Test: Mit Opensuse 11.2 macht KDE Spaß

Opensuse(öffnet im neuen Fenster) bietet bei der Installation die Desktops Gnome 2.28, Xfce 4.6.1 und vor allem standardmäßig den KDE-Desktop in der Version 4.3 an. Darüber hinaus gibt es nicht nur eine üppige Softwareauswahl auf der Installations-DVD, sondern auch den aktuellen Kernel in der Version 2.6.31.5 und den Installer Yast.
Die bislang zur Auswahl stehende Version 3.5 des KDE-Desktops wurde komplett ausgemustert. Während der Betaphase zu 11.2 gab es heftige Diskussionen, ob KDE tatsächlich als Vorauswahl festgelegt werden sollte. Schließlich entschieden sich die Entwickler für KDE als Standarddesktop – auch auf Grund der seit jeher engen Verknüpfung von KDE und Opensuse. Für den Gnome-Desktop gibt es eine Vorabversion der Gnome-Shell in den Repositories, die elementarer Bestandteil der nächsten Gnome-Generation 3.0 werden soll.
Der Browser Firefox wurde auf die Version 3.5.4 gehievt. Er integriert sich samt Benachrichtigungen nahtlos auch in die KDE-Desktop-Umgebung und avancierte dort sogar zum Standardbrowser anstelle des bislang verwendeten Konqueror. Grund für die Wahl ist die momentane mangelnde Akzeptanz des KDE-eigenen Browsers bei Benutzern. Entwickler Luboš Lunák kündigte an, den Browser in naher Zukunft einer genaueren Überprüfung zu unterziehen, vor allem die HTML-Rendering-Engine soll verbessert werden.
Das E-Mail-Programm Thunderbird liegt gar als Version 3.0 Beta vor, die finale Version wird bereits in wenigen Tagen erwartet. Das Büropaket Openoffice.org in der Version 3.1.1 wurde ebenfalls an den KDE-Desktop angepasst. Das KDE-Büro-Paket Koffice liegt in den Repositories zwar vor, allerdings in der Version 2.0.2. Die Version 2.1, die noch als Release Candidate vorliegt, hat es nicht in die finale Version geschafft. Ebenfalls mit dabei: die aktuelle Version 2.6.7 der Bildbearbeitung Gimp.
Stärkere Anbindung an soziale Netzwerke
Viel Arbeit haben Entwickler in die Anbindung zu Social Networks investiert. Kopete kommt in der Version 0.80.2 nun auch mit Facebook-Chats zurecht und bringt außerdem einen Wrapper für die Chatfunktion von Skype mit. Wer Tweets verfolgen will, verwendet den Microblogging-Client Choqok 0.6.6. Die leichtgewichtige Bildbearbeitung Gwenview stellt Bilder bei Flickr oder Facebook ein. Unter Gnome kümmern sich das neue Chatprogramm Empathy 2.28 und Gwibber 1.2.0 um die ICQ- respektive Twitter-Anbindung. Die Fotoverwaltung F-Spot stellt Fotos nun nicht nur bei Flickr, sondern auch bei Facebook online. Für den KDE-Desktop gibt es ein Plasmoid, das ebenfalls eine Verbindung zu Twitter herstellt.
Der KDE-Musikplayer Amarok liegt in der Version 2.1 bei. Das Brennprogramm K3b wurde auf die neue Qt4-Bibliothek 4.5.3 portiert. Selbst der KDE-Network-Manager wurde einer Generalüberholung unterzogen und bringt nun auch zahlreiche zusätzliche Funktionen mit, vor allem für die Anbindung über Drahtlos- und Funknetzwerke.
Yast erlebt Facelift
Unter KDE ist Yast grundrenoviert worden, die Systemmanagement-Software setzt nun auch auf Qt4. Ebenfalls verbessert wurde das Modul für die Partitionsübersicht. Sie bringt jetzt Unterstützung für RAID- 6- und -10-Arrays und das noch als experimentell eingestufte Dateisystem Btrfs mit. Zusätzlich wurden die AppArmor-Module von Novell übernommen und eingebaut. Yast lässt sich erstmals über ein Webinterface steuern, das auf dem Ruby-on-Rails-Framework basiert.
Die Paketverwaltung Zypper wurde um einige Funktionen erweitert, etwa die Möglichkeit, Pakete aus dem Internet vor einer Installation zu speichern, oder um eine verbesserte Fehlerüberwachung beim Download. Setzt beispielsweise während des Downloads ein Server aus, sucht Zypper automatisch nach einer erreichbaren Alternative. Zudem wurde die Funktion eingebaut, das gesamte System per Kommandozeile im laufenden Betrieb zu aktualisieren.
Opensuse 11.2 bringt die Datenbank Mysql in der Version 5.1(öffnet im neuen Fenster) mit. Die Datenbank legt nunmehr die Socket-Datei im Verzeichnis /var/run/mysql ab und die Berkely DB Storage Engine wurde entfernt. Samba setzt ab sofort auf die Passwortverwaltung tdbsam(öffnet im neuen Fenster) statt wie bisher auf smbpasswd. Eine Konvertierung ist per Kommandozeilenbefehl möglich.
Opensuse setzt stärker auf die Gemeinschaft
Viel Wert legt Opensuse wie bisher auf die aktive Gemeinschaft(öffnet im neuen Fenster) rund um Opensuse. Vor allem die Desktopteams profitierten bereits von der engen Zusammenarbeit mit Entwicklern aus der Community: Die Entwicklung an der Firefox-Integration in KDE sowie die Theme-Entwicklung für die KDE- und Gnome-Desktops erfolgte größtenteils dort. Die beiden Entwicklungszweige Factory und Maintenance stehen ab sofort auch für externe Entwickler offen, sie sollen stärker in die bereits bestehenden Teams eingebunden werden.
Neben der Installations-DVD in der 32- und 64-Bit-Variante können auch Live-CDs für beide Architekturen wahlweise mit dem KDE oder Gnome-Desktop heruntergeladen werden(öffnet im neuen Fenster) . Darüber hinaus gibt es auch eine Kaufversion(öffnet im neuen Fenster) . Der im Laden angebotene Karton enthält eine doppellagige DVD mit der 32- und 64-Bit-Variante sowie ein gedrucktes Handbuch. Er kostet 59,95 Euro. Zudem erhalten Käufer eine kostenlose telefonische Installationsunterstützung.
Fazit
Die reichlich veranschlagte Entwicklungszeit für Opensuse 11.2 hat sich gelohnt. Vor allem macht die stabile Version des KDE-Desktops jetzt richtig Spaß und die Anbindung wichtiger Nicht-KDE-Software in den Desktop sorgt für eine einheitliche Arbeitsumgebung. Das Konfigurationswerkzeug Yast bietet nach wie vor auch Laien die Möglichkeit, in die komplexe Systemverwaltung einzugreifen. Damit schafft Opensuse den Spagat zwischen Profi- und Einsteigersystem.
Der nächste Release – 11.3 – von Opensuse ist für Juli 2010 geplant, der Erscheinungszyklus ab sofort auf acht Monate gesetzt.



