Test: Sony Vaio X - das dünne 1.500-Euro-Netbook

Nachdem Sony bereits mit dem Vaio P ein sehr außergewöhnliches Netbook vorgestellt hat, will der japanische Hersteller mit dem Vaio X erneut ein Netbook auf den Markt bringen, das sich vom Rest des Marktes absetzt. Während das längliche Vaio P ein sehr gewöhnungsbedürftiges und langsames Netbook war, orientiert sich das Vaio X vom Aussehen her an den üblichen Modellen und schafft es trotzdem, sich von der Konkurrenz deutlich abzuheben.
Das Vaio X ist sehr schick, sehr leicht und sehr dünn. Und zwar so dünn und leicht, dass es zwischen Zeitungsstapeln verschwinden und anschließend versehentlich in der Papiertonne landen kann. Dort gehört das Gerät aber gar nicht hin: nicht nur, weil es kein Altpapier ist, sondern auch wegen des fast schon absurden Preises von 1.500 Euro.
- Konstruktion und Ausstattung
- Leichtgewicht
- Software und weltweit drahtlos arbeiten
- Laufzeit und Benchmarks
- Fazit
Dieses Risiko würden für deutlich weniger Geld wahrscheinlich viele eingehen und sich dieses kleine technische Meisterwerk aus Kohlefaser und Aluminium kaufen. Denn das Vaio X bietet viel für das investierte Geld. Die Konstruktion ist ungewöhnlich und die gehobene Ausstattung findet sich nur bei sehr wenigen Netbooks auf dem Markt.
Das Vaio X verspricht, das ideale Netbook zu sein, das immer mitgenommen werden kann.
Konstruktion und Ausstattung
Das von Sony gestellte Testmuster des Vaio X hat die Modellnummer VPCX11S1E. Hinter der langen Bezeichnung verbirgt sich ein besonders dünnes Netbook, auch wenn Sony es lieber als Notebook kategorisieren würde. Es ist an der Front nur 14 mm und hinten inklusive der Standfüße knapp 16 mm dick. Die kleinen Standfüße lassen sich ausklappen; das ist wichtig für Anschlüsse, denn so mancher USB-Stick ist dicker als das Vaio X.
Auch die Kühlung profitiert von der 9 mm höheren Position. Für den Fall der Fälle hat Sony es aber geschafft, im dünnen Gehäuse auch noch einen Lüfter einzusetzen, der bei normaler Arbeit nicht läuft. Erst bei höherer Last springt der Lüfter an, denn das dünne Gehäuse kann die Wärme nicht effizient genug ableiten. Sony warnt mit einem Aufkleber sogar vor der heiß werdenden Unterseite.
Unter Last ist der Lüfter in einer Büroumgebung erträglich laut, nur in stiller Umgebung stört er.
Mit der dünnen Konstruktion geht ein geringer Tastenhub der Tastatur einher. Vor allem anfangs stört das beim Tippen. Die meisten Tasten sind mit 13 x 11,4 mm ausreichend dimensioniert, vor allem da durch die Chiclet-Tastatur(öffnet im neuen Fenster) noch einmal 3,9 mm Platz zwischen den Tasten ist. Gute Voraussetzungen, um auch schnell schreiben zu können. Die neben den Pfeiltasten liegende rechte Umschalttaste nervt allerdings, da häufig versehentlich die Cursor-Position verändert wird. Dafür gibt es aber zwei Fn-Tasten, was praktisch sein kann. Das Touchpad ist etwas klein geraten. Ein Teil der Fläche ist zudem für den Scrollbereich notwendig. Das Touchpad ist zwar multitouchtauglich, allerdings fehlt eine Scrollgeste, die mit mehreren Fingern ausgelöst werden kann.
Die Ausstattung des Netbooks ist reichlich. Bei den drahtlosen Schnittstellen ist fast alles vorhanden, was gebraucht wird. Zudem gibt es zwei USB-Anschlüsse auf der linken Seite und zwei Kartenleser für SD-Karten und Memory Sticks vorn. Rechts am Netbook findet sich sogar eine GBit-Ethernet-Buchse, die allerdings aufgeklappt werden muss; das Vaio X ist zu dünn für eine herkömmliche Buchse. Der VGA-Ausgang hat ähnliche Probleme, ein VGA-Kabel lässt sich nur anschließen, wenn die Standfüße ausgeklappt sind. An der Bildqualität des Ausgangs hatten wir bei einer Auflösung von 1.280 x 1.024 Pixeln nichts auszusetzen.
