Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Musikindustrie: Kulturflatrate schadet Absatzmodellen

Bundesverband Musikindustrie formuliert Positionspapier gegen Pauschalabgabe. Die Plattenindustrie bleibt hart: Eine Kulturflatrate ist mit ihr nicht zu machen. Das geht aus einem Positionspapier des Bundesverbandes Musikindustrie hervor. Der Geschäftsführer hat das Nein in einem Interview bekräftigt.
/ Werner Pluta
177 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Die vom illegalen Dateitausch über das Internet arg gebeutelte Musikindustrie will von einer Pauschalabgabe zur Abgeltung von Urheberrechten nichts wissen. Eine solche Kulturflatrate verstoße gegen geltendes Recht und verhindere zudem neue Absatzmöglichkeiten. Das erklärt der Bundesverband Musikindustrie in einem aktuellen Positionspapier(öffnet im neuen Fenster) .

Verstoß gegen internationales Recht

Die Kulturflatrate sieht vor, dass für jeden Internetanschluss eine monatliche Abgabe erhoben wird. Dafür können die Nutzer nach Belieben Inhalte - Musik, Medien, Filme - über das Internet herunterladen. Die Einnahmen werden an die Rechteinhaber verteilt. Der Verbandsvertreter allerdings hält wenig von dieser Idee. Die Einführung einer Kulturflatrate komme einer "Kapitulation vor der Komplexität des Urheberrechts in der digitalen Welt" gleich, sagte Stefan Michalk, Geschäftsführer des Verbandes, der Tageszeitung Welt(öffnet im neuen Fenster) . Zudem verstoße sie "gegen wesentliche Prinzipien des international geltenden Urheberrechts."

Die Musikindustrie ist allerdings nicht nur aus juristischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen gegen die Kulturflatrate. "Unsere Branche hat in den vergangenen zwei bis drei Jahren Fuß in der digitalen Welt gefasst" , so Michalk. "Eine Kulturflatrate würde das Aus für die bestehenden Modelle bedeuten." Dazu gehört beispielsweise die Kooperation mit dem finnischen Mobiltelefonhersteller Nokia, der seit 2009 das Musikabonnement Comes With Music anbietet.

Without Music

Ein Jahr lang darf der Nutzer Lieder aus einem von Nokia angebotenen Musikkatalog herunterladen. Die Kosten dafür sind mit dem Gerätepreis abgegolten. Die geladenen Stücke unterliegen allerdings diversen Restriktionen , etwa dass sie nur auf einem PC und einem entsprechenden Mobiltelefon abgespielt werden können. Entsprechend ist das Angebot nicht besonders erfolgreich .

Der Bundesverband Musikindustrie hält die Kulturflatrate für Rechteinhaber und Nutzer gleichermaßen für unfair. Erstere könnten dann nicht mehr selbst über die Verwendung und Preise ihrer Werke bestimmen. Letztere müssten die Zwangsabgabe auch dann bezahlen, wenn sie gar nichts aus dem Internet herunterladen. Schließlich mache die Abwicklung den Aufbau eines "gigantischen Bürokratie- und Verwaltungsapparates" notwendig.

Die Musikindustrie sieht laut Michalk "mit Sorge, wie dieses Thema in den Parteien diskutiert wird." Einige erwägen zumindest, eine solche Lösung zu prüfen. Die Grünen hingegen haben sich klar dafür ausgesprochen.

Der Verbandsvorsitzende Dieter Gorny will auch in Deutschland Internetsperren für mehrfachen illegalen Dateitausch nach dem französischem Vorbild einführen.


Relevante Themen