US-Verlage verzögern E-Book-Ausgaben
Während das Geschäft mit den E-Book-Readern blüht und sich Nutzer in den USA an den niedrigen Preisen für die digitalen Ausgaben aktueller Bücher erfreuen, bremsen einige Verlage. Sie befürchten, dass die günstigen E-Books das Geschäft mit den deutlichen teureren gebundenen Ausgaben beeinträchtigen.
E-Book mit Verspätung
Simon & Schuster, einer der größten Verlage in den USA, hat angekündigt, 35 Titel, die Anfang kommenden Jahres erscheinen, erst mit einer Verzögerung von vier Monaten als E-Book zu veröffentlichen. Der zur französischen Unternehmensgruppe Lagardère gehörende Verlag Hachette Book Group wolle ab Anfang 2010 die meisten Neuerscheinung erst nach drei bis vier Monaten als digitale Ausgabe auf den Markt bringen, berichtet das Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster).
Das sei eine Maßnahme, um das Geschäft zu retten, sagte Hachette-Chef David Young. "Ich kann nicht tatenlos zuschauen, wenn Werke von Autoren, die über Jahre aufgebaut wurden, zu Schnäppchenpreisen verramscht werden. Hier geht es um die Zukunft des Geschäfts."
Auch Carolyn Reidy ist überzeugt, dass der Erfolg der E-Books die Verkäufe von gebundenen Büchern kannibalisiert. Deshalb die gestaffelte Veröffentlichung. "Der richtige Platz für das E-Book ist zwischen den gebundenen und der Taschenbuchausgabe", sagte die Chefin von Simon & Schuster. Diese Entscheidung müsse jetzt getroffen werden, auch wenn das bestimmt viele Käufer enttäusche. Wenn erst einmal zu viele E-Book-Reader verkauft worden seien, sei es dafür zu spät.
E-Books zu günstig?
Die meisten digitalen Bücher kosten in den E-Book-Shops von Amazon und Barnes & Noble 10 US-Dollar. Für ein gebundenes Buch hingegen muss der Kunde mindestens 25 US-Dollar bezahlen. Im Sommer hatte deshalb bereits der US-Verlag Sourcebooks angekündigt, den im September erschienenen Fantasyroman "Bran Hambric: The Farfield Curse" des Autors Kaleb Nation erst ein halbes Jahr später als E-Book herauszubringen.
Kritiker bezweifeln jedoch den Erfolg der Verzögerung. Heutzutage sei es nicht mehr möglich, künstlich einen Mangel zu erzeugen, indem ein Verlag Inhalte in einer bestimmten Form eine Zeit lang zurückhalte und erst später zugänglich mache, sagte Eric Garland, Chef des US-Marktforschungsinstituts Big Champagne. Im schlimmsten Fall könnten Nutzer ein Buch abfotografieren und es illegal über das Internet verbreiten, wie im Fall des siebten Harry-Potter-Romans.
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