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Mehr Chaos, mehr Leute, mehr Aufmerksamkeit beim 26C3

26C3
Die GSM-Lücken waren auch der New York Times einen Bericht wert. Der 26. Chaos Communication Congress (26C3) war ein Erfolg. Mehr als 9.000 Menschen schauten sich die Vorträge an, die im Berliner Congress Center (BCC) gehalten wurden. Der Chaos Computer Club (CCC) meldete einige Rekorde.
/ Andreas Sebayang
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Das Programm des 26. Chaos Communication Congress (26C3), der am 30. Dezember 2009 zu Ende gegangen ist, war reichhaltig. Rund 90 Vorträge gab es in drei Sälen, es war eine Auswahl von mehr als 260 Einreichungen. Wichtiges Thema in diesem Jahr war die Telefonie. So ging es etwa um das unsichere und leicht angreifbare GSM-Mobilfunknetz und die geknackte, aber noch nicht veröffentlichte DECT-Verschlüsselung .

Internationale Aufmerksamkeit für den Kongress

Vor allem die Mobilfunkproblematik brachte dem CCC auch internationale Aufmerksamkeit ein. Mehr als 100 Journalisten sollen von dem Kongress berichtet haben. Auch die New York Times hat einen Artikel veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) .

Der 26C3 wurde außerdem als großes Testfeld genutzt. So wurde GSM-Mobilfunk mit DECT-Telefonie verbunden. Für den Kongress wurde ein GSM-Testnetzwerk aus vier Mobilfunkzellen errichtet, das eine Testlizenz der Bundesnetzagentur besaß. An dem GSM-Netzwerk versuchten sich nur rund 270 Hacker, gab Harald Welte an, der OpenBSC-Projektinitiator. Das waren deutlich weniger Teilnehmer als bei Hacking at Random 2009 . Welte wünscht sich folglich, dass im kommenden Jahr mehr Mobiltelefone mitgebracht werden.

Volles Netzwerk

Einen Aufruf zur Nutzung von mehr Bandbreite gab es auf dem diesjährigen Kongress nicht, wie das NOC (Network Operation Center) mitteilte. Technisch wurde es für den CCC und die vielen Freiwilligen dieses Jahr etwas schwerer. Es gab gebrochene Glasfaserkabel, das WLAN setzte vor allem am ersten Tag aus und der offensichtlich beliebte Kongress-Stream brach immer wieder zusammen, so dass die, die nicht in den Kongress kamen, nicht immer alle Inhalte anschauen konnten. Manchmal half allerdings das Wechseln auf eine andere Stream-URL.

Immerhin musste das Kongressnetzwerk dem Ansturm von 9.000 virtuellen und realen Besuchern standhalten. Dabei stellten die Veranstalter und das NOC fest, dass sich hier anscheinend Grenzen bei der Hacker-Zusammenrottung zeigen.

In der Spitze wurden im Kern-Netzwerk 10,9 GBit pro Sekunde erreicht. Das war nur möglich, weil zwei 10-GbE-Anschlüsse per Trunking zusammengeschaltet wurden. Insgesamt wurden 123 TByte aus dem Kongressnetzwerk heraus in die Welt geschickt. Dementsprechend heiß ging es in den Netzwerkbereichen her. Schon am Tag vor der Eröffnung sollen 40° Celsius erreicht worden sein, so dass ein Teil der Ausrüstung ins Hackcenter ausgelagert werden musste. Da halfen auch die 11.000 Club-Mate-Flaschen nur bedingt, die während des Kongresses ausgetrunken worden sind.

Auch das WLAN schaffte Rekorde, das erstmals in diesem Jahr auf 802.11n basierte. Der Großteil der anwesenden Hacker ging über das WLAN online und erzeugte so in der Spitze eine Last von einem GBit pro Sekunde. Sowohl auf 2,4 GHz als auch auf 5 GHz. Von den 7.500 gezählten MAC-Adressen verteilten sich immerhin 4.242 auf das WLAN, auch wenn die Zahl etwas verdächtig erscheint. Zu Spitzenzeiten befanden sich 2.600 Teilnehmer im LAN und WLAN.

Als Konsequenz aus den WLAN-Problemen griffen viele Hacker zum UMTS-Stick oder zur UMTS-Karte. Selbst hier gab es, vor allem bei den Abschlussveranstaltungen wie den Security Nightmares teilweise Engpässe. Die Einwahl über das UMTS-Netz war nicht stabil. Ein Herunterschalten auf GPRS brachte hingegen eine schnellere und vor allem stabile Verbindung. Diese Erfahrungen dürften aber je nach Netzbetreiber unterschiedlich gewesen sein.

Ausverkaufter Kongress

Der Kongress war ausverkauft. Wer nicht am Samstag vor dem Start des Kongresses bis nach Mitternacht angestanden hatte, konnte am folgenden Vormittag nur noch einige wenige Dauertickets ergattern. Selbst Tagestickets waren schnell weg, so dass der Chaos Computer Club einige Interessenten abweisen musste.

Immerhin kamen die Käufer von Tagestickets der ersten drei Tage am vierten Tag kostenlos(öffnet im neuen Fenster) in den Kongress. Im kommenden Jahr sollen die Hackerräume auch außerhalb Berlins weitergenutzt werden und auch beim Ticketverkauf soll sich vermutlich etwas ändern. Denn mehr Menschen passen nicht ins BCC. Genaue Zahlen wurden noch nicht genannt, doch es waren vermutlich deutlich mehr als 3.000 Teilnehmer anwesend. Entsprechend war auch bei Twitter viel los. Wer das Geschehen verfolgen wollte und nach #26C3(öffnet im neuen Fenster) suchte, konnte sich aufgrund der Masse von twitternden Hackern und Interessierten auf nichts anderes mehr konzentrieren.

Die Veranstalter zogen insgesamt eine positive Bilanz. Der Kongress bot ein sehr breites Spektrum an Informationen und Themen. Interessant war das DNS-Projekt des Mogis-Vertreters (Missbrauchsopfer gegen Internetsperren) Christian Bahls. Aus der Debatte hat sich ein Projekt entwickelt, das in einiger Zeit veröffentlicht werden und Zensuransätze umgehen soll, indem DNS-Anfragen nicht an einen zentralen DNS-Server, sondern an eine Distributed Hash Table geschickt werden. Code wurde auch schon in den Iran geleitet, so Bahls. Einiges kann in den Vortragsfolien(öffnet im neuen Fenster) nachgelesen werden.

Außerdem mahnte Bahls, das Projekt White IT(öffnet im neuen Fenster) im Blick zu behalten. Bei dem Projekt des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres, Sport und Integration spielt Microsoft eine Rolle und es könnte eventuell für Überraschungen zur Cebit 2010 sorgen. Microsoft ist für die Gestaltung der Webseite mitverantwortlich und hat sich in der Vergangenheit für Internetsperren ausgesprochen .

Viele weitere Beiträge des 26C3 werden, wenn sie noch nicht hochgeladen worden sind, in den kommenden Tagen online bereitgestellt. Immerhin 25 GByte an Material befinden sich bereits auf den Servern des CCC(öffnet im neuen Fenster) oder werden per Bittorrent verteilt.


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