RTL und Vox bald in HD - und fast niemand kann es sehen

Am kommenden Wochenende will die RTL-Gruppe als erster Anbieter Sendungen über die von Astra ins Leben gerufene Plattform HD+ ausstrahlen. Im Januar 2010 sollen dann Pro Sieben und Sat 1 folgen - alles noch bevor ARD und ZDF im Februar 2010 zu den Olympischen Spielen ihren Regelbetrieb für HDTV aufnehmen.
Wie bereits berichtet , sind die technischen Voraussetzungen für HD+ jedoch immer noch unklar. Sechs HD+-Receiver sind für 2009 angekündigt , aber bisher nicht erhältlich. Fest steht nur, dass das Angebot verschlüsselt ist, was man auch seit Anfang Oktober mit "RTL HD" und "Vox HD" auf den Astra-Satelliten feststellen kann. Die Daten dafür: 10.832 MHz, horizontale Polarisation, 8PSK, Symbolrate, 22000, FEC 2/3. In der Regel reicht die Eingabe von Frequenz und Polarisation, damit ein Receiver einen neuen Sender findet.
Zu sehen gibt es dann aber bei bisherigen HDTV-Receivern von RTL HD und Vox nichts. Nach dem Kenntnisstand von Golem.de existiert bisher kein frei verkäuflicher Receiver, der ab Werk HD+ beherrscht. Nach der ersten Ankündigung der Plattform hatte es von Receiverherstellern geheißen, dass es herstellerspezifische Entschlüsselungsmodule, sogenannte CAMs, samt passenden Smartcards für bereits erhältliche Receiver geben solle. Diese "Legacy-Module" sind aber bisher nicht erschienen.
Auch das wäre aber nur ein Zugeständnis gewesen, denn eigentlich ist für HD+ auch der neue Common-Interface-Standard CI-Plus vorgesehen. Dieser sieht, anders als das bisher übliche Common Interface, Einschränkungen bei Aufnahme und Spulen von Aufzeichnungen vor, welche die Sender über Flags in den ausgestrahlten Daten steuern können. Denkbar ist so beispielsweise, dass eine Sendung aufgenommen werden kann, eine andere aber nicht, oder dass eine Aufzeichnung bei Wiedergabe das Spulen über Werbeblöcke hinweg verhindert.
Als bisher einziger Receiverhersteller kündigte Humax am vergangenen Montag , dem 26. Oktober 2009, ein Firmwareupdate für den Receiver "HD-Fox" an, das am darauffolgenden Tag ausgestrahlt werden sollte. Dieses Gerät verfügt nicht über Aufnahmefunktionen - seine USB-Buchse ist funktionslos -, aber über einen integrierten Smartcard-Reader.
Die nötige Smartcard sollen Besitzer des HD-Fox über die Webseite MyHumax.de(öffnet im neuen Fenster) gegen Eingabe der Seriennummer des Receivers bestellen können. Wie Astra Mitte Oktober 2009 bestätigte, soll der Empfang der Programme in den ersten zwölf Monaten kostenlos möglich sein und danach 50 Euro im Jahr kosten.
Humax bestätigte auf Anfrage von Golem.de, dass sich die Ausstrahlung des Firmwarupdates bis zum Donnerstagabend verzögert hatte, einen Grund dafür nannte das Unternehmen jedoch nicht. Einem Bericht von Digitalfernsehen(öffnet im neuen Fenster) zufolge gibt es jedoch schon mehrere Beschwerden von Anwendern, dass das Update fehlerhaft sei - in welcher Hinsicht, ist noch ungeklärt.
Dass es mit HD+ langfristig Einschränkungen bei den Funktionen gibt, bestätigte ein RTL-Manager vor kurzem in einem Interview mit Digitalmagazin.de(öffnet im neuen Fenster) . Andre Prahl, verantwortlich für die Programmverbreitung der Mediengruppe RTL, erklärte: "Werbefinanzierung ist die Basis unseres Programms. (...) Deshalb sind wir auch bei neuen Angeboten wie HD+ selbstverständlich gegen Ad-Skipping und müssen sicherstellen, dass Werbung nicht umgangen werden kann."
Prahl erklärte aber auch, dass private Aufzeichnungen nicht grundsätzlich verhindert werden sollen. Das gegenwärtige CI+ biete aber nur die Möglichkeit, das Mitschneiden zuzulassen oder zu verbieten. Eine Erweiterung des Standards sei wünschenswert.
Im selben Gespräch gab der RTL-Manager auch noch an, welche Inhalte über HD+ in nativem HD ausgestrahlt werden sollen. Dazu zählen Serien wie Dr. House, Monk, die CSI-Formate, aber auch Spielfilme der Bourne-Reihe und Stirb langsam 4.0.
Auf Anfragen zwei Tage vor dem Start von RTL HD und Vox HD konnten weder RTL noch SES Astra Receiver benennen, mit denen man die Programme entschlüsseln kann. Auf der Webseite hd-plus.de(öffnet im neuen Fenster) ist eine entsprechende Liste zu finden, die Geräte sind jedoch nur für Oktober oder November angekündigt. Auch eine Pressemitteilung ( PDF(öffnet im neuen Fenster) ) verspricht, dass bis Ende 2009 noch sechs Receiver erscheinen sollen. Die Geräte sind darin nicht benannt, nur die Hersteller: Humax, Technisat, Technotrend und Videoweb, was sich mit der Liste von hd-plus.de deckt. Andere bekannte Anbieter wie Dream oder Kathrein werden nicht genannt. Zudem soll es auch Fernseher mit eingebautem CI-Plus-Modul geben, und zwar von Loewe, Metz, Samsung und Sony. Auch hier fehlen aber die Namen der Geräte. Eine inoffizielle Liste gibt es immerhin im Forum von Digitalfernsehen.de(öffnet im neuen Fenster) .



