Erste Benchmarks des 6-Kerners "Gulftown" bei 2,8 GHz

Im ersten Quartal 2010 soll Gulftown auf den Markt kommen; schon seit Monaten tauchen frühe "Engineering Samples" (ES) des Prozessors immer wieder in Foren und auf Webseiten auf. Zuerst war das im August 2009 auf einer türkischen Webseite der Fall, wo die Benchmarks aber schnell wieder verschwanden. Inzwischen sind offenbar derart viele Gulftowns in freier Wildbahn, dass es erste ausführliche Tests gibt, die auch länger verfügbar sind.
Waren die ersten ES noch auf einen Takt von 2,4 GHz mit festem Multiplikator beschränkt, so konnte die renommierte Webseite PClab aus Polen(öffnet im neuen Fenster) nun ein Modell mit 3,07 GHz Basistakt vermessen. Die CPU konnte sich – wie auch bisherige Core i7-900 – um bis zu zwei Stufen von 133 MHz höher takten, der Turbo-Boost funktionierte also.
Da es noch kein an das Muster angepasstes BIOS gab, limitierten die Tester ihren Gulftown aber auf 2,8 GHz ohne Turbo und führten die Messungen mit einem gleich schnell getakteten Core i7-900 durch, um die Unterschiede der Architekturen herauszuarbeiten. Laut PClab handelte es sich um die Workstationversion "Xeon DP". Ob Intel auch einen ähnlich hoch getakteten Core i9 auf den Markt bringt, ist noch nicht bekannt.
130 Watt TDP weiterhin möglich
Nach den bisherigen Tests scheint das aber wahrscheinlich, denn die Leistungsaufnahme des Gulftown liegt unter Last leicht unter der eines Core i7-900. Intel erreicht das durch 32-Nanometer-Fertigung, der Gulftown gehört also zur Westmere-Familie , basiert aber noch auf der Nehalem-Architektur . Durch die kleinere Strukturbreite konnte bei dieser CPU nicht nur die Zahl der Kerne um die Hälfte erhöht werden, auch L2- und L3-Cache wurden im selben Verhältnis vergrößert. Sie fassen nun 1,5 beziehungsweise 12 MByte. Jeder Kern hat 256 KByte L2-Cache, alle sechs Cores teilen sich den L3-Cache. Der L1-Cache je Kern blieb mit 64 KByte gleich groß.
Die größeren Caches verhelfen dem Gulftown in vielen Tests von PClab auch dann zu mehr Tempo, wenn es sich nicht um besonders gut in Threads aufgeteilte Programme handelt. Paradedisziplin für derart viele Kerne und Threads – zwölf gibt es per Hyperthreading – bleiben Anwendungen wie Raytracing. Hier gibt es aber auch nicht 50 Prozent mehr Geschwindigkeit, selbst beim Intel-Liebling Cinebench R10. Das liegt daran, dass das Programm nicht sofort einen neuen Thread startet, wenn ein anderer mit einem Teil des Bildes fertig ist.
Schnellere Verschlüsselung mit AES-Befehlen
Auch die neuen AES-Befehle, die Gulftown wie alle Westmeres für Verschlüsselung mitbringt, konnte PClab mit Winzip in Version 14 bereits testen. Dabei wurden die Geschwindigkeitsvorteile auf den Overhead für die Verschlüsselung umgerechnet. Ein Core i7-900 brauchte bei gleichem Takt 167 Prozent länger als ohne Verschlüsselung, beim Gulftown waren es nur 119 Prozent. Winzip ist jedoch nicht sehr gut in Threads aufgeteilt, so dass es die zwölf virtuellen Kerne nicht ausreizen kann.
Auf den drei Mainboards Gigabyte EX58-Extreme, Asus Rampage II Gene und Asus P6T SE brachten die Tester das Vorserienmuster zum Laufen – allerdings nur mit deutlich eingeschränkter Speicherbandbreite, wie sich in synthetischen Tests zeigte. Die Ergebnisse des Samples dürften also unter dem liegen, was mit Serienexemplaren zu erwarten ist.