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Spiele 2010: Das Jahr der Bewegung

Neue Titel von Blizzard, id Software und der Kampf der Ego-Shooter. Weihnachten kommt noch: In den ersten drei Monaten 2010 dürfen sich Computerspieler auf eine nie dagewesene Frühjahrsflut erstklassiger Neuerscheinungen freuen. Das Jahr wird spannend – vor allem beim Kampf um die Krone im Konsolengeschäft und um neue Bewegungssteuerungssysteme.
/ Peter Steinlechner
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Normalerweise dauert es, bis so ein Jahr an Schwung gewinnt. Bei Computerspielen wird das 2010 anders sein: Am 15. Januar 2010 erscheint Dark Void, am 28. Januar 2010 das Bioware-Rollenspiel Mass Effect 2 , am 5. Februar 2010 Star Trek Online , am 9. Februar 2010 Bioshock 2 , ab dem 12. Februar 2010 ist Dante's Inferno zu haben und am 25. Februar 2010 kommt Splinter Cell: Conviction – für Schneeschippen, Eislaufen oder Skifahren bleibt da keine Zeit.

In ähnlichem Tempo geht es voraussichtlich zunächst weiter. Viele Publisher haben nämlich wichtige Spiele wegen der Wirtschaftskrise von 2009 auf später verschoben, in der Hoffnung, dass die Kundschaft dann eher in Kauflaune ist. Und so dürfen sich Spieler im 1. Quartal 2010 auf potenzielle Highlights wie das Pferde-GTA Red Dead Redemption freuen. Oder in Alan Wake – dem nächsten Werk von Remedy Entertainment – um ihr Überleben kämpfen, im Ego-Shooter Brink ballern, in Command & Conquer 4 ihre Einheiten steuern, in Drakensang 2 durch die Welt von Das Schwarze Auge streunen, in Final Fantasy 13 epische Abenteuer und in Heavy Rain interaktive Abenteuer erleben.

Kultentwickler Reloaded

Besonders interessant wird, was die großen Kultentwickler abliefern: Blizzard will 2010 das überfällige Starcraft 2 veröffentlichen. Im Frühjahr 2010 soll der Betatest starten. Wahrscheinlich, aber nicht sicher ist, dass World of Warcraft: Cataclysm 2010 erscheint.

Auch id Software wird wohl einen neuen Titel auf den Markt bringen. Rage wird eine Mischung aus Feuergefechten in Ego-Shooter-Manier und Vehikelkämpfen in einer postnuklearen Welt. Es ist übrigens die erste wirklich neue id-Marke seit Quake, das 1996 erschienen war. Bei Rockstar entsteht derzeit das nächste Grand Theft Auto , das allerdings 2010 nur vorgestellt werden dürfte. Mit einer Veröffentlichung ist eher 2011 zu rechnen. Nebenher arbeitet das Studio noch an einem weiteren Titel, der Agent heißt und exklusiv für Playstation 3 erscheint.

Ab Mitte des Jahres dürfte dann die größte Schlacht des Spielejahres ihre Schatten vorauswerfen: Der Kampf um die Vorherrschaft im weltweiten Ego-Shooter-Bereich. Der Champion heißt Call of Duty , 2010 dürfte der bisherigen Serienlogik folgend ein von Treyarch entwickelter Abstecher in den Zweiten Weltkrieg erscheinen. Der Herausforderer: Electronic Arts mit dem in Afghanistan angesiedelten Medal of Honor , bei dem schon jetzt festzustehen scheint, dass es am 31. Oktober 2010 in den Läden steht. Und der Underdog: Das beim Berliner Entwicklerstudio Yager Development produzierte Spec Ops: The Line , das auch als Dubai-Shooter bekannt ist und den Spieler in die gleichnamige Wüstenstadt versetzt.

Und noch mehr Toptitel sollen 2010 erscheinen: Etwa Halo Reach , das Microsoft gegen Jahresende veröffentlichen dürfte. Noch unklar ist, wie weit Bioware mit dem Onlinerollenspiel Star Wars: The Old Republic ist. Falls es 2010 auf den Markt kommt, wird es voraussichtlich das spannendste Onlinerollenspiel des Jahres.

