Durchblick im Linux-Dschungel

Die Entscheidung für eine Linux-Distribution fällt schwer, denn mittlerweile tummeln sich unzählige Varianten im Internet und Anwender haben reichlich Auswahl. Die Modularität des Systems samt dazugehöriger Software erlaubt es, eine fast individuelle Linux-Distribution zusammenzustellen.
Auswahlkriterium Hardware: Auf die Treiber kommt es an
Linux baut stets auf quelloffener Software auf. Das sollte auch für Treiber gelten, die Hersteller für Linux zur Verfügung stellen. Über die Jahre hinweg hat sich die Zusammenarbeit zwischen der Linux-Gemeinde und den Hardwareherstellern verbessert. Dafür hat unter anderem das Linux Driver Project gesorgt, das in den vergangenen zwei Jahren eine Reihe von neuen Treibern für Linux im Auftrag von Firmen entwickelt hat.
Doch die Hardwareperipherie ist immer noch des Anwenders größtes Sorgenkind, wenn es um Geräte für einen Linux-Rechner geht. Denn oft vergehen Wochen oder Monate, bis ein Treiber von einem findigen Entwickler nachgebaut wird. Vorhandene Hardware sollte deshalb mit einer Live-CD getestet werden. Allerdings fehlt auch den Live-CDs mitunter sogenannte Firmware, also proprietäre Code-Schnipsel, die der quelloffene Treiber zum Ansprechen eines Geräts benötigt. Das gilt vor allem für WLAN-Adapter, TV-Karten oder Scanner. Vor einem Kauf empfiehlt sich also auch ein Blick auf die Erfahrungen anderer oder auf die Wiki-Seiten der Distributionsanbieter.
Auswahlkriterium Desktop: Das System als Wohnzimmer
Die Arbeitsumgebung am Rechner soll für Wohlbefinden sorgen; hier bietet Linux schier endlose Möglichkeiten. Vom Desktop angefangen, wovon es bereits etliche gibt, bis hin zu dessen detaillierten Konfigurationsmöglichkeiten. Und jeder Desktop hat seinen eigenen Charme: Der Gnome-Desktop kommt zum Beispiel schlicht aber funktional daher, die neue, bunte KDE-Version bietet für verspielte Naturen alles, was das Herz begehrt.
Jenseits der großen Desktops gibt es noch ein wahres Biotop kleinerer Varianten: Der Enlightenment-Desktop beispielsweise bietet Animationen, die unter anderen Desktops mancher Grafikkarte zu viel Leistung abverlangen würden, und auch der verbreitete Xfce-Desktop beansprucht weder die Grafikkarte noch den Arbeitsspeicher übermäßig.
Auswahlkriterium Software: aktuell oder stabil?
Dann bleibt noch die Softwareauswahl. Manche Programme dienen nur einem bestimmten Zweck, andere bieten umfassende Unterstützung für einen ganzen Bereich. Manche Software dürfte auch Windows- oder oder Mac-OS-X-Nutzern bekannt sein, darunter die Bürosuite Openoffice.org, der Browser Firefox, der Mediaplayer VLC oder die Bildbearbeitung Gimp. Die meiste Software liegt bereits vorkompiliert in Repositories genannten Quellen, aus denen sie sich über Paketmanager oft mit einem Klick oder auf Wunsch per Kommandozeile installieren und aktualisieren lässt. Nur selten muss Software unter Linux heutzutage noch kompiliert werden.
Paketmanager halten das gesamte System auf dem aktuellen Stand und zeigen Detailinformationen an, auch wenn sich die Software auf verschiedene Quellen verteilt. Abhängigkeiten werden dabei aufgelöst, beispielsweise wenn ein Programm Bibliotheken gegebenenfalls in konkreten Versionen voraussetzt. Die grafischen Paketmanager nehmen dem Anwender sämtliche Installationsschritte ab, Linux-Wissen ist selten erforderlich. Und genauso schnell sind ungeliebte Programme auch wieder vom Rechner verschwunden.
