Spieletest: Uncharted 2 - das PS3-Vorzeigeabenteuer

In Uncharted 2 steuert der Spieler die Hauptfigur aus der Schulterperspektive durch eine Handlung, die dem oft beschworenen Prädikat "filmreif" tatsächlich gerecht wird. Nathan Drake ist die meiste Zeit mit einer hübschen Begleiterin namens Chloe sowie mit weiteren Figuren unterwegs, die teilweise schon im Vorgänger vorkamen. Er bricht mit Begleitung in ein türkisches Museum ein, liefert sich im Dschungel von Borneo Feuergefechte und kämpft und klettert über den Dächern einer spektakulär schönen Stadt im Himalaya. Zwischen den Action- und Rätseleinlagen treiben teils minutenlange, in der Grafikengine ablaufende Sequenzen die Story voran - und zwar deutlich aufwendiger animiert und geschnitten, als es sonst in vergleichbaren Spielen der Fall ist.
Die meiste Zeit verbringt der Spieler damit, Drake in Kämpfen gegen menschliche Söldner oder Wachleute zu steuern. Dabei kann oder muss er gelegentlich schleichend agieren, sich von hinten an seine Gegner pirschen und sie dann mit der "Quadrat"-Taste lautlos ausschalten. Meist aber lässt es Uncharted 2 knallen und Drake kämpfe mit Pistole, Kalaschnikow oder Raketenwerfer gegen Horden von Feinden. Diese schicken in vielen der Gefechte mehrere Wellen nacheinander ins Feld, bis irgendwann der Nachschub ausgeht. In der mittleren der drei Schwierigkeitsstufen sind die Kämpfe herausfordernd, aber immer lösbar - zumindest im zweiten oder dritten Anlauf, die dank gut platzierter Kontrollpunkte ohne viel Vorlauf starten.
Öfter als im ersten Uncharted darf Drake an Gebäudefassaden, Steinwänden, Brücken oder sonstigen Bauten klettern. Besonders viel Geschick benötigt der Spieler dafür nicht: Der Held hält sich - anders als in Tomb Raider - immer irgendwo fest, die Kletterwege sind fast immer gut sichtbar oder sogar durch auffällig helle Steine hervorgehoben. Nur wer im falschen Moment versehentlich die "Kreis"-Taste drückt, kann in die Tiefe stürzen, ist dann aber auch selbst schuld. Zwischendurch muss Drake einfache Rätsel lösen und beispielsweise anhand einer Tagebuchaufzeichnung die Arme einer Statue ausrichten.
Uncharted 2 ist nur für Playstation 3 ab dem 16. Oktober 2009 erhältlich und kostet rund 65 Euro. Der Titel setzt keine Installation voraus, die Ladezeiten sind trotzdem sehr kurz und im Spiel selbst dann fast nicht spürbar. Neben erstklassigem Sound bei Effekten und Hintergrundmusik befinden sich auf der Blu-ray sowohl die erstklassige englische sowie die etwas schwächelnde, aber immer noch gute deutsche Sprachausgabe.
Das Programm enthält einen umfangreichen Multiplayermodus, in dem Spieler sowohl miteinander als auch gegeneinander mit bis zu zehn Teilnehmern antreten können; Mehrspielerpartien mit der Testversion waren leider noch nicht möglich. Eine rund 1,3 GByte große Demo des Multiplayermodus ist im Playstation Network verfügbar.
Die hierzulande angebotene Version enthält keine Schnitte und hat von der USK eine Altersfreigabe ab 16 Jahren bekommen. Das ist angesichts der sonst üblichen Prüfpraxis etwas merkwürdig, weil Drake beispielsweise Feinde mit gezielten Kopfschüssen ausschalten kann, dabei gut sichtbar Blut spritzt und es auch noch eine dazugehörende Trophäe gibt.
Fazit
Es gibt wenige Spiele, bei denen das Wort "filmreif" so gut passt wie bei Uncharted 2: Dialoge, Handlung, Figuren und Animationen wirken wie in einem toll inszenierten Hollywood-Blockbuster und sorgen dafür, dass sich wohl kaum ein Spieler während der rund zwölfstündigen Story langweilt. Die Feuergefechte machen Spaß und die Kletterpartien über den spektakulärsten Abgründen der bisherigen Spielegeschichte sorgen immer wieder für runterklappende Kinnladen.
Ein paar negative Seiten hat "filmreif" aber auch: Die lineare Geschichte lässt kein Gefühl von spielerischer Freiheit aufkommen, stellenweise ist fast jeder Handgriff und Knopfdruck vorgegeben. Und so beeindruckend die Grafik auch aussieht, viele Level wirken wie Kulissen, die Drake ähnlich wie ein japanischer Tourist im Reisebus durchquert. Wie schön wäre es, wenn man im türkischen Museum, in Nepal oder später in den Tempeln auf eigene Faust auf Entdeckungstour gehen könnte! Wer mit diesen Einschränkungen leben kann, erlebt aber auf den Spuren von Marco Polo ein packendes Abenteuer.