Aufbauspieler freuen sich auf Die Siedler 7 , PC-Strategen auf Napoleon: Total War und Rennfahrfans auf das für die Playstation 3 erscheinende Gran Turismo 5 . Auf Wii besonders interessant: Epic Mickey , das neue Werk von Designlegende Warren Spector. Nintendo selbst setzt vor allem auf Super Mario Galaxy 2, von dem immerhin schon die Handlung bekannt ist: Mario muss die entführte Prinzessin Peach retten – wie immer.

Bewegungssteuerung für Konsolen

An neuer Hardware für Konsolen erscheinen 2010 vor allem die Bewegungssteuerungssysteme von Sony Computer Entertainment (SCE) und Microsoft. SCE möchte bereits im März 2010 sein wohl Gem oder Sphere genanntes Gerät auf den Markt bringen, mit dem Spieler in speziell angepassten Spielen allein durch Handbewegungen ihre virtuellen Schwerter, Tennisschläger oder was auch immer schwingen können.

Zumindest vom Ansatz her noch interessanter wird das System von Microsoft, das derzeit den Projektnamen Natal trägt. Es erlaubt die Bedienung von Spielen ohne einen Controller in der Hand zu halten. Das System erfasst allein die Bewegungen – und zwar des ganzen Körpers. Auch Gesichter und die Stimme kann Natal auswerten, so dass es zumindest theoretisch eine weitgehend natürliche und intuitive Interaktion zwischen Xbox 360 und Spieler erlaubt.

Ob letztlich SCE oder Microsoft das bessere System abliefern, lässt sich derzeit schwer abschätzen. Gem oder Sphere sind weniger mutig, aber möglicherweise ist das sogar ein Vorteil. Das System kann weniger als Natal, aber das dann womöglich besser. Falls Natal so funktioniert, wie von Microsoft versprochen, könnte allerdings eine kleine Revolution im Umgang mit Konsolen und anderer Hardware bevorstehen. Das System soll irgendwann und in bislang nicht kommunizierter Form auch für Windows-Rechner erscheinen. Fest steht außerdem, dass die Wii mit ihrer Art der Bewegungssteuerung in dieser Disziplin technisch abgeschlagen auf dem letzten Platz landen wird. Das könnte möglicherweise dazu führen, dass Nintendo im Jahr 2010 einen Nachfolger präsentiert.

Deutscher Spielemarkt 2010

Der erste wichtige Eintrag im deutschen Spieleterminkalender ist der 29. April 2010: Dann wird in Berlin zum zweiten Mal der Deutsche Computerspielpreis verliehen. Der von Branchenverbänden gemeinsam mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann ausgelobte Preis ist mit insgesamt 500.000 Euro dotiert und wird im Rahmen der Deutschen Gamestage in Berlin verliehen. Wenig später, vom 8. bis 11. Juli 2010, findet in Leipzig die zweite Ausgabe der GC Online statt. Highlight des Spielejahres wird die Gamescom 2010 in Köln, die vom 16. bis 18. August 2010 stattfindet. Sie muss im zweiten Jahr beweisen, dass sie tatsächlich das Zeug zur internationalen Leitmesse hat.

Eher hinter den Kulissen verläuft voraussichtlich die Diskussion über eine Überarbeitung der Jugendschutzgesetze . Insbesondere geht es darum, ob für Onlinemedien – etwa Browsergames – weiterhin die in der Öffentlichkeit so gut wie unbekannte Kommission für Jugendmedienschutz zuständig ist, oder ob derartige Produkte künftig auch die USK betreut. Eine generelle Verschärfung des Jugendschutzes ist derzeit, obgleich von einigen Politikern gewünscht, eher nicht zu erwarten. Größere Änderungen wird es, wenn überhaupt, vor allem bei der Einstufung von Onlinespielen geben, bei denen Experten ein ähnlich großes Suchtpotenzial sehen wie bei World of Warcraft. Dabei geht es allerdings nur darum, dass derartige Titel statt ab 12 Jahren erst ab 16 oder 18 Jahren freigegeben werden sollen – erwachsene Spieler können mit all den Highlights 2010 wohl ohne Einschränkungen Spaß haben.


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