Wahl ohne Qual
Anhand der genannten Kriterien – und einiger weiterer – haben wir unsere Auswahl getroffen. Eine erweiterte Übersicht über Linux-Distributionen bietet Distrowatch.com(öffnet im neuen Fenster) , das sich komplett diesem Thema widmet.
- Debian 5.0.3
- Fedora 12
- Opensuse 11.2
- Ubuntu 9.10
- Mandriva
- Gentoo
- Knoppix und Linux Mint
- Stresslinux, Deft Linux, Trinity Rescue Kit und SystemrescueCD
- Ubuntu Netbook Remix und Moblin
Debian 5.0.3
Debian hat den Ruf, lediglich als Server-Linux einsetzbar zu sein. Dem wird die Linux-Distribution zwar weiterhin gerecht, doch Debian lässt sich ebenso als Desktop-System verwenden. Debian wird von zahlreichen freiwilligen und unabhängigen Entwicklern gepflegt. Das Hauptaugenmerk liegt nach wie vor auf Stabilität. Debian ist weniger für Linux-Anfänger geeignet, dafür umso mehr für Opensource-Puristen, angehende oder erfahrene Administratoren oder Entwickler.
Die Installation mit dem textbasierten Installer erfordert einige wenige Linux-Kenntnisse, etwa in Bezug auf Netzwerkkonfiguration, Dateisysteme, Partitionsnomenklatur oder Paketmanagement. Der grafische Installer bietet die Installationsschritte auch für Mausbenutzer an.
Die Hardware-Unterstützung ist allerdings nicht immer aktuell. Wer Debian verwenden will, sollte sich zunächst informieren, welche Treiber die gegenwärtige Version anbietet und den Kauf der Hardware danach ausrichten. Proprietäre Treiber oder Codecs finden sich stets in den Softwarequellen von Drittanbietern, etwa bei www.debian-multimedia.org(öffnet im neuen Fenster) .
Debian glänzt in der stabilen Variante auch nicht immer mit aktuellen Software-Paketen im Standard-Repository stable. Die Software aus den Unstable- oder gar Experimental-Zweigen sind etwas aktueller, können aber zu einem inkonsistenten oder instabilen System führen. Der Softwarefundus ist allerdings mehr als üppig. Auch aus diesem Grund dient Debian als Basis für etliche weitere Distributionen, angefangen von Ubuntu über Knoppix bis hin zur Unstable-Variante Sidux.
Debian-Versionen werden lange gepflegt, auch weil sie als Serversysteme eingesetzt werden. Sicherheitsrelevante Patches werden meist zügig angeboten. Seit der Zusammenarbeit mit Ubuntu, aus dessen aktueller Distribution Software-Patches zurück in das Debian-Projekt fließen, hat sich der Erscheinungsrythmus der Linux-Distribution beschleunigt und die Aktualität der angebotenen Software hat zugenommen.
Upgrades sind meist ohne große Probleme möglich. Die Kommandozeilen-Paketmanager Apt oder Aptitude arbeiten in dieser Hinsicht äußerst zuverlässig. Aptitude bringt auch eine Ncurses-Oberfläche für das Terminal mit. Debian-Installationsmedien gibt es auf den Servern des Projekts(öffnet im neuen Fenster) , inzwischen bietet ein angeschlossenes Projekt Debian auch als Live-CD(öffnet im neuen Fenster) an.
Debian ist als Desktop-System für alle geeignet, die großen Wert auf funktionierende Software legen und dabei wenig brandneue oder exotische Hardware verwenden. Eine tiefgreifendere Konfiguration des Systems erfordert allerdings meist fortgeschrittene Linux-Kenntnisse. Als Standard-Desktop setzt Debian auf Gnome.
Fedora 12
Fedora richtet sich vornehmlich an versierte Linux-Anwender. Von der Installations-DVD ist die Linux-Distribution in wenigen Klicks installiert, bietet aber auch während der Installation zahlreiche Eingriffsmöglichkeiten. Ohne Zutun des Benutzers landet das System auf einer LVM-Partition. Auffällig sind die Software-Installationsoptionen: Hier bietet Fedora gleich eine vollständige Entwicklungsumgebung und einen Webserver an.
