• IT-Karriere:
  • Services:

Malone will alle deutschen Kabelnetzbetreiber übernehmen

Mächtiger Konkurrent zur Telekom könnte entstehen

Der US-amerikanische Medienunternehmer Malone will nach dem Kauf von Unitymedia weitere Anbieter in Deutschland übernehmen. Das nächste Ziel ist Kabel Baden-Württemberg, weitere Namen stehen auf der Liste. Ein mächtiger Konkurrent zur Telekom könnte so entstehen.

Artikel veröffentlicht am ,
Malone will alle deutschen Kabelnetzbetreiber übernehmen

Der US-Medienunternehmer John Malone plant erneut, zum deutschen Kabelkönig zu werden. Sein langfristiges Ziel ist, alle großen deutschen Kabelanbieter zu übernehmen. Zunächst nimmt er Kabel Baden-Württemberg (Kabel BW) ins Visier. Das erfuhr das Handelsblatt aus dem Umfeld von Malones Konzern Liberty Global. Im vergangenen November hatte Malone 3,5 Milliarden Euro für den zweitgrößten deutschen Kabelnetzbetreiber Unitymedia geboten, dem Deal muss die Europäische Kommission noch zustimmen.

Bundesweites Kabelangebot

Stellenmarkt
  1. über duerenhoff GmbH, Raum Frankfurt
  2. AKKA Deutschland GmbH, München

Die Unity-Übernahme ist nur der erste Schritt in Malones Deutschland-Plan. Ziel ist ein bundesweites Kabelangebot. Unitymedia ist nur in Nordrhein-Westfalen und Hessen vertreten. "Es hat für Malone keinen Sinn, nur in zwei Bundesländern aktiv zu sein", heißt es in der Branche.

Die Eigentümer der anderen beiden Kabelanbieter - Kabel Deutschland (KDG) und Kabel BW - wollen ohnehin verkaufen. Kabel Baden-Württemberg gehört dem Finanzinvestor EQT, der 2006 dort eingestiegen ist und nun prüft, ob ein Verkauf möglich ist. EQT selbst, Teil des Imperiums der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Kabel BW hat 2,3 Millionen Kunden.

Unitymedia hat schon länger Interesse an Kabel BW. Unternehmensinsider berichten, dass Unitymedia bereits vor dem Einstieg von Malone eine Übernahme von Kabel BW geplant hatte. "Unitymedia führte Gespräche, die aber vor rund einem halben Jahr im Sand verlaufen sind", sagte ein Geschäftspartner.

Mittelfristig stehen auf dem Einkaufszettel von Malone auch der Branchenführer KDG und die finanziell schwer angeschlagene Orion (Tele Columbus, Primacom). Die Gläubiger von Orion bereiten einen Verkauf vor. Auch KDG-Eigner Providence ist zum Ausstieg bereit, bestätigen Insider. Der Finanzinvestor hat 2006 den größten deutschen Kabelanbieter übernommen, der in allen Bundesländern außer NRW, Hessen und Baden-Württemberg vertreten ist. Im September hat Providence Richard Parsons, Exchef des Medienriesen Time Warner, als Berater geholt. Er kennt Malone seit langem.

Zweiter Versuch

Für Malone wäre die Übernahme von Kabel BW eine ideale Ergänzung, um eine geografische Lücke seiner Beteiligungen zu schließen. "Der Kauf von Kabel BW wäre wie eine goldene Banane, die von den Niederlanden über Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg bis in die Schweiz und nach Österreich reichen würde", heißt es in Unternehmenskreisen. Schon 2001 hatte John Malone für 5,5 Milliarden Euro das komplette deutsche Kabelnetz, das der Deutschen Telekom gehörte, übernehmen wollen. Sein damaliger Finanzmanager, der das Geschäft einfädeln sollte, war der heutige Unitymedia-Chef Parm Sandhu. Doch das Kartellamt machte Malone und Sandhu einen Strich durch die Rechnung und teilte die Kabelnetze regional auf. Die Behörde war bislang das einzige Hindernis für eine Konsolidierung der deutschen Kabelanbieter. Als KDG im vergangenen Jahr in Bonn wegen einer Fusion nachhorchte, signalisierten die Wettbewerbshüter ihr Nein.

Aus Kreisen der drei Kabelanbieter heißt es jedoch jetzt, die Aufseher hätten ihnen angedeutet, dass ihr Veto gegen einen Zusammenschluss in einigen Jahren fallen könnte. Der Grund: Die bislang getrennten Geschäftsmodelle der Kabel- und Telekomanbieter verschmelzen immer stärker. Die Kabelkonzerne bieten Internet- und Telefonanschlüsse an, die Telekomunternehmen Fernsehen via Internetprotokoll. Deshalb lassen sich langfristig beide Branchen nicht mehr getrennt betrachten. In zwei bis drei Jahren würde das Kartellamt deshalb einer Konsolidierung nicht mehr widersprechen, heißt es in den Konzernkreisen.

