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Spieletest: Left 4 Dead 2 - untotes Multiplayergemetzel

Valve veröffentlicht Fortsetzung seines Mehrspielertitels im Zombie-Szenario. Die Zombies sind wieder da: etwas schöner, ein bisschen schlauer und teils deutlich schwieriger. Erneut stellt sich den untoten Armeen ein unerschrockenes Quartett von ganz normalen Hauptfiguren entgegen - das diesmal aber auch mit der Bratpfanne zuschlägt.
/ Peter Steinlechner
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Ego-Shooter, Multiplayer, Splatter und Ironie: Wer das alles mag, ist punktgenau Mitglied der Zielgruppe, für die das vor rund einem Jahr veröffentlichte Left 4 Dead und der jetzt erschienene Nachfolger Left 4 Dead 2 ein wahr gewordener (Alb-)Traum sind. Denn erneut geht es ohne nennenswerte Handlung um nur um eines: Im Viererteam - also mit drei vom Computer oder von Menschen gesteuerten Kameraden - möglichst lange gegen Horden von Infizierten zu überleben. Und dabei Massen von diesen untoten Wesen endgültig über den Jordan zu schicken. Teil 2 unterscheidet sich also nicht besonders vom Vorgänger, sondern hat das Actionspiel einfach nur in fast jeder Hinsicht weiter perfektioniert.

Die auf den ersten Blick größte Änderung ist das neue Quartett von Hauptfiguren, mit denen sich bis zu vier Kumpels durch die Levels ballern. Jetzt tun sie das mit dem eleganten Nick, dem dicken Coach, dem dezent an Brad Pitt erinnernden Mechaniker Ellis sowie der taffen Rochelle - was im Grunde aber nur ein paar größtenteils ganz lustige neue Dialoge und hingesagte Sätze zur Folge hat. Die zweite sichtbare Änderung betrifft das Interface: Jetzt geht es noch etwas geräumiger zu, immer wieder übergroß eingeblendete Tasten, Pfeile oder Sonstige weisen den Spieler auf irgendwas hin.

Auch bei der Monsterschar hat sich etwas getan. Die besteht zum Großteil aus alten Bekannten wie dem Hunter oder dem Boomer. Aber jetzt treffen die Spieler auch auf ein Biest namens Spitter, das giftgrüne Säure auf den Boden spuckt. Neu ist auch ein Tank, der seine Opfer fest packt und sie dann wild umherschleudert. Richtig fies ist allerdings nur der Jockey: Der klammert sich auf den Schultern eines Überlebenden fest und reitet ihn beispielsweise in ein Säurefeld. Der Spieler hat zwar noch so etwas wie Restkontrolle über seinen Charakter - aber im Grunde ist er darauf angewiesen, dass ein Mitstreiter ihn von der Bestie erlöst.

Mit den Untoten legt sich der Spieler in fünf Kampagnen an, unter anderem ist der Spieler in den weitgehend linearen Levels eines düsteren Vergnügungsparks und dort sogar auf einer Achterbahn unterwegs, er kämpft in Einkaufszentren und in einem sonnenüberfluteten Strandgebiet. Jede Kampagne ist in mehrere Abschnitte unterteilt - wahlweise lassen sie sich am Stück durchspielen oder der Spieler wählt gezielt seine Lieblingsumgebung aus.

Im Startmenü von Left 4 Dead 2 befinden sich fünf Einträge, neben der Kampagne ist dort auch der neue, besonders herausfordernde Realism-Modus zu finden. Grundsätzlich treten Spieler zu viert gegen computergesteuerte Monster an, oder zwei Teams kämpfen als Überlebende und als Untote gegeneinander. Neu ist die Scavenge-Variante: Darin müssen die Spieler ein Auto betanken, indem sie Benzinkanister durch ein Kaufhaus tragen - dabei stehen sie natürlich unter schweren Angriffen durch Zombies.

Damit die vier Überlebenden gegen die Flut von Untoten überhaupt eine Chance haben, hat Valve das Waffenarsenal aufgestockt. Neu sind Nahkampfwaffen wie Baseballschläger, ein Katana und sogar eine Bratpfanne. Hinzugekommen sind aber auch ein Granatwerfer mit besonders viel Durchschlagskraft und Flaschen mit Boomer-Galle, die Untote anlockt. Der Saft lässt sich in Gegnerhorden werfen - mit entsprechenden Folgen... Für ein passendes Verhältnis von Gegnern, Munition und Waffen sorgt eine deutlich überarbeitete Version des von Valve "AI Director 2.0" genannten Systems, das hinter den Kulissen auch Details wie Teile des Levels oder Wettereffekte verwaltet.

Left 4 Dead 2 ist für Xbox 360 und für Windows-PC erhältlich - allerdings funktioniert es auch unter Linux und MacOS X. Die Konsolenfassung kostet rund 60 Euro, auf PC sind knapp 50 Euro fällig. Im Rechner sollte eine CPU mit 3,0 GHz stecken, der Arbeitsspeicher muss unter XP 1 GByte und unter Windows 7 und Vista 2 GByte groß sein. Die Grafikkarte muss über 128 MByte an RAM verfügen und DirectX 9 beherrschen. Einen Kopierschutz im eigentlichen Sinne verwendet das Programm nicht - aber es läuft nur, wenn die Software des Onlinedienstes Steam installiert ist. Immerhin muss sich die DVD nicht im Laufwerk befinden.

Die in Deutschland verkaufte Version ist stark geschnitten. Zwar spritzt Blut, aber beispielsweise lassen sich keine Körperteile abtrennen. Die Schnitte haben teilweise Auswirkungen auf das Spiel, weil sich einige Treffer schlechter erkennen lassen. Die USK hat Left 4 Dead 2 ab 18 Jahren freigegeben.

Fazit

Wie ein neues Spiel fühlt sich Left 4 Dead 2 nicht an, sondern bestenfalls wie eine etwas umfangreichere Erweiterung für Teil 1. Den Großteil der Zombies kennt der Spieler schon, die Modi bringen nichts bahnbrechend Frisches auf den Monitor und die Grafik ist inzwischen veraltet. Trotzdem hat das Programm Stärken: Viel besser lässt sich die Bedienung von Multiplayerpartien, das Zusammenspiel von Kämpfern und ein Koopmodus kaum noch umsetzen. Abgesehen von ganz wenigen Details - Kettensäge und Granatwerfer - ist auch die Spielbalance ausgezeichnet ausgefallen. Und das Szenario ist in sich stimmig umgesetzt. Auf gewisse Art ist Left 4 Dead 2 somit ein echter Referenztitel geworden. Zwar nur für die Nische "Zombie-Multiplayerspiele mit Schwerpunkt Koop" - aber immerhin.


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