Kreditkartenumtausch: Banken fordern Entschädigung
Dies geht aus einem Briefentwurf des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) an die Kreditkartenriesen hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. Im ZKA sind die Verbände von Sparkassen, Genossenschaftsbanken und privaten Banken vertreten.
Damit drohen ernsthafte Konflikte zwischen der deutschen Bankenbranche und den Kreditkartenfirmen. Das Schreiben belegt, wie verärgert die Banken darüber sind, dass in der Öffentlichkeit allein sie für den Sicherheitsskandal verantwortlich gemacht wurden. Mastercard äußerte sich zu den Vorwürfen auf Anfrage zunächst nicht. Ein Visa-Sprecher sagte, das Unternehmen habe den Brief noch nicht erhalten, wolle aber später Stellung nehmen.
Austausch kostet bis zu zehn Euro
"Wir halten es angesichts der hohen Sicherheitsphilosophie und -aufwendungen der deutschen Kreditkartenemittenten – unter anderem für die Chipausstattungen ihrer Karten – nicht mehr länger für hinnehmbar, sowohl materiell als auch imagemäßig für die Versäumnisse anderer, am internationalen Mastercard-System Beteiligter in anderen Ländern einstehen zu müssen" , heißt es in dem Schreiben an Mastercard. "Wir bitten daher insbesondere auch um kurzfristige Mitteilung, wie gegenüber den deutschen Kartenemittenten die Erstattung der ihnen entstandenen erheblichen Schäden erfolgen wird." An Visa sei ein gleichlautendes Schreiben versandt worden, hieß es.
Grundsätzlich müssen die Banken für die Kosten einer Kreditkartenausgabe aufkommen. Je nach Institut kostet der Umtausch zwischen vier und zehn Euro je Karte. Derzeit werden mehrere Hunderttausend Karten ausgetauscht, davon bis zu 190.000 bei den Sparkassen und 60.000 bei den Genossenschaftsbanken. Die Postbank kündigte am Donnerstag außerdem den Umtausch von insgesamt 37.000 Karten an, nachdem einige Kunden "Unregelmäßigkeiten" bei ihrer Kartenabrechnung entdeckt hatten.
Schlechte Informationspolitik
Das ZKA wirft Visa und Mastercard vor, nicht zur Beruhigung der Öffentlichkeit nach dem Skandal beigetragen zu haben. So hätten beide den Banken "keine belastbaren Informationen zu den Hintergründen" ihrer Sicherheitsmeldung übermittelt und auch keine Angaben über das Ausmaß der konkret betrügerisch erlangten Kartendaten übermittelt, steht in dem Schreiben.
Zuletzt hatten sich zahlreiche Bankenvertreter verärgert über Visa und Mastercard geäußert. "Von den Kartenunternehmen kam mit der Sicherheitsmeldung keine konkrete Empfehlung, ob die Karten deswegen eingezogen werden sollten oder nicht" , berichtete ein Banker. Die Institute sind auch deshalb verärgert, weil sie sich als Opfer schlechterer Sicherheitsstandards in anderen Ländern sehen. Während in Deutschland für jede Transaktion der Kartenchip genutzt wird, sind in Spanien und den USA die weniger sicheren Magnetstreifen maßgeblich.
Auch die Citibank tauscht Tausende Kreditkarten aus. 15.000 Karten ziehe die Bank zurück, wie sie am Freitag in Düsseldorf mitteilte. Angesichts von rund 807.000 Citibank-Kreditkarten sei dies ein geringer Anteil. Der Austausch sei "rein präventiv" .
Die Kunden der Citibank werden schriftlich über den Austausch informiert, wie das Institut mitteilte. Bis dahin blieben die alten Karten gültig. Die Bank werde die Zahlungsvorgänge auf verdächtige Buchungen überwachen. Der Kunde hafte nicht für eventuell entstandene Schäden.
Banken und Sparkassen tauschen derzeit Hunderttausende Kreditkarten in Deutschland aus. Die Kreditkartenunternehmen Mastercard und Visa hatten die deutschen Institute vor Unregelmäßigkeiten bei einem spanischen Finanzdienstleister gewarnt, der Kreditkartenzahlungen abwickelt.
Unterdessen nimmt der Massentausch von Kreditkarten offenbar immer größere Ausmaße an. Auch andere Länder sind nach einem Bericht des Bayerischen Fernsehens betroffen: Eine Visa-Deutschland-Sprecherin habe der Nachrichtensendung "Rundschau" gesagt, dass nun auch in anderen Ländern offenbar Karten ausgetauscht werden müssten. Zahlen und Länder habe sie jedoch nicht genannt.
Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner verlangte derweil von den Geldinstituten höhere Sicherheitsstandards bei Kreditkarten. "Ich fordere die Banken auf, schnellstens alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit Kreditkartenzahlungen wieder sicher sind" , sagte Aigner der Passauer Neuen Presse zufolge. Die Zahlungssysteme müssten so organisiert werden, "dass Missbrauchsfälle so weit wie möglich ausgeschlossen sind und die Nutzer nicht geschädigt werden" .
Weiter sagte die CSU-Politikerin demnach: "Wenn ich als Verbraucher meine Kreditkarte benutze, muss ich darauf vertrauen können, dass meine Daten nicht weitergegeben werden. Hier ist dringend Abhilfe gefragt." Aigner riet allen Verbrauchern, "ihre Kontoauszüge und Kreditkartenabrechnungen besonders sorgfältig zu prüfen und fehlerhafte Abbuchungen den Banken zu melden" .
[von Yasmin Osman und Mark Schneider, Handelsblatt.com(öffnet im neuen Fenster) ]