Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Test: Sony Reader PRS-600 Touch Edition

Schicker E-Book-Reader mit Touchscreen. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft kommen hierzulande mehrere E-Book-Reader auf den Markt. Auch Sony bringt ein neues Gerät: den Reader PRS-600 Touch Edition. Es hat einen Touchscreen und wartet mit neuen praktischen Zusatzfunktionen auf. Das Gerät hat aber auch einige Nachteile.
/ Werner Pluta
40 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Das Gehäuse des Reader PRS-600 Touch Edition besteht aus mattem Aluminium, es gibt ihn in den Farben Silber und Schwarz sowie in einer limitierten Auflage in Rot. Das Gerät ist etwa 17 x 12 cm groß und damit etwa so groß wie ein Taschenbuch. Das Metallgehäuse macht den PRS-600 allerdings relativ schwer: Knapp 300 Gramm bringt das Gerät auf die Waage. Das ist nicht nur mehr als ein Taschenbuch, sondern auch als ein Reader mit Kunststoffgehäuse wie das Cybook Gen3 von Bookeen . Der Bildschirm stammt, wie bei den meisten E-Book-Readern, von E-Ink. Er hat eine Diagonale von gut 15 cm (6 Zoll) und kann acht Graustufen darstellen.

Das Design des PRS-600 Touch Edition unterscheidet sich erheblich von dem des PRS-505: Statt der vielen Knöpfe für die Navigation an der rechten Seite und der zwei großen unter dem Display hat der neue Reader fünf unauffällige, längliche Knöpfe, mit denen der Leser blättert, das Kontextmenü ("Options") aufruft, die Schriftgröße verändert und zum Startmenü zurückkehrt. Alle anderen Funktionen werden über den berührungsempfindlichen Bildschirm aufgerufen.

Anderes Bedienkonzept dank Touchscreen

Der Touchscreen ermöglicht eine ganz andere Bedienung als die Knöpfe: Das Hauptmenü besteht aus sieben Schaltflächen, vier großen und drei kleinen. Alle sind groß genug, um sie bequem mit dem Finger zu bedienen. Wer den Bildschirm lieber von seinen Fingerabdrücken freihalten möchte, kann das Gerät auch mit einem Stift bedienen, der in einem Schacht rechts oben im Gehäuse untergebracht ist.

Die vier großen Schaltflächen sind für die Lesefunktionen reserviert. Dazu gehören in erster Linie der Zugang zu der digitalen Bibliothek sowie das digitale Lesezeichen - also der Sprung zu der Textstelle, an der der Leser seine Lektüre unterbrochen hat.

Geblättert werden kann mit zwei Tasten unter dem Display. Der Leser hat aber auch die Möglichkeit, durch Wischen über den Bildschirm vor- oder zurückzublättern. In den Systemeinstellungen, die über eine der drei unteren Schaltflächen aufgerufen werden, kann er dabei einrichten, ob er mit dem Streichen von links nach rechts vor- oder lieber zurückblättert.

Schriftgröße schrittweise und stufenlos verändern

Wie andere E-Book-Reader bietet auch das Sony-Gerät die Möglichkeit, die Schriftgröße nach persönlichen Vorlieben einzurichten. Fünf Schriftgrößen kann der Nutzer über einen der Knöpfe am Gerät einstellen - von S bis XXL. Jede einzelne Schriftgröße kann der Nutzer noch einmal mit einer Schiebeleiste stufenlos vergrößern.

Bei der Darstellung von Texten oder von Bildern kann der Leser außerdem zwischen Hoch- und Querformat wählen. Umschalten muss der Leser über das Kontextmenü - anders als beispielsweise das Pocketbook 360 hat der PRS-600 keinen Lagesensor, der erkennt, wie der Nutzer das Gerät hält. Öffnet der Nutzer einen Text im Querformat, kann es sein, dass eine Seite nicht ganz dargestellt wird. Ein kleines Icon in der Randleiste zeigt dem Nutzer dann, ob er sich in der oberen oder der unteren Hälfte der Seite befindet.

Neue Funktionen

Neu hinzugekommen sind praktische Zusatzfunktionen: So hat der Nutzer die Möglichkeit, über den Touchscreen Anmerkungen an einem Text zu machen - genauso wie in einem gedruckten Buch. Das geht per Hand mit dem Stift oder - leserlicher - mit einer virtuellen Tastatur. Außerdem kann der Leser Textstellen markieren. Die so hervorgehobenen Zitate können später auf dem Computer in eine Seminararbeit kopiert werden.