Unabhängige Beobachter halten eine Korrektur für überfällig. "Insgesamt sind keine nachhaltig negativen Auswirkungen einer Kabelmarkt-Konsolidierung zu erwarten", bilanziert Kabelexpertin Dorothea von Wichert-Nick von der Beratungsfirma Solon. Sie sieht eine weitere Marktbereinigung daher positiv. Das Kartellamt hält sich aber alle Optionen offen: Eine grundsätzliche Richtlinie gebe es in der Frage nicht, erklärt die Behörde. Man prüfe jeden Antrag für eine Fusion neu.

Liberty Global, die Malone-Holding, zu der auch Liberty Media (QVC, Expedia) gehört, will sich zu weiteren Zukäufen in Deutschland nicht äußern. Ein Sprecher in London verwies lediglich auf die Aussagen von November vergangenen Jahres, nachdem derzeit keine weiteren Zukäufe geplant seien. Liberty-Präsident und CEO Mike Fries begeistert sich für Deutschland: "Der deutsche Markt bietet noch riesige Wachstumsmöglichkeiten", sagte der Malone-Vertraute kürzlich. Auch in der Branche heißt es: "Malone will sich stärker in Europa engagieren, und Deutschland ist der größte und am stärksten zersplitterte Markt."

Bis 2 Milliarden Euro

Den Kaufpreis für Kabel BW wäre nach Brancheneinschätzung kein unlösbares Problem für Liberty. "Malone ist zu jedem Zeitpunkt in der Lage, Zukäufe von ein bis zwei Milliarden Euro zu tätigen", sagt ein Geschäftspartner. In Branchenkreisen wird der Wert von Kabel BW auf etwa 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Das entspricht ungefähr dem achtfachen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). 2008 steigerte der vom früheren Hansenet-Chef Harald Rösch geführte Konzern sein Ebitda um knapp ein Drittel auf 172 Millionen Euro.
[aus Handelsblatt von Sandra Louven und Hans-Peter Siebenhaar]

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. täglich neue Deals bei Alternate.de
  2. 419,00€ (Bestpreis!)
  3. 555,55€ (zzgl. Versandkosten)

Penetrator666 12. Jan 2010

Ihr liegt falsch, in Berlin gibt es Gegenden (Friedrichsfelde z.B.) die neuerdings von...

antares 12. Jan 2010

nuja, ich schaue tatsächlich gar nicht mehr fern, und in meiner altersgruppe (20...

Eddie Izzard 11. Jan 2010

Im Sozialismus gibt es keine Konkurrenz. Da wird alles in Volkssolidarität produziert und...

iJones 11. Jan 2010

Nein, allerdings sehe ich das Fernsehen als Massenmedium an. Es gibt in Deutschland zig...

Konfuzius Peng 11. Jan 2010

Jimmy Malone.. klingt schon wie aus einem typischen Mafia Film finde ich ;-)


Folgen Sie uns
       


Smarte Jeansjacke von Levis ausprobiert

Das Trucker Jacket mit Googles Jacquard-Technologie hat im Bund des linken Ärmels eingewebte leitende Fasern. Diese bilden ein Touchpad, das wir uns im Test genauer angeschaut haben.

Smarte Jeansjacke von Levis ausprobiert Video aufrufen
Bosch-Parkplatzsensor im Test: Ein Knöllchen von LoRa
Bosch-Parkplatzsensor im Test
Ein Knöllchen von LoRa

Immer häufiger übernehmen Sensoren die Überwachung von Parkplätzen. Doch wie zuverlässig ist die Technik auf Basis von LoRa inzwischen? Golem.de hat einen Sensor von Bosch getestet und erläutert die Unterschiede zum Parking Pilot von Smart City System.
Ein Test von Friedhelm Greis

  1. Automated Valet Parking Daimler und Bosch dürfen autonom parken
  2. Enhanced Summon Teslas sollen künftig ausparken und vorfahren

Nitrokey und Somu im Test: Zwei Fido-Sticks für alle Fälle
Nitrokey und Somu im Test
Zwei Fido-Sticks für alle Fälle

Sie sind winzig und groß, sorgen für mehr Sicherheit bei der Anmeldung per Webauthn und können gepatcht werden: Die in Kürze erscheinenden Fido-Sticks von Nitrokey und Solokeys machen so manches besser als die Konkurrenz von Google und Yubico. Golem.de konnte bereits vorab zwei Prototypen testen.
Ein Test von Moritz Tremmel

  1. iOS 13 iPhone bekommt Webauthn per NFC
  2. Webauthn unter Android ausprobiert Dropbox kann, was andere nicht können

Kognitive Produktionssteuerung: Auf der Suche nach dem Universalroboter
Kognitive Produktionssteuerung
Auf der Suche nach dem Universalroboter

Roboter erledigen am Band jetzt schon viele Arbeiten. Allerdings müssen sie oft noch von Menschen kontrolliert und ihre Fehler ausgebessert werden. Wissenschaftler arbeiten daran, dass das in Zukunft nicht mehr so ist. Ziel ist ein selbstständig lernender Roboter für die Automobilindustrie.
Ein Bericht von Friedrich List

  1. Ocean Discovery X Prize Autonome Fraunhofer-Roboter erforschen die Tiefsee

    •  /