Auch nach der Installation macht Fedora den Eindruck einer professionellen Workstation, der Desktop ist in Gnome-Manier schlicht gehalten. Eine zentrale Konfigurationsverwaltung fehlt, einzelne Tools übernehmen die Eingriffsmöglichkeiten. Fedora setzt als freier Red-Hat-Abkömmling auf eine RPM-basierte Softwareverwaltung.
Bei der Installation spielt Fedora zwar bereits zahlreiche Software-Pakete ein – etwa für das Abspielen von Multimediadateien -, allerdings fehlen proprietäre Codecs oder Treiber. Diese können nachträglich über externe Repositories nachinstalliert werden, eine Liste findet sich im Internet(öffnet im neuen Fenster) . Fedora wagt sich in der Entwicklung stets weit vor. In der aktuellen Version sind Virtualisieriungsfunktionen enthalten, die es bei anderen Distributionen noch nicht gibt. Fedora setzt komplett auf freie Software, dem Anwender ist es überlassen, aus inoffiziellen Repositories proprietäre Software nachzuinstallieren.
Einzelne Releases werden etwa ein Jahr lang gepflegt. Ein Update auf die aktuelle Version ist nicht einfach, eine Wiki-Seite gibt eine Anleitung(öffnet im neuen Fenster) dazu. Neben den offiziellen Fedora-Distributionen, gibt es auch etliche, sogenannte Spins(öffnet im neuen Fenster) , die auf Fedora-Basis andere Desktops mitbringen, etwa eine Variante mit dem LXDE-Desktop. Auch Fedora ist regelrecht für den Einsatz als Server prädestiniert. Sämtliche Software, die für den Serverbetrieb notwendig ist, liegt bereits auf der DVD bei.
Fedora ist stets auf dem aktuellen Stand und bringt oft Funktionen mit, die andere Distributionen noch nicht eingebaut haben. Als Desktop-System ist Fedora bei Entwicklern und Systemadministratoren aber auch Desktop-Benutzern vor allem wegen seiner Stabilität sehr beliebt. Unter Fedora ist der Desktop Gnome die erste Wahl.
Opensuse 11.2
Opensuse wagt weiterhin den Spagat zwischen einem Einsteiger- und einem Profisystem. Die Distribution wird beiden aber weitgehend gerecht. Die Installation von der DVD ist inzwischen umfassend automatisiert, bietet aber dennoch zahlreiche Optionen für Fortgeschrittene. Die Installation von den angebotenen Live-CDs ist in wenigen Schritten erledigt.
Nach der Installation macht es die Konfigurationssoftware Yast auch Einsteigern leicht, komplexe Server-Dienste in den Griff zu bekommen. Yast bietet diverse grafische Frontends für die Einrichtung von DNS, E-Mail oder anderen Serverdiensten. Die Softwareverwaltung unter Opensuse wird ebenfalls über Yast konfiguriert. Die Paketverwaltung übernimmt der Red Hat Packet Manager, Softwarepakete liegen im RPM-Format vor.
Opensuse hat ein eigenes Repository für unfreie Programme; der Boxed Version liegt eine CD mit proprietärer oder kostenpflichtiger Software bei. Für proprietäre Treiber bietet Opensuse ebenfalls Repositories an, die dank dem entsprechenden Yast-Modul leicht einzurichten sind. Mit weiteren Software-Quellen, etwa Packman für Multimedia-Pakete(öffnet im neuen Fenster) , lässt sich Opensuse zu ziemlich jedem Zweck ausbauen – zur Multimedia-Kiste oder zum Internetserver.
Auch unter Opensuse ist die Hardware-Unterstützung hervorragend, nicht zuletzt wegen des Treiber-Angebots aus dem Internet und des stets aktuellen Kernels. Updates, vor allem Sicherheitspatches, erreichen den Anwender zügig. Die Update-Konfiguration erfolgt ebenfalls über Yast. Jede Versionsveröffentlichung wird über zwei Jahre hinweg mit Updates versorgt. Ein Upgrade ist zwar möglich und wird seit Version 11.2 sogar über die Kommandozeile mit dem Paketmanager Zypper angeboten, allerdings hängt der Erfolg unter anderem davon ab, wie viele Softwarepakete über Dritt-Repositories eingespielt worden sind.
