Microsoft: Chrome-Plug-in ist ein Sicherheitsrisiko
Freundliche Übernahme oder feindliche Assimilierung? Das Urteil über Googles jüngsten Coup steht noch aus. Seit Dienstag bietet der Suchmaschinengigant Google ein Plug-in für die letzten drei Generationen des Internet Explorers von Microsoft an. Das Plug-in ersetzt die IE-Rendering-Engine durch die Webkit-basierte Engine von Google. In einem Blogeintrag bei Chromium.org(öffnet im neuen Fenster) heißt es dazu: "Wir entwickeln Google Chrome Frame, um Programmierer dabei zu unterstützen, schnellere und leistungsfähigere Anwendungen wie Google Wave zu entwickeln." Das Plug-in wird ausdrücklich als Entwicklungsversion bezeichnet.
Erste Tests der Computerworld(öffnet im neuen Fenster) haben gezeigt, dass der verchromte IE Javascript in Webseiten bis zu zehn Mal schneller verarbeitet. Darüber hinaus unterstützt das Chrome Frame genannte Plug-in den HTML-5-Standard.
Microsoft zeigt sich von Googles Unterwanderung nicht begeistert. Das Plug-in gefährde die Sicherheit der Websurfer, ließ das Unternehmen verlauten. In einer Erklärung gegenüber Ars Technica sagte ein Microsoft-Sprecher(öffnet im neuen Fenster) wörtlich: "Berücksichtigt man die Sicherheitsprobleme mit Plug-ins im Allgemeinen und Google Chrome im Besonderen, dann verdoppelt der Einsatz von Google Chrome Frame die Angriffsfläche für Schadprogramme und bösartige Skripte."
Solche Aussagen sind mit Vorsicht zu genießen. Microsoft und Google sind schließlich Wettbewerber. Betrachtet man die mäßigen Sicherheitsbilanzen, die IE6 und IE7 vorgelegt haben, könnte das Plug-in den Nutzern der älteren Browser durchaus Verbesserungen bringen. Beim IE8, dem Microsoft deutlich erweiterte Sicherheitsmaßnahmen spendiert hat, könnte die Bilanz schwerer zu ziehen sein. Ob das Google-Chrome-Plug-in den Internet Explorer sicherer oder unsicherer macht, wird am Ende die Praxis in den kommenden Monaten zeigen.
Klar ist jedenfalls, dass Google mit dem Plug-in seiner Wave-Plattform eine möglichst große Nutzerbasis zuführen will. Dieser Schritt stellt eine ernste Bedrohung für Microsofts dominierende Position auf dem PC-Software-Markt dar. Microsofts Reaktion dürfte nicht lange auf sich warten lassen. Es ist nicht davon auszugehen, dass Microsoft der Assimilierung seiner Nutzer tatenlos zusehen wird. [von Robert A. Gehring]



