Spieletest: Brütal Legend - Heavy Metal mit Humor
Der Spieler steuert Eddie in Brütal Legend aus der Motorradjacke-von-hinten-Perspektive und absolviert dabei eine Reihe von Missionen, die letztlich in den Kampf gegen den bösen Lord Doviculus münden. Unter anderem kloppt er sich zu Fuß mit Skelettmönchen, feuert im fahrenden Auto auf Gegner und legt sich mit Oberbossen wie einer riesigen Stahlspinne an. Im Rahmen der Handlung trifft Eddie mehr oder weniger seltsame Figuren: Gleich nach dem Start verliebt er sich in die hübsche Ophelia, später freundet er sich mit einem Heavy-Metal-Arzt an (der aussieht wie Lemmy von Motörhead) und begegnet dem merkwürdigen General Lionwhyte – Rob Halford von Judas Priest.
Außerhalb der Haupthandlung kann Eddie die Welt zu Fuß oder im chromblitzenden und flammensprühenden Auto – das tatsächlich "Teufel" heißt – erkunden. Das lohnt sich, denn zwischen Bergen und Tälern sowie auf den Ebenen mit riesigen Schwert- und Gitarrenhalsstatuen warten Nebenmissionen. In denen kann Eddie in Wettrennen oder Sammelquests Geld verdienen und so sein Vehikel sowie seine Waffen mit nützlichen – oder zumindest coolen – Extras aufmotzen.
Um Gegner im Nahkampf in die ewige Progressive-Rock-Hölle zu schicken, haut Eddie sie mit seiner Axt aus den Lederstiefeln. Wenn es um weiter entfernte oder fliegende Feinde geht, schickt ein Riff auf seiner Gitarre sie ins Jenseits. Im Spielverlauf lernt der Roadie besonders effektive Combos und kann die Wirkung seiner Angriffsgeräte verstärken.
Außerdem findet er bald Unterstützung: In einem seiner ersten Einsätze befreit Eddie eine Armee unterjochter Headbanger, denen er später in strategischen Missionen Kommandos erteilt, damit sie eine Konzertbühne verteidigen. Beispielsweise beauftragt er seine Kumpels, eine Stellung zu verteidigen oder einen bestimmten Gegner anzugreifen. In diesen Schlachten tummeln sich teils mehrere Dutzend Einheiten auf der Karte, Eddie selbst muss Gebäude beschützen und gleichzeitig in die Kämpfe eingreifen – dabei geht es leider teils unübersichtlich zu. Der Multiplayermodus besteht ausschließlich aus Varianten dieser "Stage Battles".
Den Einstieg in die Spielewelt und das Gameplay erklärt Brütal Legend so gut, dass auch Bon-Jovi-Fans klarkommen sollten. Allerdings fehlen Komfortfunktionen: Beispielsweise gibt es keine eingeblendete Mini-Übersichtskarte, die den Weg zum nächsten Ziel erklärt – der ist nur in der Welt als riesige Lichtsäule markiert. Aber wer wissen will, wie er dorthin gelangt, muss umständlich in eine Vollbild-Kartenansicht wechseln. Auch sonst gibt es nur wenige Bildschirmanzeigen. Wenn Eddie in Kämpfen kurz vor dem Tod steht, soll der Spieler das an einem laut pochenden Herzen merken – im Kampflärm ist das aber leicht zu überhören; immerhin sind die Speicherpunkte fair gesetzt. Der mittlere Schwierigkeitsgrad – sonst gibt es noch "Sanft" und "Brütal" – hat sich in vielen scheinbar herausfordernden Missionen als erstaunlich problemlos schaffbar erwiesen.
Dass Eddie in einer Heavy-Metal-Welt kämpft, ist jederzeit in Brütal Legend zu spüren. Da kann der Spieler im Autoradio zwischen Klassikern von Black Sabbath, Accept, Judas Priest oder Megadeth wählen – allerdings sind auch Bands wie Def Leppard oder Motley Crue mit dabei, zu denen zumindest zu ihren Glanzzeiten echte Rocker nur heimlich in der Badewanne gesummt haben. Dazu kommen hunderte von Scherzen und Anspielungen auf Lederklamotten, Gitarren, Songtexte, Sadomasospiele, lange Haare, Autotuning und was sonst noch irgendwie im Zusammenhang mit Heavy Metal stehen könnte – für Fans das Eldorado schlechthin.
In der englischen Version spricht der Schauspieler Jack Black den Eddi, außerdem leihen Ozzy, Lemmy und andere Musiker ihren polygonisierten Alter Egos die Stimme. In der lokalisierten Fassung haben das Synchronsprecher übernommen – überraschenderweise klingt ausgerechnet die ungewöhnliche Stimme von Osbourne im Deutschen noch mit am stärksten nach dem Vorbild. Die restliche Synchronisation fällt dagegen ab, allerdings enthalten DVD und Blu-ray die vollständige Sprachausgabe der Originalversion plus – auf Wunsch – Untertitel.
Brütal Legend ist auf Playstation 3 und Xbox 360 für rund 65 Euro erhältlich. Das Programm enthält keine Schnitte und ist von der USK ab 18 freigegeben. Einige der Gewalteffekte sowie die heftigsten Schimpfwörter lassen sich im Hauptmenü deaktivieren.
Fazit
Echte Fans von Heavy Metal sollten schnurstracks auf die Harley klettern und sich Brütal Legend besorgen – in keinem anderen Actionspiel steckt so viel Musik! Dazu kommen eine supersympathische Hauptfigur, Massen an ebenso liebevollem wie gelungenem Humor und mehr Verweise auf Rock, als in einer durchschnittlichen Ausgabe des Metal Hammer zu finden sind.
Aus Spielersicht sieht es allerdings weniger gut aus. Die Actioneinlagen sind klasse, doch schon bei der Vehikelsteuerung verhagelt eine viel zu langsame Kameraführung ungetrübten Spaß. Wirklich überflüssig sind die Pseudo-Strategieeinsätze bei den Stage Battles – denn bei jedem echten Open Air geht’s übersichtlicher zu. Wenigstens sind diese Schlachten dank des niedrigen Schwierigkeitsgrades stets lösbar. Die Grafik ist okay, ruckelt aber teilweise heftig. Unterm Strich landet Brütal Legend als Spiel zwar noch im gehobenen Mittelfeld – aber da wäre mehr drin gewesen.



