Abo
  • Services:

Netzforscherin: Wir brauchen ein Google-Gesetz

Zeit Online: Verfolgen Autoren, Leser und Verleger bei der Buchdigitalisierung eigentlich die gleichen Interessen?

Stellenmarkt
  1. PFALZKOM | MANET, Ludwigshafen
  2. Lidl Digital, Heilbronn

Hofmann: Partiell. Alle beteiligten Akteure haben ein Interesse daran, dass die Zugangshürden niedrig sind, damit das Wissen möglichst breit zirkuliert. Ansonsten laufen die Interessen aber auseinander. Im Falle vergriffener Werke ist anzunehmen, dass Autoren wie auch Leser ein großes Interesse daran haben, dass Texte wieder zugänglich gemacht werden. Verlage spitzen hier zunächst die Bleistifte und rechnen erst einmal. Noch mal anders verhalten sich die Dinge im Hinblick auf sogenannte verwaiste Werke, die unter Urheberrechtsschutz stehen, bei denen die Rechteinhaber aber unbekannt sind. Hier ist es im Interesse der Leser, eine Regelung zu finden, die die Digitalisierung dieser Werke erlaubt. Autoren und Verlage fürchten indes, dass ihre urheberrechtlich verbrieften Rechte missachtet oder unterlaufen werden könnten.

Zeit Online: Wie könnte ein Ausgleich aussehen?

Hofmann: Aus meiner Sicht weist Google Books in die richtige Richtung. Die Kosten für das Auffinden der Rechteinhaber von Buchwaisen wären zu hoch, um eine Digitalisierung im großen Umfang zu ermöglichen. Wenn wir es also ernst damit meinen, unsere Bibliotheken zu öffnen und die Bestände der Allgemeinheit in digitaler Form zugänglich zu machen, dann muss eine pragmatische Regelung gefunden werden. Die sollte darin bestehen, dass verwaiste Werke digitalisiert werden können, wenn AutorInnen dem nicht widersprechen. Wenn die Rechteinhaber später doch noch gefunden werden, dann sollten sie kompensiert werden.

Zeit Online: Verschafft sich Google mit der groß angelegten Digitalisierung ein Monopol?

Hofmann: Die jetzige Überarbeitung der ursprünglichen Vereinbarung von Google Blooks versucht die Gefahr einer Monopolstellung Googles zu vermindern. Ich bin aber skeptisch, ob die Regelung weit genug geht. Aus meiner Sicht sollte es gesetzliche Regelungen geben, die gleiche Bedingungen für alle Organisationen schaffen, die an einer Digitalisierung von gedruckten Werken interessiert sind. Der Umstand, dass Google anderen Anbietern nun die Möglichkeit einräumt, den Zugang zu digitalen Werken zu verkaufen, ist zwar schön, aber keine saubere Lösung für unseren künftigen Umgang mit vergriffenen und verwaisten Werken.

Zeit Online: Welche Risiken könnten damit verbunden sein?

Hofmann: Das Digitalisieren von gedrucktem Wissen kostet viel Geld, vor allem dann, wenn hochwertige Kopien einschließlich hochwertiger Metadaten erzeugt werden. Es besteht die Gefahr, dass kapitalkräftige Informationsanbieter eine globale Vormachtstellung beim Zugang zum Wissen erhalten. Es wäre angemessen, wenn Einrichtungen wie Bibliotheken und Verlage, die über professionelle Fähigkeiten in der Organisation und Bereitstellung von Wissen auf nationaler und lokaler Ebene verfügen, diese Aufgaben auch künftig wahrnehmen. Bücher sind in gewissem Sinne lokale Güter, die die regionale Kultur und Sprache reflektieren. Die Digitalisierung macht es möglich, dass sich hier zentrale beziehungsweise internationale Lösungen durchsetzten. Der Konzentrationsprozess im Bereich der Verlage zeigt das anschaulich.

Zeit Online: Wie könnte man das verhindern?

