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Spieletest: Fifa 10 - so macht Fußball Spaß

Mehr Zweikämpfe und Taktik auf dem grünen Rasen. Vom ewigen Zweiten zum neuen Meister: Fifa 09 ließ die PES-Konkurrenz von Konami hinter sich und setzte sich mit bravourösem Ballgefühl und spielerischen Möglichkeiten an die Tabellenspitze. Fifa 10 will die Erfolgsgeschichte fortschreiben und bietet leidenschaftlichere Zweikämpfe. Schade, dass ausgerechnet die PC-Version enttäuscht.
/ Thorsten Wiesner
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Bayerns Arjen Robben will an der Seitenlinie zu einem seiner berühmten Sprints ansetzen, allerdings ist schon nach wenigen Metern Schluss – die Abwehr des Hamburger SV schnürt ihn ein, einige faire Tacklings später ist Robben den Ball schon wieder los. Szenen wie diese sind bei Fifa 10 an der Tagesordnung: Dank intelligenter Raumdeckung und taktischen Zweikampfverhaltens ist ein Durchkommen auch an der Seitenlinie schwieriger denn je. Die intensiven Zweikämpfe, bei denen auch mal wild gestikuliert, am Trikot gezupft und beständig versucht wird, intelligent den Ball abzuschirmen, sind leidenschaftlich wie nie zuvor. Fair bleiben die Duelle trotzdem: Erst in brenzligen Situationen legen die Verteidiger härtere Bandagen an und riskieren eine gelbe Karte.

Aber nicht nur bei den Zweikämpfen wirkt Fifa 10 realistischer und vielseitiger als der Vorgänger. Auch in der Offensive gibt es kleine, aber spürbare Neuerungen. Die Standardsituationen etwa konnten noch nie so filigran und detailverliebt ausgeführt werden wie hier. Anfänger sind zu Beginn zwar überfordert, nach einiger Einarbeitungszeit lassen sich aber vollkommen neue Varianten einstudieren und fortan zur Überraschung des Gegners nutzen. Pässe und Dribblings sind dank 360-Grad-Bewegungsradius platzierter denn je, und das Schusssystem wartet mit neuen, umfangreichen Möglichkeiten auf – Lupfer über den Torwart oder platzierte, trockene Schüsse ins lange Eck funktionierten noch nie so gut.

Auch Torwarte und Schiedsrichter haben die Sommerpause offensichtlich im Trainingslager verbracht: Aussetzer bei den Keepern sind noch unwahrscheinlicher, was gleichzeitig allerdings auch Kunstschüsse erschwert – die Zahl der ganz spektakulären Tore geht spürbar zurück. Die Schiedsrichter agieren nun vor allem bei Vorteils- und Abseitsregelungen nachvollziehbarer. Gelbe und rote Karten oder strittige Entscheidungen gibt es zwar weiterhin, wie im echten Leben werden die von den wild gestikulierenden Spielern dann aber auch entsprechend diskutiert.

Abseits des Platzes herrscht das gewohnte Bild: Ein schnelles Match, ein Freundschaftsspiel, eine ganze Saison oder eine Onlinemeisterschaft – es gibt fast alle Modi, die das Spielerherz begehrt. Dank offizieller Lizenz sind nicht nur erste und zweite Bundesliga mit von der Partie, sondern auch andere Topligen wie die spanische oder englische. Auch Teams aus kleineren Fußballnationen wie Österreich oder Südkorea mischen mit. Die Spielerdaten sind allesamt auf dem letzten Stand und können via Onlineupdate auch beständig aktualisiert werden – und natürlich wird an Originalschauplätzen gekickt.

Überraschend gut ist der Spielkommentar: Tom Bayer etwa glänzt mit passenden Sprüchen und einer realistischen Spielbeurteilung, auch wenn Aussetzer immer noch vorkommen. Warum etwa der Abwehrspieler, der noch nie ein Tor erzielt hat, zum "wichtigsten Torschützen des Teams" ernannt wird, bleibt wohl auf ewig ein EA-Geheimnis. Im Vergleich zu den letzten Jahren ist die Verbesserung aber definitiv spürbar. Die Optik hingegen hätte einen größeren Sprung machen dürfen: Spieler und Stadien sehen ihren Vorbildern durchaus ähnlich, das Publikum gibt sich leidenschaftlich – etwas mehr Veränderung zum Vorjahr wäre schön gewesen.

Auch in anderen Punkten gibt es Kleinigkeiten zu kritisieren: Der integrierte Manager-Modus ist rudimentär – hier scheint es, als wolle EA nicht Gefahr laufen, dem eigenen Fußball Manager Konkurrenz zu machen. Anfänger würden sich zudem mehr als die paar Tutorials und die Trainingsarena wünschen, um die zahlreichen neuen Spiel-, Pass- und Schussmöglichkeiten zu erlernen. Der "Be A Pro"- und "Virtual Pro"-Modus hingegen hat sich etabliert: Wahlweise einen einzelnen Spieler auswählen und in allen Partien steuern oder selbst erstellen und dann durch das Erfüllen bestimmter Aufgaben eine große Karriere zu starten, das sorgt für zusätzliche Motivation und ist stimmig umgesetzt.

Die PC-Version ist grafisch deutlich schwächer als die Fassungen für Playstation 3 und Xbox 360: Das Grün sieht in der Standardansicht kaum noch nach Rasen aus, Kameras am Bildschirmrand sind schlecht eingeklebte Bitmaps und viele Details fehlen. Seltsam: Während die Bildwiederholrate selbst auf langsameren PCs hoch ist, bewegen sich die Fußballer selbst auch auf High-End-Rechnern längst nicht so flüssig wie auf Konsole, sondern sind oft ruckelig animiert. Das Programm benötigt eine CPU mit 2,4 GHz, unter Windows XP 512 MByte und unter Vista 1 GByte an RAM. Die Grafikkarte muss Pixel Shader 2.0 sowie DirectX 9.0c beherrschen und über 128 MByte RAM verfügen. Auf der Festplatte belegt Fifa 10 rund 7 GByte. Der Titel verwendet einen Kopierschutz von Securom, der bei der Installation die Eingabe eines Codes von der Handbuchrückseite verlangt.

Fifa 10 ist für Playstation 3, Xbox 360, Windows-PC sowie für Playstation 2, Wii, PSP und Nintendo DS erhältlich und kostet je nach Plattform zwischen 40 und 60 Euro. Das Spiel ist von der USK ohne Altersbeschränkung freigegeben.

Fazit

Kein Durchmarsch wie im letzten Jahr, aber immer noch eine beeindruckende Partie: Fifa 10 ruht sich nicht auf den Lorbeeren des Vorgängers aus, sondern setzt auf spürbare Detailverbesserungen und gibt dem Spieler deutlich mehr Möglichkeiten in der Defensive und Offensive. Realismus, Vielfalt, Motivation und Atmosphäre überzeugen allesamt – Pro Evolution Soccer wird es auch in diesem Jahr sehr schwer haben, der starken EA-Konkurrenz Paroli zu bieten.


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