Allerdings kann der Nutzer nicht nur Notizen zu einem Text machen, sondern auch mal eine Telefonnummer oder einen Einkaufszettel aufschreiben. Etwas verwirrend: Eine handschriftliche Notiz wird anders behandelt als eine, die über die virtuelle Tastatur eingegeben wird. Letztere heißt Textmemo und wird über den Menüpunkt unten links gestartet. Will der Nutzer etwas per Hand notieren, klickt er auf das Icon "Handschrift" unten. Auch die Menüführung für das Aufrufen der Notizen ist nicht ganz eingängig: Eine der vier großen Schaltflächen ist zwar mit "Alle Notizen" beschriftet. Tatsächlich findet der Nutzer dort jedoch nur die Textauszüge und Anmerkungen. Handschriftlich Notiertes und Memos müssen über die entsprechenden Schaltflächen aufgerufen werden.

Die handschriftliche Eingabe erfolgt mit dem Stift. Beim Schreiben muss der Nutzer darauf achten, dass er mit der Handkante nicht den Bildschirm berührt - dann wird die Eingabe mit dem Stift nicht erkannt. Als digitaler Notizblock, etwa zum Mitschreiben in der Vorlesung, eignet sich das Gerät deshalb nicht.

Suchen und Nachschlagen

Wo gedruckte Bücher allenfalls einige ausgewählte Stichworte im Register aufführen, da ist ein digitaler Text im Vorteil: Über eine Suchfunktion kann der Nutzer nach Stichworten oder nach Buchstabenkombinationen suchen. Aufgerufen wird die Suche über den Menüknopf "Options". Die Eingabe des Suchbegriffs erfolgt über die virtuelle Tastatur. Angezeigt wird der Suchbegriff zunächst auf der aktuellen Seite. Mit Hilfe von eingeblendeten Pfeiltasten kann der Nutzer dann von Fundstelle zu Fundstelle springen.

Wer ein englisches Buch liest, hat zudem die Möglichkeit, unbekannte Vokabeln nachzuschlagen: Auf dem Gerät sind zwei englisch-englische Wörterbücher installiert - das "Oxford Dictionary of English" und das "New Oxford American Dictionary", die wahlweise aktiviert werden können. Wird in einem englischen Text ein unbekanntes Wort doppelt mit dem Stift geklickt, erscheint am unteren Rand der Seite ein kleines Fenster mit der englischen Definition. Ein zweisprachiges Wörterbuch gibt es leider nicht.

Lesen mit dem elektronischen Papier

Wegen der besonderen Funktionsweise kommt das E-Ink-Display anders als ein Flüssigkristallbildschirm (LCD) ohne Hintergrundbeleuchtung aus. Es besteht aus zwei hauchdünnen Folien, von denen eine mit einem dichten Netz aus unsichtbaren Leiterbahnen überzogen ist. Zwischen den beiden Folien befinden sich viele winzige Zellen, in denen schwarze und weiße Pigmente schwimmen.

Die Farbpigmente sind elektrisch geladen. Werden die Leiterbahnen unter Spannung gesetzt, bewegen sich die Pigmente an die Oberfläche und bilden schwarze oder weiße Flächen: Buchstaben, Satzzeichen und die weißen Flächen dazwischen. Vorteil dieser Technik ist, dass nur dann Strom gebraucht wird, wenn der Nutzer blättert, wenn also ein neuer Inhalt auf dem Bildschirm aufgebaut wird. Dafür kann das Gerät wie ein gedrucktes Buch nur bei Licht genutzt werden. Wer also unter der Bettdecke lesen will, braucht wie früher auch eine Taschenlampe - oder die optional erhältliche Buchhülle mit integrierter Leselampe.

Bis eine Seite aufgebaut ist, dauert es etwa eine Sekunde. Der Bildschirm wird erst kurz schwarz, dann ist die neue Seite lesbar. Allerdings nutzt Sony die neue Generation von E-Ink-Display mit der Bezeichnung Vizplex, die schneller ist als frühere Versionen. Für die Darstellung von schwarzer Schrift auf hellem Grund reichen die acht Graustufen allemal aus. Will der Nutzer Bilder auf dem Gerät betrachten, lässt die Darstellung jedoch zu wünschen übrig.

Nachteil durch Touchscreen

Das hat auch mit dem berührungsempfindlichen Bildschirm zu tun: Die zusätzliche Schicht auf dem Display wirkt sich negativ auf die Lesbarkeit aus. Die hat sich gegenüber dem PRS-505 verschlechtert: Die Darstellung ist etwas kontrastärmer, außerdem spiegelt das Display stärker. Das mindert ein wenig den Vorteil des E-Ink-Displays gegenüber einem LCD.

Dennoch sind die Buchstaben auf dem Bildschirm gut erkennbar, auch noch aus einem relativ spitzen Blickwinkel. Das gilt bei Tageslicht ebenso wie bei Zimmerbeleuchtung. Lediglich wenn der Leser unter einer Lampe sitzt und das Licht direkt von oben auf den Bildschirm fällt, sind die Reflexionen so stark, dass es schwierig wird, etwas zu erkennen.

