Maps Navigation . Dabei handelt es sich um eine Google-Maps-Variante, die um vollständige Navigationsfunktionen ergänzt wurde, vorerst aber nur für die USA angekündigt wurde. Auf dem Droid ist der Dienst vorinstalliert, in Deutschland versucht Motorola das Fehlen durch Dreingabe einer zeitlich befristeten Testlizenz einer Navigationssoftware namens Motonav zu kompensieren. Ansonsten ist wie bei anderen Android-Geräten Google Maps für einfache Routingfunktionen vorinstalliert.
Zum Aufladen des Akkus wird das mitgelieferte USB-Kabel per Micro-USB-Buchse mit dem Milestone verbunden, ein passendes USB-Netzteil liegt bei. An der Micro-USB-Buchse zeigt eine LED an, sobald der Akku geladen ist, der Nutzer muss also nicht erst das Display einschalten, um den Akkuladestand zu kontrollieren. Bei durchschnittlicher Nutzung hält der Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 1.400 mAh einen Tag gut durch.
Das Motorola Milestone gibt es unter anderem bei O2 und Vodafone. Während O2 für das Android-Mobiltelefon 481 Euro(öffnet im neuen Fenster) verlangt, sind es bei Vodafone 499 Euro(öffnet im neuen Fenster) . Beide Preisangaben gelten jeweils ohne Abschluss eines Mobilfunkvertrages. Bei O2 kann Motorolas Smartphone im Rahmen von My Handy mit einer zinslosen Ratenzahlung erworben werden. Dann zahlt der Kunde einmalig einen Euro und dann zwei Jahre lang monatlich 20 Euro.
Fazit
Motorola legt mit dem Milestone ein Android-Smartphone vor, das solide verarbeitet ist, aber dafür einiges Gewicht auf die Waage bringt. Auf der Hardwareseite ist alles vorhanden, was ein modernes Mobiltelefon bieten muss. Die integrierte Kamera kann allerdings nicht überzeugen und es erweist sich als störend, dass der Wechsel der Speicherkarte nur nach Akkuentnahme möglich ist. Bei der recht ordentlichen QWERTZ-Tastatur wird eine bessere Anpassung an die Bedürfnisse deutscher Kunden vermisst.
Softwareseitig profitiert das Mobiltelefon von den Verbesserungen, die Android 2.0 bringt. Eigene positive Akzente kann Motorola dabei nicht setzen. Gegen die unzureichende Lesefreundlichkeit des Browsers im Hochformat gibt es zum Glück eine einfache Lösung: die Installation des Browsers Dolphin, den es gratis im Marketplace gibt und der ebenfalls Multitouch unterstützt. Wer sich mit den Macken des Geräts anfreunden kann, erhält ein stabil und zuverlässig laufendes Smartphone.
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