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Test: Mit Jolicloud auf der Internetwolke

Linux-Netbook-Distribution mit nahtloser Anbindung an WWW-Dienste. Jolicloud verspricht eine nahezu nahtlose Anbindung ans Internet über eine eigene Cloud und zahlreiche Webapps. Dabei kommen meist auf Prism basierende Miniprogramme zum Einsatz, die Ressourcen schonen und per Mausklick installierbar sind. Die Webapps dienen als Schnittstelle zu Internetdiensten und sozialen Netzwerken.
/ Jörg Thoma
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Die Netbook-Distribution Jolicloud(öffnet im neuen Fenster) basiert auf der aktuellen Version 9.10 Karmic Koala des Ubuntu-Abkömmlings für Laptopzwerge Ubuntu Netbook Remix (UNR)(öffnet im neuen Fenster) . Die Entwickler um Netvibes-Gründer Tariq Krim wollten mehr Programme für die Anbindung ins Internet, vor allem sollte der Zugang zu Social Networks wie Facebook vereinfacht werden. Dazu setzten sie die auf Firefox basierende Technik Prism ein, die aus Webseiten Applikationen erstellt, die in einem reduzierten Browserfenster laufen.

Jolicloud, beziehungsweise sein Vorbild UNR, läuft auf den meisten gängigen Netbooks ohne größeres Zutun des Anwenders. Die Bildschirmauflösung wird automatisch erkannt und Treiber samt Firmware für eingebaute WLAN-Chipsätze sind ebenfalls mit dabei, so dass die drahtlose Verbindung auf Anhieb klappt. Bei der Erstinstallation belegt Jolicloud lediglich 2 GByte Festplattenspeicher. Die nachinstallierten Webapps schonen sowohl den Festplattenspeicher als auch den gegebenenfalls knappen Arbeitsspeicher.

Installation leicht gemacht

Jolicloud lässt sich auf zwei Arten installieren: zum einen über das unter Ubuntu bekannte Verfahren, die Linux-Distribution innerhalb einer virtuellen Umgebung unter Windows einzurichten. Den unter Ubuntu verwendeten Wubi-Installer(öffnet im neuen Fenster) Windows haben die Entwickler direkt mit der Jolicloud-ISO-Datei verbunden. Sie steht als 640 MByte große, ausführbare Windows-EXE-Datei zum Download auf den Projektseiten(öffnet im neuen Fenster) von Jolicloud bereit.

Der Installer erstellt dabei eine Containerdatei samt virtuellem Laufwerk in der Windows-Partition und trägt einen Starter in den Bootmanager von Windows ein. Nach dem Neustart schließt die Installation in wenigen Minuten ab. Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass sich Jolicloud ohne Partitionierung oder Installation des Linux-Bootmanagers Grub installieren lässt. Über die Systemsteuerung unter Windows kann Jolicloud auch restlos wieder deinstalliert werden. Der Nachteil ist jedoch, dass Jolicloud in dem Dateisystem der Containerdatei nicht ganz so zügig läuft wie in einer eigenen Partition.

Mit der zweiten Variante wird Jolicloud direkt auf der Festplatte installiert. Dabei benötigt Jolicloud wie unter Linux üblich den Bootmanager Grub, um zu starten, und zwei Partitionen für das System und die Auslagerungsdatei (swap). Für die Installation auf diesem Wege eignet sich entweder der Start von CD oder USB-Stick. Dazu muss die auf der Projektseite bereitgestellte(öffnet im neuen Fenster) ISO-Datei zunächst gebrannt werden. In Ermangelung eines optischen Laufwerks kann das ISO-Image auch auf einen USB-Stick oder eine SD-Karte übertragen werden. Die Jolicloud-Entwickler haben dafür ein Miniprogramm entwickelt, das die ISO-Datei auf einen portablen Datenträger kopiert und diesen bootfähig macht. Der Jolicloud USB Creator steht für Windows, Mac OS X und Linux zum Download bereit(öffnet im neuen Fenster) .

Hinauf in die Wolke

Die Standardinstallation von Jolicloud bringt nur wenige Programme mit, etwa den Browser Firefox in der Version 3.5.3, ein Facebook-Applet und den Chatclient Pidgin 2.6.4 oder den Videoplayer Totem 2.26.1. Um in den Genuss der zahlreichen Webapps oder gar der Bürosuite Openoffice.org zu kommen, muss sich der Anwender mit der Jolicloud verbinden. Dort gilt es zunächst, ein kostenloses Konto einzurichten. Danach stehen besagte Webapps sowie kostenlose Updates zur Verfügung. Der grafische Paketmanager Synaptic aus Ubuntu fehlt komplett, das Kommandozeilenwerkzeug Apt ist zwar vorhanden, die Entwickler warnen jedoch davor, es zu verwenden, um Pakete zu installieren, die nicht von Jolicloud angeboten werden.

Die Webapps reichen von dem direkten Zugang zu Google-Mail in einem Prism-Fenster über Google Wave und anderen Diensten des Suchmaschinenanbieters, der Internettelefonie-Anwendung Skype bis hin zu flashbasierten Spielen. Die meisten Anwendungen fordern einen permanenten Zugang zum Internet. Für jede installierte Applikation zeichnet auch der Updater von Jolicloud verantwortlich, der auch das System auf dem neuesten Stand hält. Mit den großen Icons macht sich Jolicloud für die Verwendung auf Geräten mit Touchscreens bereit. Ein findiger Benutzer zeigt diese Möglichkeit auf einem speziell präparierten Netbook bereits auf.

 
Video: Jolicloud OS Linux auf Acer-Aspire-One-Touchscreen

Follow Me, Follow You

In der Joli-Wolke kann der Anwender weitere Jolicloud-Benutzer einladen, um sich verfolgen zu lassen, wie die Entwickler den Dienst im englischen Original bezeichnen (Follow). Einmal als Follower etabliert, berichtet Jolicloud anderen Benutzern über das Installations- und Updateverhalten auf dem eigenen Netbook. Eine Suchfunktion für angemeldete Benutzer gibt es bereits, ebenso wie eine Liste aktuell hinzugekommener Anmeldungen. Weitere soziale Netzdienste, etwa Chat oder Datentausch, bietet Jolicloud selbst bislang nicht an.

Fazit

Jolicloud macht schon als Pre-Beta einen durchdachten Eindruck. Dank der reduzierten und übersichtlichen Programmauswahl dürften selbst Benutzer mit geringen Linux-Kenntnissen schnell mit dem System zurechtkommen. Die Prism-basierten Anwendungen beanspruchen wenig Speicherplatz und schonen damit auch auf Netbooks mit SSD-Festplatten die Ressourcen. Mit den Anwendungen wird auch die Anbindung an das Internet und die damit verbundene Mobilität konsequent verfolgt. Dass andere Benutzer über die Installations- oder Updateaktivitäten auf dem eigenen Rechner informiert werden sollen, erscheint allerdings etwas unsinnig. Auf dieser Basis könnten aber auch interessante Dienste entstehen, die diese Informationen auswerten. Auf der Webseite sprechen Entwickler zudem von weiteren Diensten, die Jolicloud anbieten soll, etwa die gemeinsame Nutzung von Daten.


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