EU will künftige Finanzkrisen simulieren
Ist das schon die Matrix? Die EU-Kommission hat heute "bahnbrechende Forschungsergebnisse" vorgestellt, die Ökonomen umfangreiche Wirtschaftssimulationen mit virtuellen Agenten ermöglichen sollen. Die dazu benötigte Software wurde mit EU-Mitteln im Rahmen des EURACE-Projekts entwickelt und "sagt die Interaktionen zwischen großen Populationen unterschiedlicher wirtschaftlicher Akteure wie Haushalte, Banken und Kreditnehmer oder Arbeitgeber und Arbeitnehmer, voraus, die handeln und miteinander im Wettbewerb agieren wie wirkliche Menschen" . So heißt es in einer Pressemitteilung der EU-Kommission(öffnet im neuen Fenster) . Die virtuellen Agenten würden mit individuellem Verhalten ausgestattet und ihre Interaktionen zeigten, "wie sich Märkte entwickeln werden" .
Die EU-Kommission erhofft sich von dem EURACE-System bessere Vorhersagen über die möglichen Auswirkungen politischer Maßnahmen auf die gesellschaftliche Entwicklung. Solche Maßnahmen könnten so vorab auf erwünschte oder unerwünschte Konsequenzen getestet werden.
Auf der Website des EURACE-Projekts wird das von einem Konsortium europäischer Universitäten entwickelte ökonomische Modell in groben Zügen als ein Agentenmodell zur Simulation von Geldmengen und Geldströmen innerhalb einer geschlossenen Wirtschaft beschrieben. Die Wirtschaftsentwicklung wird sowohl zeitlich als auch räumlich simuliert. "So ist es möglich, den Einfluss der Wirklichkeitsgranularität auf wirtschaftliche Ergebnisse und die Konsequenzen von Änderungen dieser Granularität zu untersuchen" , heißt es in der Projektbeschreibung(öffnet im neuen Fenster) .
Von deutscher Seite ist an EURACE die Universität Bielefeld beteiligt, die für ihre Forschungen im Bereich der Soziologie bekanntgeworden ist. Der Soziologe und Entwickler der soziologischen Systemtheorie, Niklas Luhmann(öffnet im neuen Fenster) , lehrte Jahrzehnte lang an der Universität. [von Robert A. Gehring]



