Die Simpsons: 20 Jahre Do The Bartman

20 Jahre läuft die Zeichentrick-Serie Die Simpsons (The Simpsons) jetzt auf dem US-Fernsehsender Fox. Die gelbe Familie aus Springfield ist heute noch so jung wie 1989, als Homer und Marge Simpson mit ihren Kindern Bart, Lisa und Maggie erstmals im Serienformat auf den Bildschirmen flimmerten - damals meist im Röhrenfernseher.
Als die Simpsons begannen, die Welt zu erobern und sich sozialkritisch mit der Gesellschaft auseinandersetzten, ohne auf Humor zu verzichten, gab es noch kaum Computer und an etwas anderes als Röhrenfernseher dachte damals kaum einer. Der ein oder andere Simpsons-Fan wird möglicherweise noch in den Windeln gelegen haben.
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| Video: Bart Simpson und sein Vater Homer |
Die Simpsons sind damit die bisher am längsten laufende Zeichentrickserie des US-Fernsehsenders Fox. Mit der Zeit prägten die Simpsons die Gesellschaft. Ausbrüche wie "D'oh" oder das scharfe "Nein!" als deutsches Äquivalent sind in der Sprache ebenso üblich geworden wie ein fieses Nelson-"Ha-Ha", das den Benutzer als Simpsons-Gucker outet.
Simpsons und Fox
Als die Simpsons 1989 beim konservativen Fernsehsender Fox anliefen, wusste das Sendermanagement vermutlich nicht, was es da erwartete. Denn die Simpsons sind alles andere als konservativ. Allen voran spricht Lisa unangenehme Themen an, die so gar nicht in das Bild des Senders passen: kritischer Umgang mit der Gesellschaft, Umweltthemen und natürlich auch Widerspruch zu politischen Entscheidungen.
Mittlerweile haben die Simpsons einen so wichtigen Sendeplatz im Programm von Fox, dass sie es sich sogar erlauben können, Fox selbst anzugreifen. Berühmt geworden sind diverse Angriffe gegen die berüchtigte und wenig objektive Berichterstattung von Fox Broadcasting(öffnet im neuen Fenster) . Besonders heftig war die Auseinandersetzung zwischen Groening und Fox in der Episode Krusty im Kongress(öffnet im neuen Fenster) (Mr. Spritz Goes to Washington). Die köstlichen Auszüge gibt es auf snpp.com(öffnet im neuen Fenster) unter dem Produktionseintrag EABF09. Bei aller Härte driften die Simpsons allerdings nie in so grenzwertigen Humor ab, wie die anderen drei großen Comicserien von Fox (Family Guy, American Dad, The Cleveland Show, alle aus der Feder von Seth MacFarlane).
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| Video: Die Simpsons und die globale Erderwärmung |
Das zu beurteilen ist natürlich immer Sache des Betrachters. Für konservative Zuschauer in den USA mag der Inhalt der Simpsons trotzdem anstößig sein. Und ob ein strenger Veganer " Ultra-Vegan Invisible Cheese(öffnet im neuen Fenster) " ebenso lustig findet wie ein Fleischesser?
Synchronisationsschwächen und Detailverliebtheit
Vieles, was die Simpsons ausmacht, erschließt sich nur mit einer Portion Hintergrundwissen und Lebenserfahrung. Denn wer den Coen-Film O Brother, Where Art Thou nicht kennt, wird mit dem Titel der aktuellen Folge Oh Brother Where Bart Thou nichts anfangen können. Daher lohnt es sich bei den Simpsons, die fast 450 Folgen und auch den Kinofilm mehrfach anzuschauen. Matt Groening und sein Team verstecken immer wieder Anspielungen und Gags. Vieles ist für Europäer ohne ausgeprägte Kenntnis der amerikanischen Subkultur schlichtweg unverständlich. Manchmal dauert es auch nur ein bisschen und ein Witz erschließt sich ein paar Jahre später.
Was viele nicht wissen: Im Original sprechen nur wenige Synchronsprecher die Serie ein. Manche von ihnen übernehmen regulär mehr als ein Dutzend Rollen. Die Stimme von Homer Simpson (Dan Castellaneta) spricht etwa auch Krusty ein, den schottischen Hausmeister Willie, den Bürgermeister und Abraham Simpson. Selbst geübte Ohren können nicht jeden Charakter dem Synchronsprecher zuordnen und wundern sich über das umfassende Können, das einen guten Synchronsprecher ausmacht. Weitere Beispiele: Nancy Cartwright, eine Frau, spricht die männlichen Charaktere Bart, Nelson und Ralph ein. Hank Azaria spricht unter anderem Moe, Apu und den Comic Book Guy. Azaria ist zudem für zahlreiche Kleinstrollen verantwortlich.
