Spieletest: Forza Motorsport 3 - Masse und wahre Klasse
Das Entwicklerstudio Turn10 hat spürbar Wert darauf gelegt, Forza Motorsport 3 von Beginn an einsteigerfreundlicher zu gestalten als die Vorgänger. Das beginnt bei den ersten Menüs: Ein Sprecher führt den Spieler durch die Optionen und erklärt auch im Folgenden, was zu tun ist und welche Entscheidungen sich wie auswirken. Hilfreich und nötig, denn vom Handbuch ist nicht viel Unterstützung zu erwarten. Es stellt auf viel zu wenigen Seiten nur die wichtigsten Informationen bereit und liefert kaum Hinweise oder Erklärungen.
Der Schwierigkeitsgrad ist diesmal auch auf der Strecke variabler: Bereits zu Beginn dürfen Konsolenpiloten zwischen drei Profilen – vom Fahranfänger bis zum Profi – auswählen, danach lässt sich aber in jedem Rennen eine Fülle von Fahrhilfen an- und abschalten. Wer mit den realistischen, simulationslastigen Einstellungen seine Probleme hat, aktiviert alles – von der Traktionshilfe bis zum automatischen Bremsen – und landet selbst auf schwierigen Kursen nicht mehr so leicht im Kiesbett. Wenn doch, kann er durch das Zurückdrehen der Zeit auch das korrigieren. Versierte Fahrer hingegen begeben sich am besten mit Lenkrad und ohne jegliche Unterstützung auf die Piste – eine größere Herausforderung lässt sich im Rennspielzirkus derzeit kaum finden.
Kernstück ist der Saisonmodus. Hier kauft der Spieler zunächst ein Auto, das mit dem begrenzten Startkapital zu finanzieren ist. Die ersten Runden absolviert der Spieler also in Fahrzeugen wie einem Ford Fiesta. Forza ist allerdings recht großzügig was Erfahrungspunkte, Preisgeld und Sponsorengeschenke angeht: Es dauert nicht lange, bis weitere Vehikel, etwa ein Fiat 500 oder ein Alfa Romeo Brera, die Garage füllen.
Je weiter die Karriere voran schreitet, desto luxuriöser werden die zur Verfügung stehenden Boliden. Dank des riesigen Fuhrparks gehen neue Traumkarossen nicht so schnell aus – bis der Spieler wirklich alle Vehikel von Audi, Lamborghini, Porsche, Ferrari und Co gesteuert hat, vergeht einige Zeit.
Neue Punkte sammelt der Fahrer in Einzelwettbewerben und Rennserien. Was dem Forza-Piloten jeweils an Rennmöglichkeiten offen steht, verrät der interaktive Rennkalender, der sich dem eigenen Rang und dem aktuellen Fuhrpark anpasst. Bestimmte Wettkämpfe erfordern besondere Fahrzeuge, etwa, wenn in Serien nur mit US- oder europäische Autos zugelassen sind oder Hersteller-Meisterschaften anstehen. Platzierungsrennen sind ebenso zu finden wie Drag- und Drift-Wettbewerbe. Generell bleibt es dem Spieler überlassen, ob er sich von einem Event ins nächste Event stürzt oder zunächst die Strecken probefährt und am Auto schraubt.
An Tuningmöglichkeiten herrscht kein Mangel: Wer sich ungern in Menüs aufhält, wählt einfach nach jedem Rennen das automatische Update und lässt das Fahrzeug durch die vorhandenen Mittel bestmöglich pimpen. Schrauber hingegen legen selbst Hand an und freuen sich über den immens mächtigen Editor, der optische Updates in mehreren Schichten zulässt und so komplett individualisierte Fahrzeuge ermöglicht. Sie lassen sich online nicht nur bewundern, sondern auch verscherbeln.
Die größte Stärke von Forza war schon in der Vergangenheit das realistische Fahrgefühl, daran hat sich auch im dritten Teil nichts geändert. Im Gegenteil: Wie die Entwickler es geschafft haben, jedem Fahrzeug eine eigene Note zu geben und den Fahrer so immer wieder vor neue Herausforderungen zu stellen, ist vorbildlich. Jeder Bodenbelag, jeder Bremsfehler, jede Unebenheit im Kiesbett wird bis ins kleinste Detail umgesetzt und fühlt sich tatsächlich in jedem Auto anders an. Wer Forza 2 gespielt hat, wird mit dem Fahrgefühl bestens vertraut sein. Da es daran bereits im Vorgänger wenig auszusetzen gab, sind die Veränderungen bei Physik und Realismus dezent.
Optisch überzeugt Forza 3 fast uneingeschränkt: Die zahlreichen Kurse in schönen Wald-, Küsten- und Bergregionen, aber auch auf bekannten Rennstrecken strotzen vor Details und werden dennoch immer flüssig dargestellt. Das mehrstufige Schadensmodell hingegen ist eher zurückhaltend. Kratzer und Dellen gibt es schnell, größere Schäden selten. In einem Punkt patzt Forza 3 allerdings: Die KI ist nicht so ausgefeilt, wie es ein Spiel mit derart hohem Realismusanspruch eigentlich erfordert. Zwar landen auch die computergesteuerten Fahrer im Kiesbett, verpassen den optimalen Bremspunkt und gehen zu schnell in Kurven. Andererseits fahren sie aber viel zu defensiv und lassen sich meist problemlos überholen. Spannende Zweikämpfe sind selten. Die gibt es dafür im umfangreichen Onlinemodus, der mit frei erstellbaren Wettbewerben kaum Wünsche offen lässt.
Forza Motorsport 3 ist zwei Versionen erhältlich: Die Standard-Edition kostet rund 60 Euro, sie enthält einen Downloadcode für zusätzliche Inhalte wie ein paar Extraautos. Die limitierte Collector's Edition hingegen kostet knapp 100 Euro, hat noch mehr Downloadinhalte sowie einen USB-Stick, einen Schlüsselanhänger, ein Schnupperabo für Xbox Live sowie eine VIP-Mitgliedschaft bei Forzamotorsport.net zu bieten. Beide Editionen sind ab dem 23. Oktober 2009 exklusiv für Xbox360 verfügbar. Die USK hat das Programm ohne Altersbeschränkungen freigegeben.
Fazit
Forza Motorsport 3 ist ein technisches Meisterwerk: Wie atemberaubend schön Autos und Strecken in Szene gesetzt werden, ist einfach nur klasse. Auch Umfang, Optionsvielfalt und die Bandbreite an Spielern, die bedient wird – vom Einsteiger bis zum Rennspielexperten -, lassen kaum Kritik zu. Einzig bei der teils etwas sterilen Atmosphäre verpasst Forza 3 den Genrethron. Wünschenswert wären mehr spannende Duelle, um den Titel motivierender zu gestalten, als er ohnehin schon ist.
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