Hofmann: Es bedarf einer gesetzlichen Regelung, die sicherstellt, dass alle Wissensanbieter die gleichen Rahmenbedingungen erhalten und dass die Interessen der Leser bei der Digitalisierung berücksichtigt werden.

Jeanette Hofmann ist Forscherin am Wissenschaftszentrum Berlin, ihr Forschungsschwerpunkt ist das Internet. Derzeit ist sie beurlaubt und arbeitet am ESRC Centre for Analysis of Risk and Regulation (CARR) an der London School of Economics and Political Science. Zur Zukunft der Digitalen Bibliothek erschien jüngst ein Aufsatz von Hofmann in 'Aus Politik und Zeitgeschichte'.

Von Tina Klopp, Zeit Online

 Netzforscherin: Wir brauchen ein Google-Gesetz
  1.  
  2. 1
  3. 2


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 399,99€ mit Vorbesteller-Preisgarantie
  2. (-58%) 23,99€
  3. (u. a. Assassin's Creed Origins PC für 29€)
  4. 23,99€

Siga234729 17. Nov 2009

Ich glaub Du hast zu viele Bahnprojekte und IT-Projekte von Regierungen falsch...

frankenfreund 17. Nov 2009

Wahnsinn! Dangge sachd der frangge ...

Siga92742424 17. Nov 2009

Also die Verlage, die fett Google-Buch-Gesetze fordern, sollten bitte mal bei den Bilder...

derDuffy 17. Nov 2009

Da ist sicher was dran. Nur sollte man sich dennoch fragen ob nicht einfach Vater Staat...

nicoledos 17. Nov 2009

sondern die Verlage, die noch aus von ihnen selbst nicht mehr verwerdeten "Altbeständen...


Folgen Sie uns
       


Ubitricity ausprobiert

Das Berliner Unternehmen Ubitricity hat ein eichrechtskonformes System für das Laden von Elektroautos entwickelt. Das Konzept basiert darauf, dass nicht die Säule, sondern der Kunde selbst für die Stromzählung sorgt.

Ubitricity ausprobiert Video aufrufen
Always Connected PCs im Test: Das kann Windows 10 on Snapdragon
Always Connected PCs im Test
Das kann Windows 10 on Snapdragon

Noch keine Konkurrenz für x86-Notebooks: Die Convertibles mit Snapdragon-Chip und Windows 10 on ARM sind flott, haben LTE integriert und eine extrem lange Akkulaufzeit. Der App- und der Treiber-Support ist im Alltag teils ein Manko, aber nur eins der bisherigen Geräte überzeugt uns.
Ein Test von Marc Sauter und Oliver Nickel

  1. Qualcomm "Wir entwickeln dediziertes Silizium für Laptops"
  2. Windows 10 on ARM Microsoft plant 64-Bit-Support ab Mai 2018
  3. Always Connected PCs Vielversprechender Windows-RT-Nachfolger mit Fragezeichen

Raumfahrt: Großbritannien will wieder in den Weltraum
Raumfahrt
Großbritannien will wieder in den Weltraum

Die Briten wollen eigene Raketen bauen und von Großbritannien aus starten. Ein Teil des Geldes dafür kommt auch von Investoren und staatlichen Investitionsfonds aus Deutschland.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

  1. Esa Sonnensystemforschung ohne Plutonium
  2. Jaxa Japanische Sonde Hayabusa 2 erreicht den Asteroiden Ryugu
  3. Mission Horizons @Astro_Alex fliegt wieder

Indiegames-Rundschau: Schiffbruch, Anime und viel Brummbrumm
Indiegames-Rundschau
Schiffbruch, Anime und viel Brummbrumm

Gas geben, den weißen Hai besiegen und endlich die eine verlorene Socke wiederfinden: Die sommerlichen Indiegames bieten für jeden etwas - besonders fürs Spielen zu zweit.
Von Rainer Sigl

  1. Indiegames-Rundschau Schwerelose Action statt höllischer Qualen
  2. Indiegames-Rundschau Kampfkrieger und Abenteuer in 1001 Nacht
  3. Indiegames-Rundschau Mutige Mäuse und tapfere Trabbis

    •  /