Spieletest: Pro Evolution Soccer 2010 - Spaß statt Lizenzen
In anderer Hinsicht hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr getan. Etwa bei der Präsentation: Grafisch macht Pro Evo 2010 einen großen Sprung nach vorne. Vor allem die Spieler sehen deutlich besser aus. Ballack oder Torres etwa sehen ihren Vorbildern nicht nur ähnlich, sondern erinnern auch beim Jubeln oder Meckern an die großen Stars. Animationen im Spiel, die (Fantasie-) Stadien und der Rasen können ebenso überzeugen. Nur beim Publikum wäre noch etwas Nachbesserung wünschenswert – übrigens nicht nur optisch, sondern auch beim Sound. Die Schlachtengesänge wirken steril und wiederholen sich schnell.
Überhaupt ist die Akustik nicht die Stärke des Spiels: Der Kommentar von Hansi Küpper und Wolfgang Fuss strotzt vor Wiederholungen und Plattitüden. Die Menümusik ist zwar rockig, oft aber auch belanglos. Überhaupt will sich wirkliche Atmosphäre zwischen den Spielen eigentlich nur im Champions-League-Modus einstellen – dank der bekannten Uefa-Melodie und der offiziellen Grafiken wirkt das teils wie eine TV-Übertragung. Die anderen Modi lassen hier einiges zu wünschen übrig – vom Freundschaftsspiel über den Liga-Modus bis hin zur "Werde zur Legende"-Option, in der ein einzelner Spieler übernommen und vom Nobody zum Star gemacht werden muss.
Auf dem Spielfeld erinnert das neue Pro Evo an die Version aus dem Vorjahr, das irrwitzige Spieltempo der 2008er Version ist somit endgültig vergessen. Im direkten Vergleich zu Fifa 10 spielt sich der Konami-Titel trotzdem geschmeidiger – vor allem das Passspiel hat mehr Geschwindigkeit, längere Pässe kommen einfacher an. In vielerlei Hinsicht ist Fifa 10 mittlerweile realistischer als die Konami-Konkurrenz, etwa im Zweikampfverhalten und bei Fouls, aber auch bei der Ballphysik ähnelt Fifa 10 mehr einem echten Fußballspiel als Pro Evo. Infolgedessen ist Pro Evolution Soccer auf dem einfachsten der fünf Schwierigkeitsgrade mittlerweile einsteigerfreundlicher als die Konkurrenz: Während es bei Fifa10 einige Zeit dauert, bis Flankenläufe und erste Tore funktionieren, gelingen solche Erfolgserlebnisse hier deutlich schneller.
Die wahren Stärken entfaltet das Programm allerdings erst auf höheren KI-Stufen oder bei Offline- und Online-Multiplayer-Partien mit erfahrenen Spielern – die Spieltiefe ist eine Klasse für sich, das Ballgefühl hervorragend. Jede noch so ausgefeilte Taktik lässt sich bis ins kleinste Detail via Schieberegler einstellen, auch die ausgefallensten Pass-Stafetten klappen nach einiger Übung. Die Torwarte machen zwar immer noch einige unnötige Fehler, und Schüsse an die Latte oder den Pfosten passieren weiterhin häufiger als im echten Leben. Auch die Abpraller sind oft übertrieben, die dadurch häufig entstehende Strafraumdramatik kommt dem Spiel allerdings eher zugute, als dass es schadet.
Pro Evolution Soccer 2010 ist für Playstation 3, Xbox 360 und Windows-PC erhältlich; später folgen Versionen für Nintendo Wii und Playstation 2. Der Titel kostet zwischen 40 (PS2, Wii und PC) und 50 Euro (Xbox 360 und Playstation 3). Das Spiel hat eine USK-Einstufung ab null Jahren erhalten.
Fazit
Das ewige Duell zwischen Fifa und Pro Evo endet dieses Jahr überraschend – mit einem Unentschieden. Beide Spiele sind auf ihre Art und Weise hervorragend, setzen aber ganz andere Schwerpunkte. Fifa 10 protzt wie gewohnt mit einem gigantischen Lizenzpaket, bietet die bessere Atmosphäre und einen realistischeren Spielablauf, der viel Wert auf Zweikämpfe und Taktik legt.
Pro Evolution Soccer 2010 enttäuscht abseits des Platzes, was Originalnamen und Menügestaltung angeht. Aber es bietet auf dem Rasen mehr Tempo, einen flüssigeren Spielablauf und vor allem viel mehr Dramatik inklusive zahlloser Strafraumszenen, teils allerdings zulasten des Realismus. Am Ende ist es Geschmackssache, welcher Titel einem mehr zusagt – gut angelegt ist das Geld bei beiden Spielen.
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