Mancher wird einen digitalen Ausgang vermissen, doch DVI mit zusätzlichen analogen Signalen würde kaum ins Gehäuse passen und HDMI bietet keine analogen Signale. Der Displayport-Standard wäre eine Möglichkeit, doch Sony hat bisher keine Anstalten gemacht, ihn zu unterstützen.
Jenseits der Anschlüsse bietet Sonys Netbook eine gehobene Ausstattung. Windows 7 Professional wird eingesetzt, und so kann sich Sony über Microsofts Bedingungen der Starter Edition hinwegsetzen: 2 GByte RAM sind für das Arbeiten mit Windows 7 vorteilhaft und ein 11-Zoll-Display mit 1.366 x 768 Pixeln gehört auch nicht zu dem, was Microsoft erlaubt.
Das von Sony verbaute Display nutzt LEDs für die Hintergrundbeleuchtung und bietet eine schöne Darstellung der Farben. Allerdings ist die Bildqualität stark vom Betrachtungswinkel abhängig und die Ausleuchtung nicht gut. Am oberen und unteren Rand ist das Display deutlich heller als in der Mitte.
Ungewöhnlich im Vergleich zur Konkurrenz ist auch die mit 128 GByte großzügig bemessene SSD. In einem Netbook finden Anwender sie in der Regel nicht, selbst bei Notebooks sind sie selten, sie sind hochpreisigen Geräten vorbehalten. Auch der Atom Z540 des Vaio X mit 1,86 GHz findet sich trotz seines Alters kaum in Netbooks. Im Vaio X wird er, wie von Intel vorgesehen, mit einem zwar sparsamen, aber auch langsamen US15W-Einchip-"Chipsatz" eingesetzt. Die Geschwindigkeit des Grafikkerns des US15W macht sich schnell unangenehm bemerkbar, wenn Windows' Aero aktiviert wird.
Leichtgewicht
Wer glaubt, sein 12-Zoll-Subnotebook mit 1,5 Kilogramm sei leicht, wird beim ersten Anfassen des Vaio X eines Besseren belehrt. Nicht einmal 800 Gramm bringt das kleine Gerät auf die Waage. Durch die dünne Konstruktion liegt es angenehm in der Hand und zog begehrliche Blicke verschiedener Menschen innerhalb und außerhalb der Redaktion von Golem.de auf sich – allerdings nur, solange der Preis nicht genannt wurde.
Das geringe Gewicht und die Form machen sich unterwegs bemerkbar. Das Gerät ist schnell aus der Tasche geholt und es lässt sich wunderbar auf dem Schoß surfen, egal wie eng Bus, Bahn oder Flugzeug sind.
Software
Sony-typisch befindet sich allerhand Software auf dem Notebook, von der ein erheblicher Teil am besten gleich deinstalliert wird. Das ist zwar langwierig, lohnt sich aber, denn das System wird übersichtlicher. OneClick Internet, um sich über das UMTS-Modem mit dem Internet zu verbinden, braucht der Anwender beispielsweise nicht, sofern er keine Profile verwalten will. Die Einwahl mit Windows funktioniert ohne Probleme.
Zu den sinnvollen Softwarebeigaben gehört hingegen das Vaio-Update. Das ist ein Werkzeug, um den Rechner auf dem aktuellen Stand zu halten. Leider ist es sehr langsam, was auch daran liegt, dass für das Aktualisieren der Browser benötigt wird. Während des Tests beschwerte sich das Vaio-Update zudem über eine fehlende Internetverbindung, obwohl zu dem Zeitpunkt eine Internetverbindung über das UMTS-Modem bestand.
Weltweit drahtlos arbeiten
Sony verbaut im Vaio X drei Datenfunkmodule: Bluetooth der Version 2.1+EDR folgend, WLAN nach 802.11b/g/n und ein UMTS-Modem. Beim WLAN ist erwähnenswert, dass es sich um eine einfache Atheros-Karte handelt. Wer ein 5-GHz-WLAN betreibt, kann sein Vaio X nicht anmelden. Das ist angesichts des hohen Preises unverständlich.
