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Studie: Kriegsverbrechen in Computerspielen

Schweizer Verbände untersuchen Titel wie Call of Duty 4 und Far Cry 2. Halten sich die virtuellen Soldaten in Computerspielen an das Völkerrecht? Mit dieser Frage haben sich zwei Schweizer Verbände im Rahmen einer Studie beschäftigt. Das Ergebnis ist eindeutig: Vor allem gegen den Schutz von Zivilisten wird regelmäßig verstoßen.
/ Peter Steinlechner
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Unter dem Titel Playing by the Rules(öffnet im neuen Fenster) haben zwei unabhängige Schweizer Verbände untersucht, ob sich Computerspiele, in denen Krieg oder Kampf vorkommen, an das humanitäre Völkerrecht halten, oder ob sie gegen die oft als "Kriegsrecht" bezeichneten Grundsätze verstoßen. Nach eigenen Aussagen wollen Pro Juventute Switzerland(öffnet im neuen Fenster) und Track Impunity Always(öffnet im neuen Fenster) mit der Studie weder Argumente für oder gegen eine Verschärfung von Jugendschutzrichtlinien liefern oder gegen Gewalt demonstrieren. Sondern sie wollen die Entwickler von Spielen – insbesondere solche, in denen aktuelle bewaffnete Konflikte dargestellt werden – dazu bringen, auch das Völkerrecht in ihre Werke einzubeziehen.

Die Verbände haben 19 Spiele untersucht, darunter Call of Duty 4 und 5 , Metal Gear Solid 4 , Soldier of Fortune und Far Cry 2 . In den meisten Spielen haben die Forscher tatsächlich Verstöße gegen das Völkerrecht gefunden. Dabei gehe es vor allem um die "umfangreiche Zerstörung ziviler Einrichtungen sowie um den Tod von Zivilisten, der nicht durch militärische Notwendigkeiten gerechtfertigt ist" . Auch findet die Studie zahlreiche Stellen, in denen der Spieler weiter auf verletzte Gegner schießen kann oder muss, ohne dass dies bestraft würde.

Konkret kritisieren die Verbände beispielsweise einen Einsatz in Call of Duty 4, in dem der Spieler mit einem Nachtsichtgerät aus dem Hubschrauber heraus auf Feinde schieße. Ein derartiger Einsatz sei in der Realität normalerweise nicht erlaubt, weil dabei auch Zivilisten ums Leben kommen könnten. Immerhin aber, so die Studie, werde der Spieler in dieser Mission darauf hingewiesen, dass er nicht auf eine Kirche schießen dürfe. Sonst sei der Auftrag beendet – ein ebenfalls möglicher Angriff auf Moscheen werde allerdings nicht geahndet.


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