Virtuelle Welten für Militärstrategen
Strategen des US-Militärs simulieren heutzutage Einsätze der Armee vorab im Computer. Dank aktueller Soft- und Hardware sei es dabei möglich, auch komplexe Szenarien durchzuspielen, schreiben V.S. Subrahmanian und John Dickerson, Informatiker an der Universität des US-Bundesstaates Maryland in College Park in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe des US-Wissenschaftsmagazins Science(öffnet im neuen Fenster) .
Reaktionen auf US-Hilfe vorhersagen
Mit Hilfe von realistisch gestalteten virtuellen Welten könnten Strategen und Planer erforschen, welche Reaktionen bestimmte Maßnahmen nach sich ziehen. So soll sich voraussagen lassen, wie die Parteien im Konfliktgebiet auf politische, finanzielle oder militärische Hilfe reagieren, etwa ob eine Gruppe sich durch Finanzhilfe befrieden lässt oder ob die Hilfe für eine Gruppe eine andere verärgert.
Ermöglicht werden solche komplexen Simulationen durch Mechanismen wie Stochastic Opponent Modeling Agents (Soma), sogenannte "Cultural Islands" und die Vorhersagesysteme Convex und Cape. Soma ist eine Software mit künstlicher Intelligenz, die das Verhalten einer bestimmten Gruppe, etwa einer Terroristengruppe, auswertet und daraus Handlungsmuster errechnet. Convex und Cape hingegen sollen vorhersagen, wie die Gruppen auf bestimmte Maßnahmen reagieren werden. Die "Cultural Islands" sind virtuelle Darstellungen von einem realen Umfeld, das mit Avataren der dort lebenden Menschen bevölkert ist, die nach den errechneten Mustern agieren.
Zusammenarbeit mit Experten
Bei der Erstellung der Software arbeiten die Informatiker mit Experten zusammen, die die Situation vor Ort kennen. Diese Erfahrungen seien sehr wichtig, um die virtuellen Welten so realistisch wie möglich zu gestalten, so Subrahmanian und Dickerson. Die virtuellen Welten können US-Militärberater dann nutzen, um herausfinden, wie die Menschen in einem Einsatzgebiet kurz- oder langfristig auf die von ihnen geplanten Maßnahmen reagieren.
Das US-Militär setzt seit gut 50 Jahren Computer für die Planung von Einsätzen ein. Anfangs hätten die Modelle jedoch nur für die Simulation von Konflikten zwischen zwei Parteien ausgereicht, von denen eine unterliegt und die andere gewinnt. Für aktuelle Konflikte wie den in Afghanistan seien jedoch erhebliche komplexere Modelle notwendig, da die Strategen abschätzen müssen, wie verschiedene ethnische Gruppen auf so unterschiedliche Aktionen wie den Aufbau von Schulen, das Niederbrennen von Mohnfeldern oder Großrazzien reagieren.