Das UMTS-Modem gehört demgegenüber zu den besseren und funktioniert unter Windows 7 sehr gut. Es ist ein Gobi 2000 von Qualcomm, das zumindest laut Datenblatt(öffnet im neuen Fenster) ein wahres Multitalent ist. Es beherrscht sowohl CDMA als auch W-CDMA und kann auch noch GPS-Signale auswerten. Allerdings sind einige Funktionen deaktiviert, wie wir von Sony erfahren haben.
So kann das deutsche Vaio X keine GPS-Signale auswerten, diese Funktion wurde laut Sony deaktiviert. Die US-Version des Vaio X hingegen kann mit GPS umgehen. EU-Einheiten des Vaio X sind laut Sony zwar prinzipiell in der Lage, mit EV-DO/CDMA umzugehen, allerdings wurden die Antennen nicht für die US-Frequenzen abgestimmt und auch nicht daraufhin getestet. Die schnellen UMTS-Frequenzen/W-CDMA sollten das hingegen alle beherrschen. Hier unterstützt das Gobi-2000-Modem fünf Bänder. Das ist nicht selbstverständlich: Nokias Booklet 3G , eigentlich ein Gerät für Reisende, kann nur zwei UMTS-Bänder (900 und 2.100 MHz) nutzen. Das Vaio X unterstützt hingegen 800, 850, 900, 1.900 und 2.100 MHz. Drei dieser Frequenzen sind für den Betrieb außerhalb Europas wichtig.
Da Sony weder im Werbematerial noch in der Anleitung und auch nicht in den Datenblättern ausführliche Hinweise zu den Möglichkeiten gibt, die das Gobi-2000-Modem bietet, ist es eher unwahrscheinlich, dass EV-DO und GPS noch nachträglich freigeschaltet werden. Durch die breite Unterstützung verschiedener UMTS-Frequenzen ist das Vaio X aber trotzdem weltweit einsetzbar. Sollten UMTS-Mobilfunktürme fehlen, kann das Modem zudem als Quad-Band-GSM-Empfänger benutzt werden.
Wer sich für den Einsatz der UMTS-Frequenzen weltweit interessiert, für den lohnt sich ein Blick in den Wikipedia-Eintrag List of UMTS networks(öffnet im neuen Fenster) , denn selbst das Gobi-Modem kann nicht in jedem UMTS-Netzwerk arbeiten.
Laufzeit und Benchmarks
Angesichts der Leichtigkeit des Gerätes hat uns vor allem die Laufzeit im mobilen Einsatz beschäftigt. Dafür wurde die Helligkeit auf Maximum gesetzt, das UMTS-Modem wurde aktiviert und eine Internetverbindung über das Netz von T-Mobile hergestellt. Auch das WLAN-Modul war aktiv, wurde aber nicht genutzt. So wurden Laufzeiten von 3,5 Stunden bei viel Aktivität und 4 Stunden bei wenig Aktivität gemessen. Aufgrund der Einstellungen ist noch ein wenig Luft nach oben übrig, etwa wenn das Modem nicht dauerhaft genutzt wird, oder wenn die Helligkeit reduziert wird, was für den Abendbetrieb sinnvoll ist. Da das Vaio X keinen Helligkeitssensor besitzt, muss der Anwender das allerdings selbst machen.
Die Laufzeit kann sich nach unten hin auch reduzieren. Auf das Betrachten von Flash-Videos sollte der Anwender unterwegs lieber verzichten. Einen Hinweis darauf, wie wenig vom Akku unter Last übrig bleibt, gab eine Dauerschleife des Videos Big Buck Bunny im 720p-Modus mit dem Videolan-Client . Hier wurde das kleine Vaio X durch den Lüfter lauter und erreichte eine Laufzeit von knapp 3 Stunden. Der Lasttest (Classic) des BatteryEaters ermöglichte einen Betrieb von 3 Stunden und 12 Minuten.
