Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Sicherheitslücke an deutschen Flughäfen durch RFID

Zugangskarten von Mitarbeitern lassen sich leicht emulieren. Einem Bericht des ARD-Magazins Kontraste zufolge gibt es an mehreren deutschen Flughäfen ein Sicherheitsproblem durch den Einsatz von veralteten RFID-Systemen. Die dort verwendeten Karten sollen sich einfach nachbilden lassen, was den Zugang zu Sicherheitsbereichen und auch zu Flugzeugen ermöglicht.
/ Nico Ernst
19 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)

Auf den Flughäfen Berlin-Tegel, Hamburg, Hannover, Dresden und Stuttgart wird das RFID-System Legic Prime des Schweizer Herstellers Legic eingesetzt, berichtet das ARD-Magazin Kontraste in seiner aktuellen Ausgabe (öffnet im neuen Fenster). Dass sich dessen Karten emulieren lassen(öffnet im neuen Fenster), hatte der CCC auf seinem letzten Kongress (26C3) Ende Dezember 2009 bereits dargelegt.

Die beiden Hacker Henryk Plötz und Karsten Nohl haben dafür den RFID-Tester Proxmark3(öffnet im neuen Fenster) verwendet, der frei erhältlich ist. Batteriebetrieben passt das Gerät in die Hosentasche und kann einen RFID-Reader emulieren. Kommt eine Karte in die Nähe des Testers, so lassen sich deren Daten darin speichern. Das Gerät arbeitet in der Folge wie die Karte selbst, was Sicherheitssysteme aushebeln kann. Plötz und Nohl hatten bereits 2008 von sich reden gemacht, als sie das RFID-System Mifare von NXP knackten.

Der Zugang zu den echten Karten soll laut Kontraste am Flughafen Hamburg recht einfach sein, weil viele Mitarbeiter sie offen am Körper tragen. Mittels der Karten – oder einer Emulation durch das CCC-Gerät – soll ein Zugang zu Sicherheitsbereichen bis auf das Vorfeld oder auch in die Maschinen möglich sein. Eine Personenkontrolle findet Kontraste zufolge nicht an allen Zugängen zu den sensiblen Bereichen statt, vielmehr gebe es auch Türen, für welche die RFIDs als einzige Zugangssicherung dienten.

Neben diesen systematischen Problemen ist das RFID-System Legic Prime selbst nach Darstellung von Karsten Nohl kaum gesichert. Der Sicherheitsforscher sagte Kontraste: "Das System auszuhebeln ist einfach, was uns sehr überrascht hat, weil dies als Sicherheitssystem vermarktet wird und sehr verbreitet ist. Wir waren schlicht schockiert, überhaupt keine Hürden zu finden, die wir hätten überwinden müssen."

Ihre Entdeckungen haben die Hacker Ende Dezember 2009 "an die Sicherheitsbranche" weitergegeben, so Kontraste – also offenbar auch an Legic. Seitdem, so das Magazin, müsste auch der untersuchte Flughafen Hamburg darüber in Kenntnis gesetzt worden sein. Dennoch beständen die Lücken weiter.

Der Flughafen Hamburg(öffnet im neuen Fenster) widersprach gegenüber Golem.de der Darstellung von Kontraste. In einer per E-Mail verbreiteten Stellungnahme heißt es, dass "allein mit dem Flughafenausweis kein Zugang in den Sicherheitsbereich möglich ist." Das Unternehmen erklärt: "Alle Zugänge für Mitarbeiter in den Sicherheitsbereich sind durch Personal zusätzlich gesichert. An jedem dieser Zugänge werden die Mitarbeiter analog zur Passagierkontrolle kontrolliert. Das Kontrollpersonal nimmt immer eine Identitätskontrolle vor, prüft den Ausweis und gleicht das Foto auf dem Ausweis mit der zu kontrollierenden Person ab."

In dem Schreiben erklärt der Flughafen Hamburg jedoch auch, man sei sich der Problematik um Legic Prime bewusst und prüfe derzeit Verbesserungsmöglichkeiten. Henryk Plötz und Karsten Nohl schlugen in ihrem Vortrag einen Umstieg auf ein System wie Legic Advance vor. Legic Prime ist bereits seit 1992 auf dem Markt.


Relevante Themen