E-Books auf den E-Book-Reader

Über eine drahtlose Schnittstelle wie der txtr reader und Amazons Kindle 2 verfügt der Reader PRS-600 nicht. Das Gerät wird also offline mit Lesestoff versorgt: über ein USB-Kabel vom Computer. Auf dem internen Speicher sollen rund 350 digitale Bücher Platz finden. Insgesamt hat das Gerät 512 MByte Speicher, der aber zum Teil vom Betriebssystem belegt ist. Für den Nutzer stehen 380 MByte zur Verfügung. Wer Platz für mehr Bücher, Bilder und Musikstücke braucht, kann den Speicher über Steckplätze für SD-Karten oder Memory Stick Duo (bis 16 GByte) erweitern.

Wird das Gerät an den Computer angeschlossen und verfügt der Computer über die notwendigen Voraussetzungen (Windows ab XP mit Service Pack 2 oder MacOS X ab Version 10.4.11), wird auf dem Computer beim ersten Anschließen des Readers die Software eBook Library installiert. Über die Software kann der Nutzer E-Books vom Rechner auf das Gerät transferieren. Allerdings wird das Gerät auch als Laufwerk erkannt, so dass der Nutzer Dateien auch einfach per Drag and Drop auf das Gerät verschieben kann.

Die Software braucht er aber, um Notizen, Randbemerkungen und Textmarkierungen vom Reader auf den Computer zu übertragen und zu öffnen. Anders als der Reader bietet die eBook Library jedoch keinen Menüpunkt "Alle Notizen", in dem sich der Nutzer eine Übersicht der markierten Textstellen anzeigen lassen kann. Er muss erst den Text über das Programm öffnen und kann darin die Markierungen sehen. Hier wäre eine Nachbesserung wünschenswert - zumal es für die Memos und handschriftlichen Notizen eine solche Übersicht in der eBook Library gibt.

E-Books einkaufen nur über den Computer

Wegen der fehlenden Onlineverbindung werden Bücher auch über die eBook Library eingekauft. Darüber bekommt der Nutzer Zugang zu drei E-Book-Shops: Thalia, Libri und Mayersche. Über eine Suchfunktion können Nutzer durch Eingabe ihrer Postleitzahl zudem nach einer Buchhandlung in ihrer Nähe suchen, die digitale Bücher verkauft. Links zur Onleihe(öffnet im neuen Fenster) , der digitalen Fernleihe, die diverse deutsche Stadtbibliotheken anbieten, sowie zu den kostenlosen Angeboten Feedbooks(öffnet im neuen Fenster) , dem Project Gutenberg(öffnet im neuen Fenster) sowie Many Books(öffnet im neuen Fenster) , die sich auf der Sony-Website finden, fehlen in der eBook Library jedoch.

Der Sony Reader PRS-600 Touch Edition, der in dieser Woche auf den Markt kommt, kostet 299 Euro. Zum Lieferumfang gehören neben dem Gerät selbst ein USB-Kabel und eine Hülle aus Neopren, die den Reader beim Transport schützen soll. Ein Ladegerät gehört nicht zum Lieferumfang, steht aber als optionales Zubehör zur Verfügung Wer sich diese Anschaffung sparen will, lädt den PRS-600 über das USB-Kabel am Computer. Das dauert laut Hersteller rund vier Stunden - etwa doppelt so lange wie mit dem Ladegerät. Mit einer Akkuladung soll der Nutzer laut Hersteller 7.500-mal umblättern können.

Der Reader zeigt digitale Bücher in den Formaten ePub, pdf und BBeB an. Außerdem liest das Gerät txt-, rtf- und Word-Dateien sowie die Grafikformate bmp, gif, jpg und png. Schließlich spielt das Gerät auch Audiodateien in den Formaten mp3 und AAC (ohne DRM) ab. Wer den Reader unterwegs nutzt, kann den MP3-Player also zu Hause lassen. Der Kopfhörerausgang, eine 3,5-mm-Klinkenbuchse, befindet sich an der Vorderseite des Gerätes. Daneben sitzt auch ein Wippschalter für die Lautstärkeregelung.

Fazit

Der berührungsempfindliche Bildschirm ist ein großer Fortschritt. Der PRS-600 sieht damit nicht nur sehr elegant aus, er ist auch besser zu bedienen als der PRS-505 und andere Geräte mit Tasten. Allerdings ist das Bedienkonzept mit dem Nachteil eines stärker spiegelnden Bildschirms erkauft. Außerdem hat das Gerät einige wichtige Funktionen hinzugewonnen - wie etwa die Suche oder die Möglichkeit, Textstellen zu markieren oder Randbemerkungen zu machen.

Schade ist, dass der Reader nicht über die Möglichkeit verfügt, sich drahtlos mit einem Onlinebuchladen zu verbinden, wie ihn Sony in den USA betreibt . Ein Gerät, das über eine Mobilfunkanbindung verfügt, hat Sony im Sommer vorgestellt. Dieser Reader PRS-900 Daily Edition ist jedoch einstweilen Kunden in den USA vorbehalten. Es bleibt abzuwarten, ob hier Amazon und txtr mit ihren Geräten einen Vorteil gegenüber Sony haben.


Relevante Themen