Opensuse gibt es in mehreren Varianten zum Download(öffnet im neuen Fenster) . Eine Version mit Gnome-Desktop und eine mit KDE-Desktop liegen als Live-CDs vor, die DVD-Version enthält Pakete für beide Desktops, auch der Xfce-Desktop steht dort zur Verfügung. Opensuse lässt sich schnell und einfach in einen Server verwandeln. Für die Verwaltung gibt es Yast auch als Ncurses-Variante für die Konsole, was Einsteigern die Arbeit enorm erleichtert.
Opensuse macht es Einsteigern leicht mit Linux klarzukommen, nicht zuletzt wegen des grafischen Konfigurationswerkzeugs Yast. Unausgereifte Innovationsschübe trüben die Begeisterung über manche Versionen zwar, die aktuelle Version 11.2 macht aber einen ausgereiften Eindruck. Gegenwärtig bietet Opensuse KDE SC als erste Desktop-Wahl an, auf der Installations-DVD stehen aber auch Gnome und XFCE zur Verfügung.
Ubuntu 9.10
Das Desktop-System Ubuntu bietet auf einer Installations-CD bereits einen kompletten Desktop samt Bürosoftware, Internet-Anwendungen und Multimedia-Programmen. Die Installation ist bewusst einfach gehalten, Benutzer müssen sich nicht zwangsläufig mit Linux auskennen, um Ubuntu auch parallel zu Windows zu installieren und danach sofort mit dem System zu arbeiten. In sieben Schritten werden die wichtigsten Informationen abgefragt. Das System landet danach in wenigen Minuten auf der Festplatte.
Neben den Einstellungen, die die Gnome- oder wahlweise KDE-eigene Systemsteuerung bietet, bringt Ubuntu selbst einige wenige Konfigurationswerkzeuge mit, die vor allem auf Desktop-Benutzer ausgerichtet sind. Freigaben für Windows-Rechner etwa sind über ein entsprechendes Applet schnell eingerichtet. Für Serverapplikationen, etwa DNS- oder erweiterte Samba-Einstellungen, bietet Ubuntu indes keine grafischen Frontends. Administratoren bleibt lediglich die Bearbeitung von Konfigurationsdateien mit dem Texteditor.
Ubuntu verwendet das unabhängige Debian-Projekt als Basis, bietet aber beispielsweise eine integrierte Unterstützung für Hardware, die proprietäre Treiber benötigt. Ein Assistent spürt die entsprechende Hardware auf und bietet die Installation fehlender Treiber beispielsweise für die vollständige 3D-Unterstützung von Grafikkarten mit Nvidia oder AMD/ATI-Chipsatz an, sowie fehlende Firmware für Netzwerk oder WLAN-Karten. Generell ist die Hardware-Unterstützung unter Ubuntu dank stets aktuellem Kernel vorbildlich und einsteigerfreundlich.
Ubuntu bringt eine ausgereifte Update-Funktion mit. Ist eine neue Version der Distribution erschienen, meldet sich eine entsprechende Software zu Wort und schlägt eine Systemaktualisierung über das Internet auf die nächsthöhere Version vor. Über den Supportzyklus hinweg bietet Canonical recht zügig Updates für das System an, die vor allem Sicherheitspatches aber auch Reparaturen mitbringen. Die regelmäßigen Long-Term-Support (LTS) Versionen werden drei Jahre lang gepflegt, so dass Versionsupdates nicht vonnöten sind. Alle anderen Varianten werden 18 Monate lang gepäppelt.
Das ursprüngliche Ubuntu(öffnet im neuen Fenster) gibt es in mehreren Varianten: Der Abkömmling Kubuntu(öffnet im neuen Fenster) verwendet statt Gnome den KDE-Desktop, während Xubuntu(öffnet im neuen Fenster) den flinken XFCE-Desktop mitbringt. Zusätzlich bietet Canonical noch den Ubuntu Netbook Remix(öffnet im neuen Fenster) für Netbooks, Ubuntu Studio(öffnet im neuen Fenster) für Audio-, Grafik- und Videobearbeitung sowie Mythbuntu(öffnet im neuen Fenster) mit MythTV als Home Theatre Variante.
