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US-Universitäten: E-Book-Reader müssen barrierefrei sein

Nicht barrierefreie Geräte verstoßen gegen US-Recht. US-Universitäten führen E-Book-Reader nur dann ein, wenn sie auch für blinde und sehbehinderte Studenten nutzbar sind. Dazu haben sich vier Hochschulen gegenüber dem Justizministerium verpflichtet.
/ Werner Pluta
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Vier US-Universitäten haben sich gegen die Einführung von Amazons E-Book-Reader Kindle DX entschieden. Grund ist die mangelnde Barrierefreiheit des Gerätes, das damit gegen den Americans with Disabilities Act(öffnet im neuen Fenster) (ADA) verstößt.

E-Book-Reader müssen für alle nutzbar sein

Die Universitäten haben sich unabhängig voneinander gegenüber dem US-Justizministerium (US-Department of Justice, DoJ) verpflichtet, keinen E-Book-Reader für die Lehre anzuschaffen, der nicht auch für blinde oder sehbehinderte Studenten uneingeschränkt nutzbar ist. "Die Universitäten stimmen zu, dass sie sicherstellen, sollten sie E-Book-Reader nutzen, dass Studenten mit einer Sehbehinderung diese Geräte genauso einfach nutzen können, die gleichen Dokumente darauf nutzen und die gleichen Dienste in Anspruch nehmen können wie sehende Studenten" , teilte das DoJ mit.

Drei der Universitäten, die Case Western Reserve Universität in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio, die Pace Universität in New York City und das Reed College in Portland im US-Bundesstaat Oregon, gehörten zu einem Pilotprojekt, in dessen Rahmen Amazon die Einführung des Kindle DX in die Lehre testet. Das Abkommen mit dem Ministerium tritt nach dessen Angaben nach dem Ende des Projekts in Kraft. Vorangegangen war eine Vereinbarung der Universität des Bundesstaates Arizona (Arizona State University, ASU) mit dem Ministerium und den Blindenverbänden National Federation of the Blind und American Council of the Blind in Bezug auf E-Book-Reader.

Sprachausgabe nur für Texte

Der Kindle DX hat ebenso wie der Kindle 2 eine Sprachausgabe . Damit ließen sich zwar Texte per Sprachsynthese vorlesen, die Sprachausgabe bezieht sich aber nicht auf die Bedienung des E-Book-Readers. Dieser sei damit für Blinde und Sehbehinderte doch nicht nutzbar, kritisieren die Verbände.

Aus diesem Grund hatten im Herbst vergangenen Jahres bereits zwei Universitäten den Kindle DX verbannt . Amazon hatte daraufhin im Dezember angekündigt, das Gerät so zu überarbeiten , dass es auch von Blinden und Sehbehinderten uneingeschränkt genutzt werden kann. Die neuen Funktionen, darunter ein sprachgesteuertes Menü, sollen aber erst im Sommer zu Verfügung stehen.

Gleicher Zugang zu Bildung

"Die fortschreitende Technik verändert auch die Lehre an den Universitäten systematisch. Wir müssen dafür sorgen, dass die neue Technik behinderten Studenten die gleichen Chancen bietet wie allen anderen" , sagte Thomas E. Perez vom US-Justizministerium. "Gleicher Zugang zu Bildung für alle ist wichtig, dafür stehen die Vereinbarungen."

Das DoJ war nach Beschwerden von National Federation of the Blind und the American Council of the Blind auf die E-Book-Reader aufmerksam geworden. Im vergangenen Jahr hatten die beiden Verbände einen blinden ASU-Studenten bei einer Klage gegen Bundesstaat Arizona unterstützt. Der Student hatte mit dem Argument geklagt, die mangelnde Barrierefreiheit des Kindle DX verstoße gegen Bundesrecht.


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