Frankreich kontert Googles Digitalisierungspläne
Nicht kleckern, sondern klotzen will Nicolas Sarkozy im Wettbewerb mit Google. Anfang der Woche verkündete der französische Präsident ambitionierte Pläne für ein eigenes, nationales Digitalisierungsprojekt. Dafür sollen im kommenden Jahr extra 750 Millionen aus einem Fond zur Förderung der Wirtschaft bereitgestellt werden. Das berichtet die französische Tageszeitung Le Monde(öffnet im neuen Fenster). Die Summe entspricht den Forderungen, die Kulturminister Frédéric Mitterrand erhoben hatte.
Das Geld soll an mehrere Dutzend Kultureinrichtungen fließen, um dort die "Numérisation" (Digitalisierung) der in den Archiven lagernden Kulturgüter zu unterstützen. Vom Geldsegen werden unter anderem die Nationalbibliothek (BNF), das Zentrale Filmarchiv (CNC), das nationale Archiv für Rundfunk und Fernsehen (INA) sowie die weltbekannten Museen Louvre und Centre George Pompidou profitieren. Noch im Januar soll das Geld freigegeben werden, so dass die Digitalisierung schon Ende Januar beginnen kann.
Das Ziel der Digitalisierungsanstrengungen ist es, im Rahmen von sogenannten Public-Private-Partnerschaften größere Teile von Archivgütern zu digitalisieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ohne Google direkt anzusprechen, warnte Sarkozy davor, das kulturelle Erbe des Landes durch "eine einzelne, große Firma" monopolisieren zu lassen, "ganz egal, wie freundlich, groß oder amerikanisch sie ist". Damit ist nicht ausgeschlossen, dass Google an dem Projekt beteiligt wird. Klar ist aber, dass sich die französische Regierung nicht die Bedingungen der Digitalisierung diktieren lassen will(öffnet im neuen Fenster).
In anderen europäischen Ländern gibt es bisher keine vergleichbaren Anstrengungen. Das von der EU-Kommission initiierte Projekt einer europäischen digitalen Bibliothek namens Europeana dümpelt eher vor sich hin als große Fahrt aufzunehmen. Der größte Teil der Dokumente in der Europeana stammt bereits jetzt aus Frankreich. Mit den zusätzlichen 750 Millionen Euro, die Nicolas Sarkozy jetzt investieren will, dürfte sich das Problem zusätzlich verschärfen.
Oder aber Frankreich steigt ganz aus der schwächelnden Europeana(öffnet im neuen Fenster) aus und baut ein eigenes Portal für den Zugang zu seinem digitalisierten kulturellen Erbe. Pläne für den Ausbau ihrer Website Gallica(öffnet im neuen Fenster) hat die französische Nationalbibliothek bereits vorgelegt. Zum heutigen Tag sind dort bereits fast 1 Million Werke zugänglich, die sich zum Teil – wie beispielsweise Baudelaires Die Blumen des Bösen – als E-Book herunterladen lassen. [von Robert A. Gehring]
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