Ubuntu liegt auch als kostenlose Serverversion vor, die mit dem sogenannten Long Term Support (LTS) fünf Jahre lang gewartet wird. Die letzte Serverversion erschien im April 2008, die nächste ist für das Frühjahr 2010 als Version 10.04 geplant.
Ubuntu ist ein Plug-and-Play-System. Einsteiger haben in wenigen Minuten und ohne großes Zutun ein funktionierendes System samt Desktop-Software installiert. Assistenten nehmen dem Benutzer oftmals die Nachinstallation benötigter Software ab. Eine aktive Gemeinde hilft bei Problemen in deutsch- und englischsprachigen Wikis.
Mandriva 2010.0
Die Linux-Distribution Mandriva aus Frankreich bietet seit jeher eine ausgezeichnete Hardware-Unterstützung. Proprietäre Treiber samt Firmware werden auch auf der kostenlosen Installations-CD Mandriva One mitgeliefert, die es in einer Gnome- und KDE-Version zum Download gibt. Mandriva bringt parallel dazu eine Variante heraus, die nur aus freier Software besteht. Die Installation von der Live-CD ist ähnlich einsteigerfreundlich und überschaubar wie die unter Ubuntu.
Mandriva hatte eine Weile die Red-Hat-Distribution als Vorbild, war aber bald eigene Wege gegangen. Übrig geblieben ist die Paketverwaltung, die auf dem Red Hat Packet (RPM) Manager basiert. Allerdings haben Mandrake-Entwickler die RPM-Basis erweitert und automatisiert. Daraus entstand das gegenwärtig genutzte Urpmi-Format. Die gut gefüllten Repositories sind nach Debian-Vorbild in drei Zweige aufgeteilt, den Hauptzweig main, einen Nebenzweig contrib und den proprietären Zweig non-free.
Die aus Mandrake und Connectiva entstandene Linux-Distribution ist durchaus auch für fortgeschrittene und professionelle Anwender geeignet, bringt jede Menge Software in Repositories und mit den Drak-Tools auch eine umfangreiche Systemsteuerung mit etlichen Konfigurationswerkzeugen. Die aktuelle Version 2010 ist als Live-CD über die Mandriva-Webseite zum Download(öffnet im neuen Fenster) verfügbar.
Mandrivas Enterprise Server ist kostenpflichtig und wird fünf Jahre lang mit Updates versorgt. Die einfachste Variante mit einjährigem Support kostet 300 Euro. Die freie Variante lässt sich mit einigen Klimmzügen zu einem Server ausbauen.
Gentoo
Einen komplett anderen Ansatz bietet Gentoo-Linux, das sich eher an versierte Linux-Benutzer wendet. Gentoo wird in der Standard-Installation komplett aus dem Quellcode übersetzt. Dabei kann der Anwender zwar weitgehend eingreifen, benötigt allerdings auch grundlegende Kenntnisse über den Aufbau und die Funktion eines Linux-Systems.
Aus dem Quellcode wird ein System generiert, das fast komplett auf die jeweilige Hardware zugeschnitten ist. Dabei spielen sowohl Systemarchitektur als auch Hardware-Treiber unter Umständen eine Rolle, was die Konfiguration im Nachhinein angeschlossener Hardware erschweren kann. Dementsprechend kann die Installation mehrere Tage dauern. Software wird auf gleiche Weise nachinstalliert. Dafür ist der Paketmanager Portage zuständig, der die Quelldateien aus dem Internet holt, auf das entsprechende System übersetzt und die Binärpakete installiert.
Der Vorteil der Kompilierung besteht darin, dass keine Upgrades nötig sind. Durch die immerwährende Aktualisierung bleibt auch das System nach einmaliger Installation immer auf dem aktuellen Stand. Allerdings bringt Gentoo Pakete nicht nur im Quellcode mit: Wer auf einen eigenen Kernel verzichten kann und mit einer generischen Version zufrieden ist, dem stellt der Installer eine solche bereit.
Pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum ist vor wenigen Wochen eine offizielle Live-CD von Gentoo(öffnet im neuen Fenster) erschienen. Die Installations-CDs(öffnet im neuen Fenster) tragen je nach Aktualität Versionsnummern.
Andere Entwickler haben darüber hinaus noch Live-CDs auf Basis von Gentoo zusammengestellt. Allen voran sei hier die Multimedia-Distribution Sabayon(öffnet im neuen Fenster) erwähnt.
Noch mehr Linux
Live-Systeme, Umbauten, Rettungs-CDs oder Sicherheitsprüfer – Linux lässt sich für fast jeden denkbaren Einsatz zusammenstellen. Ein Einblick in die Einsatzmöglichkeiten des freien Betriebssystems:
Live-CD: Knoppix 6.2
Klaus Knopper wollte ein Linux-System zu Anschauungszwecken, fand kein geeignetes und baute sich einfach selber eines. Daraus entstand die allererste Linux-Distribution, die direkt von einem optischen Datenträger startet. Die Vorteile einer solchen Distribution sind vielfältig. Vornehmlich dient Knoppix zum Ausprobieren von Linux. Dazu hat Knopper das eigentlich 2 GByte große System, gespickt mit Software und dem KDE-Desktop, auf CD-Größe komprimiert.
Als portables System, das auch das Speichern von persönlichen Daten und Einstellungen auf einem USB-Stick erlaubt, kann Knoppix an einem beliebigen Rechner mit gewohnter Arbeitsumgebung gestartet werden. Diese Eigenschaft dient dann auch dem administrativen Zweck der Datenrettung, selbst Windows-Installationen können unter Knoppix transparent gemacht werden. Knoppix erscheint meist(öffnet im neuen Fenster) nur zweimal im Jahr mit aktueller Software.
Ubuntu-Derivat: Linux Mint 8
Von allen Ubuntu-Varianten ist Linux Mint(öffnet im neuen Fenster) laut Bestenliste auf dem Informationsportal für Linux-Distributionen Distrowatch(öffnet im neuen Fenster) eine der beliebtesten. Als Desktop setzt Mint Gnome ein, allerdings haben die Entwickler zahlreiche Anpassungen eingepflegt. Das Startmenü ist an das aus der Opensuse-Distribution angelehnt und bringt eine eingebaute Suchfunktion mit. Zahlreiche eigene Skripts erlauben erweiterte Konfigurationsmöglichkeiten.
Linux Mint pflegt seine eigenen Repositories, in denen Software auf dem aktuellen Stand bleibt. Zusätzlich greift Mint aber auch auf die Ubuntu-Repositories zu. Die Installations-CD bringt von Haus aus auch proprietäre Treiber und Codecs mit. Die meisten Audio- und Video-Dateien kann Mint ohne zusätzliches Eingreifen sofort abspielen, was vor allem Linux-Einsteigern zugute kommt. Der Erscheinungszyklus von Linux Mint richtet sich nach dessen Vorbild Ubuntu, meist mit nur wenigen Tagen Verzögerung. Wie Ubuntu bietet auch Mint eine aktuelle und eine LTS-Variante(öffnet im neuen Fenster) , die gegenwärtig die Versionsnummer 5 trägt.
Für Forensiker: Stresslinux 0.4.136 und Deft Linux 5.x
Stresslinux(öffnet im neuen Fenster) basiert auf der aktuellen Opensuse 11.2 Distribution und bringt zahlreiche Kommandozeilen-Tools mit, die die Hardware auf Herz und Nieren prüfen. Die Distribution besitzt keine grafische Bedienoberfläche, nach dem Start erscheint ein Hilfetext zur weiteren Verwendung. Der Entwickler hat den Start zahlreicher Anwendungen in einem Skript zusammengefasst, das Prozessor, Festplatten oder Netzwerkkarte einem intensiven Test unterzieht und die Ergebnisse auswertet.
