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Bayerische Lehrer kämpfen gegen World of Warcraft

Pädagogen bieten Seminare und Broschüre über Onlinespiele an. Ein bayerischer Pädagogenverband stellt sich gegen Onlinerollenspiele: Die Lehrerinnen und Lehrer bieten Seminare über das Thema an und haben eine Broschüre veröffentlicht – mit sieben Punkten, anhand derer Eltern erkennen können sollen, ob ihr Kind bereits an Onlinespielesucht erkrankt ist.
/ Peter Steinlechner
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300 Euro plus Reisekosten sind für das vierstündige Seminar fällig, der Dozent Claudio von Wiese ist Sozialpädagoge und war angeblich selbst mehrere Jahre computersüchtig. Geboten werden unter anderem Vorführungen von verschiedenen Onlinespielen – der Schwerpunkt liegt auf World of Warcraft. Wer von Wiese einladen möchte, muss sich an den Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband(öffnet im neuen Fenster) (BLLV) wenden, eine 55.000 Mitglieder starke Vereinigung von Angehörigen pädagogischer Berufe. Der BLLV startet gerade eine Kampagne, die Eltern und Lehrer über die Gefahr durch Onlinerollenspiele – insbesondere World of Warcraft – aufklären soll.

Dazu bietet der BLLV zum einen die Seminare(öffnet im neuen Fenster) an, zum anderen vertreibt er eine Broschüre(öffnet im neuen Fenster) . Die erklärt, dass "Computerspielen und Lernen am PC ... heute eine Selbstverständlichkeit" ist und – warnt dann aber vor allem vor Gefahren. Angeblich sind in Deutschland 2,7 Prozent der 15-Jährigen computersüchtig und über 3 Prozent gefährdet, die meisten davon Jungen. Wem diese Zahlen bekannt vorkommen: Der BLLV hat sich vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachen beraten lassen, dessen Leiter Christian Pfeiffer regelmäßig Computerspielegegner mit unter Wissenschaftlern umstrittenen Statistiken versorgt; Pfeiffers Schwester Regine tourt selbst mit Anti-World-of-Warcraft-Vorträgen durch die Provinz.

Auch jenseits des Zahlenmaterials hat der BLLV eine kritische Einstellung zu Onlinespielen: "Computersüchtige Kinder vernachlässigen die Schule und verlieren die Lust an Freizeitaktivitäten und Hobbys" , heißt es in der Broschüre. "Stattdessen ziehen sie sich aus dem Familienleben und dem Freundeskreis zurück. Sie spielen oft bis tief in die Nacht – meistens ohne Wissen der Eltern – und treffen sich mit Freunden nur noch zum Computerspielen." Der BLLV schreibt, dass die "die Zahl der desinteressierten, im Unterricht abwesenden Schüler" zunehme. Allerdings seien es "nicht die Störer, ganz im Gegenteil, es handelt sich oft um die ruhigen, zurückhaltenden Schüler."

Obwohl es nach Auffassung der Pädagogen mittlerweile im Internet zahlreiche Seiten über World of Warcraft gibt, "auf denen Spieler verzweifelt berichten, wie ihr Leben durch dieses Spiel in Trümmer geraten ist und sie trotzdem nicht aufhören können" , werde "ähnlich wie in der Zigarettenindustrie ... das Suchtpotenzial ... von der Spieleindustrie gering geredet und bagatellisiert."

Der BLLV bietet in seiner Broschüre einen Sieben-Punkte-Check an, mit dem Eltern, Lehrer und möglicherweise Betroffene selbst überprüfen können, ob sie von Computerspielsucht betroffen sind. Die Antwort liefern Antworten auf Fragen wie "Verbringt Ihr Kind mehr als 1,5 Stunden täglich mit Computerspielen?" , "Gibt es regelmäßig Streit, wenn Ihr Kind am Computer sitzt und es zum Essen kommen, Schlafen gehen oder lernen soll?" oder "Stellt Ihr Kind, wenn es nachhause kommt, zuerst den Computer an?" .


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