In der deutschen Synchronisation braucht es dafür mehr als zehn Synchronsprecher, was auch an der langen Laufzeit der Serie liegt. Die Hauptrollen sind alle mit guten Synchronsprechern belegt, allerdings sind manche deutsche Synchronsprecher mittlerweile verstorben. Darunter Elisabeth Volkmann(öffnet im neuen Fenster) , die Marge Simpson 15 Jahre lang ihre Stimme lieh. Sie übernahm auch die Stimmen von Marges Schwestern Selma und Patty Bouvier.
Dieses schwere Erbe der Stimme von Marge Simpson übernahm 2007 Anke Engelke, deren Stimme näher am Original ist. Für Zuschauer, die die Serie nur in deutscher Sprache kennen, war das ungewohnt und es hagelte Kritik.
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| Video: Prosieben-Trailer zu den Simpsons mit Anke Engelke als Marge Simpson |
Dabei sind in der deutschen Version nicht die Sprecher das Problem, sondern grobe Fehler in der Übersetzung. Berühmt geworden sind Patzer in der Synchronisation wie etwa die Bezeichnung des Pen-&-Paper-Rollenspiels als Kerker und Drachen - statt Dungeons & Dragons.
Diese Fehler unterliefen auch, weil das deutsche Synchronteam um Ivar Combrinck mit technischen Themen weniger vertraut war als die US-Schreiber um Matt Groening. Auch die deutsche Synchronisation von Futurama, einer weiteren Zeichentrickserie von Groening, litt erheblich unter dem Mangel an technischem Verständnis.
Dafür stecken die Simpsons-Fans umso mehr im Thema und regen sich über jeden Fehler ausführlich auf. Bei kaum einer anderen Serie gibt eine solche Fangemeinde, die auf korrekter Synchronisation besteht. Eine Herausforderung für das Synchronteam, die die Wochenzeitung Die Zeit im Jahr 2001 anschaulich beschrieben hat(öffnet im neuen Fenster) .
Viele deutsche Fans sind allerdings irgendwann einfach auf die englischsprachigen Folgen umgestiegen - dank des mehrsprachigen Mediums DVD kein Problem. So bekommen sie auch die vielen Gaststars im Original mit: Zahlreiche Persönlichkeiten wollten es sich nicht nehmen lassen, als Charakter oder Sprecher bei den Simpsons aufzutreten(öffnet im neuen Fenster) : Seriendarsteller, Sportler, Musiker und Filmstars wie Tom Hanks(öffnet im neuen Fenster) , der im Simpsons-Film sich selbst spielte, und Jodie Foster(öffnet im neuen Fenster) , die Maggie Simpson für eine einzelne Folge ihre Stimme lieh. Sogar der Astrophysiker Stephen Hawking(öffnet im neuen Fenster) spielte in bislang drei Folgen der Serie mit.
Die Simpsons und der technische Fortschritt
Als die Simpsons vor 20 Jahren erstmals in Serienform gezeigt wurden, erschienen sie in einem aus heutiger Sicht hässlichen oder zumindest gewöhnungsbedürftigen Zeichenstil. Es war die VHS-Zeit, Bandsalat war jedem ein Begriff, Computer hatten nur Freaks und Wissen schlug man noch in Lexika nach.
In der folgenden technischen Entwicklung haben die Simpsons dann zunächst zahlreiche Computer- und Videospiele geprägt, meist allerdings mit mittelmäßigen Titeln wie Die Simpsons - Das Spiel oder Simpsons Road Rage . Die Xbox 360 war sogar limitiert als gelbes Modell mit Homer-Kopf zu haben.
Die Simpsons als Familie machte auch dieselbe Entwicklung mit wie die Zuschauer: Sie entdeckten, anfangs sehr zögerlich, Computer. Eine Liste aller Begegnungen der Simpsons mit Computern(öffnet im neuen Fenster) gibt Aufschluss darüber. So hatte Ned Flanders bereits in der dritten Staffel, also zu Beginn der 1990er Jahre, Zugriff auf einen Linkshänder-Computer. Später, mit dem Auftauchen von Bill Gates(öffnet im neuen Fenster) als Charakter in der Serie - nicht jedoch als Synchronsprecher -, begann auch bei den Simpsons das Zeitalter der Übernahme von Internetfirmen.