Deft Linux(öffnet im neuen Fenster) ist eine Distribution aus Italien, die sich vor allem darauf spezialisiert hat, einen Rechner oder ein Netzwerk auf mögliche Sicherheitslücken zu untersuchen. Dabei kommen Werkzeuge wie Sleuthkit zum Einsatz. Auch Prüfprogramme für die Sicherheit von Drahtlosnetzwerken sind in der Distribution enthalten. Der genügsame LXDE-Desktop sorgt für die grafische Oberfläche.
Rettungssysteme: Trinity Rescue Kit 3.3 und SystemrescueCD 1.3.3
Rettungssysteme unter Linux gibt es reichlich, Trinity Rescue Kit(öffnet im neuen Fenster) gehört sicherlich zu den besten, zumindest wenn es darum geht, Daten von einer sterbenden Windows-Maschine zu retten. Zahlreiche Skripts erleichtern das Einrichten von Samba/CIFS-Freigaben für Zugriffe über das Netzwerk. Der brauchbare Virenscanner ClamAV ist integriert. Ebenfalls sind zahlreiche Programme dabei, um gelöschte Daten wieder herzustellen.
SystemrescueCD(öffnet im neuen Fenster) wird monatlich aktualisiert. Die Gentoo-Basis sorgt für stets aktuelle Hardware-Unterstützung. Auf der Live-CD stehen mehrere Linux-Kernel zur Auswahl, unter anderem für die 32- und 64-Bit Plattformen. Damit lässt sich fast jeder Rechner starten und wenn nötig auch bei Nicht-Gentoo-Systemen in die Chroot-Umgebung wechseln.
Linux für Netbooks: Ubuntu Netbook Remix 9.10 und Moblin 2.1
Ubuntu Netbook Remix (UNR) bringt die gewohnt stabile und erweiterbare Ubuntu-Umgebung auch auf Netbooks. Die Ubuntu-Variante hat einen speziell für die niedrigere Auflösung angepassten Gnome-Desktop dabei. Auch Kernel und Module wurden so ausgewählt, dass die Notebook-Zwerge ohne Zutun des Anwenders funktionieren. UNR wird offiziell von Canonical unterstützt und liegt als USB-Image auf den Webservern und Mirrors(öffnet im neuen Fenster) des Ubuntu-Anbieters Canonical bereit.
Das von Intel gegründete Moblin-Projekt(öffnet im neuen Fenster) entstand 2007 und wird heute von der Linux-Foundation weitergeführt. Es entwickelt eine Distribution speziell für Netbooks und MIDs (Mobile Internet Devices) sowie dazu gegebenenfalls notwendige Komponenten, auf die auch andere Distributionen zurückgreifen. Dabei stehen schnelle Bootzeiten und hervorragende Hardware-Unterstützung für Intels auf Atom basierende Plattformen im Vordergrund. Der integrierte Browser, der aus dem Mozilla-Projekt entstand, bringt gleich einen integrierten Flash-Player mit. Ebenfalls mit dabei: Etliche Codecs für das Abspielen von Multimedia-Daten.
Wider die starren Systeme
Die Vielzahl der Linux-Distributionen sind zwar kompliziert zu durchschauen, doch für den Anwender sind genau diese Vielfalt und Flexibilität entscheidende Vorteile. Denn er muss sich nicht mit einem starren System herumärgern, sondern kann sich sein System mit Linux nach eigenem Gusto gestalten.
Das wichtigste Auswahlkriterium ist dabei gegenwärtig, ob eine Linux-Distribution auch mit der Hardware-Peripherie klarkommt. Hier punktet Ubuntu und dessen Derivat Linux Mint vor allen anderen, denn die Distributionen machen es auch Einsteigern leicht, Treiber nachzurüsten. Wer unter Linux Software entwickeln will, sollte sich Fedora ansehen, Opensource Puristen und Anwender, die ein stabiles System benötigen, sind mit Debian gut beraten. Opensuse und Mandriva bieten für Einsteiger und Fortgeschrittene gute Einsatzmöglichkeiten, dort ist der KDE-Desktop am besten integriert und die Konfigurationstools Yast respektive Mandriva Kontrollzentrum bieten angehenden Systemadminstratoren einen guten Einstiegspunkt.