Insgesamt sind die Laufzeiten aber durchaus positiv zu bewerten, vor allem angesichts des geringen Gewichts des Vaio X. Sony bietet auch noch einen schwereren Akku an, der für den Test allerdings nicht zur Verfügung stand. Dieser bietet laut Sony 60 statt 30 Wattstunden, ist allerdings mit 550 g mehr als doppelt so schwer wie der Standardakku mit 245 g. Außerdem kostet der große Akku 230 Euro.
Bei den Benchmarks sind gegenüber anderen Netbooks keine großen Unterschiede auszumachen. Die Atom-CPU ist zwar mit 1,86 GHz etwas schneller als die meisten anderen Atom-CPUs in Netbooks, auf die Benchmarks wirkt sich das aber kaum aus. Beim Cinebench R10 sind es 950 Punkte (xCPU) beim Vaio X gegenüber 832 Punkten bei Nokias Booklet 3G mit 1,6-GHz-Atom Z530. Beim SuperPI-Test sind es 87 Sekunden gegenüber 101 Sekunden des Booklet 3G.
Die Grafikleistung ist wie bei allen US15W-basierten Netbooks schlecht. Aero schaltet der Anwender lieber aus. Mit 845 3DMark2001SE-Punkten in der nativen Auflösung von 1.366 x 768 Pixeln zeigt sich, dass der Rechner zum Spielen nicht geeignet ist.
Wirklich schnell ist dagegen die SSD. Sie schafft es, Daten mit mehr als 80 MByte/s zu liefern und reagiert für SSDs typisch sehr schnell auf Zugriffe. Das Vaio X ist mit dieser SSD innerhalb von 40 Sekunden so weit, dass das Startmenü geöffnet werden kann. Der Ladevorgang ist allerdings noch nicht abgeschlossen, da noch Sony-Software nachgeladen werden muss. Außerdem entfallen fast 10 Sekunden auf die Tätigkeiten des BIOS.
Die USB-Schnittstelle erreicht durch den US15W-Chipsatz keine hohen Werte. Hier waren lesend mit einem Corsair Flash Voyager maximal 29,2 MByte/s möglich. Der SD-Kartenslot blieb mit maximal 18,9 MByte/s beim Einsatz einer Sandisk Extreme III nur wenig hinter den Erwartungen zurück. Eigentlich sind mehr als 20 MByte/s mit der SD-Karte möglich. Verglichen mit anderen Netbooks, die teilweise nur 16 MByte/s erreichen, ist der Wert des Vaio X aber gut.
Sony Vaio X ist bereits im Handel erhältlich. Das Netbook kostet in der getesteten Ausstattung 1.500 Euro. Bessere Konfigurationen lassen sich auch bestellen, allerdings nur bei Sony direkt. Als Optionen gibt es unter anderem einen 2-GHz-Atom und eine 256 GByte große SSD. Der Preis erreicht dann schnell 2.000 Euro.
Fazit
Das Vaio X ist zu teuer; ein reines Luxusobjekt oder "Prestige Notebook" , wie Sony es nennt. Die Vorstellung, dass das Gerät mal einen Schaden nimmt, dürfte niemandem gefallen. Die Konstruktion ist, vor allem um Gewicht zu sparen, bei weitem nicht so stabil wie etwa bei Nokias Booklet 3G. Beim Vaio X lässt sich fast alles leicht verbiegen und an einigen Stellen knarzt das bewegliche Netbook dann leicht. Einzig der Akku ist vergleichsweise verwindungssteif. Immerhin ist das Netbook aber nicht so beweglich, dass die Tastatur nachgibt oder anderweitig beim Arbeiten unangenehm auffällt. Es ist durchaus ein stabiles und hochwertig gebautes Netbook.
Knapp 800 g bei 11 Zoll und einer Dicke von 16 mm ist schon eine sehr attraktive Kombination. Hinzu kommt die schnelle und stoßunempfindliche SSD und der im Vergleich zu anderen Netbooks etwas schnellere Atom-Pozessor. Das UMTS-Modem hat Sony gut gewählt, ebenso positiv ist der Verzicht auf eine Sparversion von Windows 7.
Wer sich das Netbook leistet, wird zufrieden sein. Allerdings gibt es für den Preis des Vaio X fünf einfache Netbooks. Die allerdings können mit der gehobenen Ausstattung von Sony nicht mithalten.