Auch Apple wurde Ziel eines sehr humorvollen Angriffs der Simpsons. In der Folge " Mypods und Boomsticks ", eine Anspielung auf die iPods und das in den Keynotes von Steve Jobs ständig zu hörende "Boom" , wird der Konzern aus Cupertino gehörig auf die Schippe genommen. Im Deutschen heißt die Folge übrigens lapidar "Bin runterladen". Hier haben die Übersetzer gehörig danebengegriffen. Wortspiele gehen in der Übersetzung naturgemäß häufig verloren, aber zumindest die Mypods hätte Prosieben herüberretten können.
Die 20. Staffel, die derzeit in Deutschland läuft, war schließlich Anlass, den Simpsons in den USA ein neues Format zu geben. Das Bildformat wurde auf 16:9 verbreitert und mit hoher Auflösung angeboten. Das bringt zwar bei Zeichentrick nicht so viel wie beim Spielfilm - aus Homers zwei Haaren werden deswegen nicht zwei Haare und viele kleine Resthaare -, es sieht aber trotzdem besser aus als SD-Material.
Dazu passend gab es auch einen neuen, extralangen Vorspann.
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| Video: Neuer Vorspann, neuer Couchgag und neues Bildformat - Die Simpsons in HD |
Homer Simpson goes HD
In den USA strahlt Fox die Simpsons bereits seit Februar 2009 in HD aus . In Deutschland ist es noch nicht so weit. Die Simpsons in HD kann es bei einem Fernsehsender wie Prosieben erst geben, wenn er auch in HD ausstrahlt. Das soll ab Januar 2010 der Fall sein. Ob auch die Simpsons in HD ausgestrahlt werden, ist unklar.
Mittlerweile gibt es mehr als die Hälfte der Staffeln auf DVD und einen Kinofilm auf Blu-ray. Wer die Serie kaufen will, der findet derzeit noch eine sehr große Lücke zwischen der Staffel 12 und der Staffel 20 in Deutschland und Staffel 21 in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die 20. Staffel wird es zum Jubiläum auf Blu-ray-Disc geben. Sie ist für Mitte Januar 2010 zunächst nur für die USA angekündigt(öffnet im neuen Fenster) . Wegen regionaler Beschränkungen, die Fox der Disc möglicherweise auferlegen wird, lohnt sich der Import nur, wenn der eigene Blu-ray-Player BD-Importe abspielen kann.
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| Video: In den USA gibt es sogar Briefmarken zum Jubiläum |
Die in den USA derzeit laufende 21. Staffel gibt es digital etwa als Download im US-iTunes-Store. Voraussetzung ist eine Guthabenkarte aus den USA, damit klappt der Download auch aus Deutschland. Für knapp 3 US-Dollar gibt es die aktuelle Folge Oh Brother Where Bart Thou sowohl in HD- als auch in SD-Qualität. Der Download dauert allerdings einige Zeit, denn es werden stolze 667 plus 289 MByte heruntergeladen.
Im deutschen iTunes-Store tut sich noch nichts und eine Ankündigung eines Geburtstagspakets in Form der Blu-ray-Staffel ist ebenfalls nicht auszumachen. Weder auf der wenig gepflegten Webseite von Prosieben(öffnet im neuen Fenster) , noch auf der Webseite von Fox Home Entertainment(öffnet im neuen Fenster) .
Wer sich ausführlich über die Simpsons informieren möchte oder in den letzten 20 Jahren keinen Fernseher eingeschaltet hat, dem seien die zahlreichen Wikipedia-Einträge in Deutsch(öffnet im neuen Fenster) und Englisch(öffnet im neuen Fenster) empfohlen. Sie decken wirklich jeden Winkel der Serie ab und es ist gut zu erkennen, dass auch Fans an den Artikeln mitarbeiten. Dazu passt, dass die Wikipedia ihre Artikel des Tages den Simpsons widmet. Noch mehr Informationen gibt es auf Fanseiten, wie etwa dem Simpsons-Archive(öffnet im neuen Fenster)
Auf weitere 20 Jahre: Lisa - Put the Saxophon away(öffnet im neuen Fenster)



